Nein,
nein … Dies hier wird ganz bestimmt kein Schwangerschafts-Stillkissen-Blog oder
so … Da aber nicht von der Hand zu weisen ist, dass ich unter
Schwangerschaftsdemenz leide, ergreife ich die Gelegenheit und halte mal alles
in Wort, Schrift und Bild fest, damit ich nichts davon vergesse bzw. wenn ich
es schon vergesse, ich die Möglichkeit habe, es nachzulesen, wie es sich
zugetragen hat.
Welche
Veränderung nun schlussendlich der Stein des Anstosses war, lässt sich nun auch
nicht mehr sagen. Fakt ist, wäre der Prinz nicht, wäre ich nicht hier, wo ich
jetzt bin. Zwar weiss ich noch immer nicht so genau, wo ich jetzt bin, doch es
wird zumindest immer klarer. Doch dazu später mehr.
Die
Casa gehört jeden Tag ein Stück mehr der Vergangenheit an. Seit gestern stehen
sogar schon die Namen für die neuen Nachkömmlinge fest. Ein ganz nettes junges
Paar, welches sofort einen Narren an der Casa gefressen hatte und sich recht
schnell einig war, dass sie hier gemeinsam einziehen wollen. Ach, ich find’s schön,
würdige Nachfahren „gefunden“ zu haben.
Bis
wir jedoch soweit waren, war’s ein harter, teilweise recht unebener Weg.
Da
war im Sommer die Kündigung der Casa, welche mir mental ganz schön zugesetzt
hat. Das fühlte sich irgendwie an, wie wenn mir jemand meine Lebensgrundlage
genommen hätte. Mit einem Mal – naja, eigentlich erst dann, als die Kündigung
offiziell bestätigt wurde – war alles ganz anders. Ich erfasste den festen
Vorsatz, noch soviel Zeit, wie nur irgendwie geht, in der Casa verbringen zu
wollen, insbesondere nach dem Urlaub in Italien. Aber es kam auch da anders,
als gedacht. Es ist der Samstag im August nach dem Urlaub. Ich sehne mich nach
Ruhe und Stille und nach Alleinsein. Yeah ! Ein ganzes Wochenende, nur die
Casa, ich und der Zwockel, der gerade begonnen hat, sich ganz sanft und leise
bemerkbar zu machen. Das will ich ausnutzen - mitnehmen, was geht. Es vergehen
2, 3 und auch 4 Stunden. Ich bin beschäftigt, kümmere mich um das
Liegengebliebene und stelle aus heiterem Himmel fest, dass das Alleinsein und
die Stille und die Ruhe gar nicht mehr so toll sind. Eine weitere Stunde später
beschliesse ich, das Wochenende doch nicht allein in der Casa verbringen zu
wollen. Entweder der Prinz kommt her oder ich fahr zu ihm.
Das
irritiert mich völlig. Ich, die nichts lieber mochte, als allein sein, komme
von ganz allein auf die Idee, nicht mehr allein sein zu wollen.
Vermutlich
war das der Startschuss zur nächsten Veränderung. Und mit genau dieser
Veränderung traten nach geraumer Zeit die Cozzolino’s in mein Leben. Ob
Bereicherung oder nicht, ist mir noch nicht ganz klar, es sei einfach mal
dahingestellt.
Das
Auszugsdatum aus der Casa war nun nicht mehr von der Hand zu weisen, über
Mobiliar etc. wurde mit dem Prinzen entschieden und somit konnte der grosse
Abverkauf nicht benötigter Möbel beginnen.
Ein
kostenloses Inserat bei Quoka (lediglich die Top-Platzierung kostete mich 10
Euronen), Angabe einer Telefonnummer und schon fiel der Schuss zum Showdown.
Das Telefon klingelte, der Maileingang platzte aus allen Nähten und ich hatte
meine wahre Freude am Organisieren und Abwarten, damit man nicht dem einen die
Tür vor der Nase zuhaut, während sich der andere noch nicht entschieden hat.
Alles
hat erstaunlich gut geklappt. Die Menschen haben sich an ihre Absprachen und
Versprechen gehalten und das obwohl teilweise 3-4 Wochen zwischen Zuschlag und
Möbelabholung lagen. Mein Vertrauen in die Menschheit wurde nicht enttäuscht.
Die Schränke aus dem Gästezimmer stehen nun bei einem Auszubildenden in Worms,
der sein Zimmer neu gestaltet hatte und froh war, für wenig Geld (65 Euro) fast
neue Schränke zu bekommen. Die Kommode und der Nachttisch aus dem Schlafzimmer
stehen nun in Heidelberg bei einem jungen Paar (40 Eur), der Esstisch, 4
Stühle, ein Bücherregal sowie ein Schuhregal (70 Eur) haben in der Pfalz (bei
Kaiserslautern) Unterschlupf gefunden. Jüngster Neuzugang: ein recht junges
Mädel, welches für ganz wenig Geld (51,22 Eur) die Wohnzimmermöbel sogar bei
Ebay ersteigert hat. Klar, es hätte mehr sein können, doch so ersparen wir uns
das Abschlagen und Runtertragen und das Entsorgen über Sperrmüll.
Und
genau jetzt kommen die Cozzolino’s. Frau Cozzolino rief mich direkt 3 Tage nach
Erscheinen der Online-Anzeige an. Ihr Interesse galt hauptsächlich der Küche,
dem Schlafzimmer und der Waschmaschine. Ein Besichtigungstermin war recht
schnell vereinbart. Und sie kamen, sie sahen und vermutlich siegten sie auch …
Am ehesten über meine Nerven … Also, die Cozzolino’s liefen ein: Frau
Cozzolino, Töchterchen, Söhnchen und zwei Italiener, die gerade eine neue
Existenz in Deutschland aufbauen wollen. Nach einer Stunde ist der Deal
perfekt. Sie wollen alles mitnehmen. Am liebsten sofort, was allerdings nicht
geht. Sie hinterlassen eine Anzahlung von 250 Eur und verabschieden sich mit
einem glücklichen CIAO !!!!
Zuerst
kommen Bett und Schrank aus dem Flur dran. Diese werden von einem mir bekannten
Italiener und einem mir noch unbekannten Italiener abgeholt. Alles perfekt, sie
nehmen, was sie tragen können, sind noch immer glücklich und freuen sich auf
Anfang September, bis sie dann endlich die Küche abholen können. Auch hier
steht der Termin recht schnell fest. Ein Samstag, 1000 h. Es ist bereits 1015,
als mit Herr Cozzolino anruft, um mir mitzuteilen, dass er mit dem Transporter
versetzt wurde und dass er nun noch auf einen Kumpel wartet, der mit einem
anderen Auto unterwegs ist und sie sich noch weitere 15 min verspäten würden. Es
ist 1110 als die Cozzolino’s an der Tür klingeln. Sie sind zu zweit und
beginnen unverzüglich mit der Arbeit in der Küche. So richtig weit kommen sie
allerdings nicht, da immer wieder das Handy klingelt. Der geneigte Leser sollte
wissen, dass Herrn Cozzolino’s Akku am Handy kaputt ist und dieser muss
repariert werden. Und zwar bald. Wenn möglich gleich. Also wartet Herr
Cozzolino nur noch darauf, bis der dritte Mann ankommt. Der Schwager, sprich
jüngerer Bruder seiner Frau. Der Schwager kommt und begibt sich gleich an die
Arbeit. Herr Cozzolino muss allerdings weg. Und so schraubt der Schwager munter
weiter, sie tragen die Sachen auf die Strasse, laden das, was geht in den
kleinen Transporter und als dieser voll ist, müssen sie auf Herrn Cozzolino
warten, der von der Handyreparatur noch immer nicht zurück ist. Es dürfte
bereits gegen 1230 sein, als er dann endlich auftaucht. Zu zweit fahren sie
los, um den ersten Teil der Küchenmöbel auszuladen, da nicht alles in
Kleinwagen passt. Fast eine Stunde später tauchen die beiden wieder auf. Mit
einer Seelenruhe wird weiter eingeladen und als Entschuldigung bringt er nur
hervor, dass sie die Gelegenheit genutzt haben, um noch schnell zum
Wertstoffhof zu fahren … Na super, und das, obwohl ich sagte, dass ich
spätestens um 1400 h wieder weg muss. Insgesamt müssen die Cozzolino’s 6 mal
fahren, bis die Küche komplett abtransportiert ist. Ich habe damit allerdings
nichts mehr zu tun, da ich mir den Teil bezahlen lasse und somit bin ich
entlassen und sie sollen zusehen, wie sie damit fertig werden.
Ich
hingegen bin froh, da ich weiss, dass ich mich nur noch einmal mit den
Cozzolino’s verabreden muss. Die Waschmaschine steht noch aus. Aber die kann
erst dann geholt werden, wenn ich meine Klamotten in die neue Wohnung geschafft
habe. Doch dazu muss der Prinz erst mal in seinem Schrank Platz geschaffen
haben. Was er dann auch tut. Irgendwann. Und der mir zur Verfügung stehende
Platz schrumpft von insgesamt 3 m Geschamtschranklänge auf sage und schreibe
1,5 m. Die neuen Möbel sind zwar bestellt, dauern aber noch ca. 6 Wochen. Und
ein neuer Schrank ist erst mal nur für das Teilzeitkind und den Zwockel
vorgesehen. Mehr nicht. Mutti bekommt zusätzliche 50 cm mit Regalböden … Aber Not
macht ja bekanntlich erfinderisch.
So
hielten am vergangenen Wochenende endlich die Klamotten Einzug in die neue
Wohnung. Ich habe zwar über- und untereinander stapeln müssen, doch ich habe
fast alles verstaut … Es geht … Es muss gehen … Ausserdem bedeutet es, dass ich
nicht mehr so viel kaufen darf / kann / soll … Und wenn, dann muss etwas
anderes dafür gehen … Aber mit dem Kaufen bin ja – zumindest was mich angeht –
durch.
Und
wieder rufe ich die Cozzolino’s an. Die Waschmaschine könne geholt werden.
Vorgestern abend. 1830 der ursprüngliche Termin. Ein geschäftlicher Termin
zwingt mich allerdings auf 1930 zu verschieben. Allerdings mit der Bitte von
Frau Cozzolino, doch bitte bescheid zu geben, falls es doch früher klappt.
1855
mein Anruf: Es klappt auch früher. Herr Cozzolino raunt mir ins Ohr, sie seien
gerade in der Stadt, wären jedoch spätestens um 1930 da. Um 1940 ruf ich
nochmals bei Herr Cozzolino an und erfahre, dass sie demnächst kommen würden. Ich
möchte wissen, wass „demnächst“ in seiner Sprache denn heisst und ob ich mich
ggf. darauf einstellen müsse, dass u.U. 2100 werden würde.
Aber
nicht doch. Was soll er tun? Die Italiener wären ja nicht da und er könne die
Waschmaschine schliesslich nicht selbst abholen. Ich korrigiere sanft, indem
ich darauf hinweise, dass „die Italiener“ ja ursprünglich um 1830 kommen
wollten und eigens darum baten, eine Mitteilung zu erhalten, falls es früher
klappen würde.
Lange
Rede, wenig Sinn: Um 2000 ist die Waschmaschine über die Treppe, ich sacke die
restliche Kohle ein und freu mich, das Kapitel Cozzolino schliessen zu können.
Leider
währt die Freude nicht lange.
Es
folgt ein Anruf von Herrn Cozzolino: Der Italiener wollte noch wissen, ob ich
den Trockner denn auch noch abzugeben hätte …
So
langsam kehrt etwas Ruhe ein. Die Wohnungseinrichtung ist grösstenteils
aufgelöst, die Teile, die wir mitnehmen, werden am 26.10. in die neue Wohnung
transportiert und bis dahin ist noch Zeit, die restlichen Kisten zu packen,
wobei es auch nicht mehr wirklich viel ist.
Ich
gewöhne mich allmählich daran, dass der Weg in mein neues Zuhause nun ein
anderer ist und ganz ganz langsam stelle ich fest, dass es in der neuen Wohnung
auch nach mir riecht. Der Prinz ist ein ganz feiner. Immer wieder stellt er
einige meiner Dinge sichtbar hin, damit ich mich noch schneller heimisch fühle.
Er hat mir sogar eine Kommode gekauft und diese aufgebaut, damit ich meinen
Schmuck und andere Kleinteile unterbringen kann. Es wird so langsam … Es
braucht halt alles seine Zeit … Und da
es in der Casa sowieso schon so ungemütlich ist, fällt es mir fast schon
leicht, mich an das Neue zu gewöhnen.
Doch
die Veränderung ist mit dem Umzug noch nicht beendet. Ich wage es zu behaupten,
dass dies erst der Anfang ist. Alles was war, war nur Vorgeplänkel. Die richtig
grosse Show beginnt erst noch. Und bis es soweit ist, freu ich mich auf die
bevorstehende freie Zeit, die ich bald haben werde, um die Entwicklungen der
letzten Monate mal sacken zu lassen und mal richtig begreifen zu können, was
hier gerade passiert. Ich freue mich darauf, die Veränderungen in mir zu
erleben. Zwockelinski wird gross, ich beginne festzustellen, was er heute schon
mag und was er gar nicht mag. Auch wenn ich diese ganzen
Schwangerschaftsammemärchen nicht mehr hören kann und immer wieder versuche, mich
sehr stark zu distanzieren, so kann ich sagen: Schluckauf ist wirklich eine
lustige Sache …
Interessant
finde ich es auch, mich mit unserem Werkschutz über meine Schwangerschaft zu
unterhalten. Die Jungs sind wirklich grossartig. So besorgt und so interessiert
… Es ist fantastisch, mit welchen Tipps sie so um die Ecke kommen.
Und
wenn man danach geht, dass es ein Junge wird, wenn der Bauch spitz nach vorne
wächst, dass wenn der Hintern grösser wird, es ein Mädchen wird, dass es auch
ein Mädchen wird, wenn es sich auf dem Ultraschall versteckt und wenn einem
morgens nicht schlecht wird, es ein Junge sein soll, dann müsste ich insgesamt
min. 4 Kinder zur Welt bringen …
In
diesem Sinne … Gehabt euch wohl,
Eure
Jana