Mittwoch, 11. Februar 2015

Murphy ist ein Vollpfosten.


Monate lang passiert so fast gar nichts.

Josef und ich schlagen uns Tag für Tag durch. Er will so. Ich will anders.

Wir lernen. Beide. Josef testet seine Grenzen. Und zwar nicht nur so ein bisschen. Nein. Ganz gewaltig.

 

Hier nur ein kleines Beispiel, welches vermutlich allen Eltern dieser Welt, die diese Phase bereits durchgemacht haben, nur allzu bekannt sein wird:

 

Beim Abendbrot:

Josef sitzt im Hochstuhl. Er sieht das Essen und das Geheule geht los. Es geht ihm nicht schnell genug. Sein Blick verrät, wieso wir uns erdreisten, uns mit einem ungeschmierten Brot vor ihn zu setzen und ihn noch so unverschämt lange warten zu lassen, bis alles essfertig ist.

Er meckert. Wir schaffen es gerade so, uns „Guten Appetit“ zu wünschen, während Josef’s kleine Speckfingerchen schon nach dem ersten Stück greifen und dieses beherzt in den Mund schieben.

Soweit so gut. Nach einer Weile benutzt Jopi jedoch beide Hände. Er räumt munter die Brotstückchen vom Teller auf den Tisch, vom Tisch auf meinen Teller, zwischendurch schleckt er es wieder an, legt es kurz auf seinem Teller ab, um es dann mit voller Wucht auf den Boden zu donnern.

NEIN Josef !!!! Mit Essen spielt man nicht und man wirft es nicht auf den Boden.

 

Josef zieht ne Schippe. Tränen schiessen ihm in die Augen, die Sirene heult los. Er beruhigt sich schnell wieder. Er lacht. Isst. Hält kurz inne, räumt das Brot mit seiner kleinen Hand wieder aus dem Mund, schaut zu mir, grinst, schaut zum Vater, grinst und dann lässt er lachend das Brotstück wieder auf den Boden fallen.

 

Das würde nie aufhören, würde ich ihm nicht den Teller wegnehmen.

 

Ansonsten passiert nicht viel.

Ich bereite mich seelisch und moralisch wieder auf’s Arbeiten vor. Zuvor muss Jopi’s Eingewöhnung aber noch durch. Ich berichtete davon. Es war schwer, doch er hat die Hürde genommen.

 

Die erste Woche beginnt. Jopi hat schon den ersten Infekt mit nach Hause gebracht. Dieser hält an. Ich glaube, wir sind ihn noch immer nicht los.

Ich entferne mich mehr und mehr von der Kita, stecke meine Nase zum ersten mal wieder ins Büro. Ich schnuppere die grosse weite Welt. Ich find’s cool. Ich will mehr davon.

Jopi spielt in der Kita, ich gehe ins Büro. Soweit ist alles gut.

 

Die Eingewöhnung neigt sich dem Ende. Jopi ist „über’n Berg“. Am 05.02. ist mein erster richtiger Arbeitstag, der nicht von Urlaub ummantelt ist. Soweit so gut. Ich freu mich, mache Termine aus, stürze mich in und auf meine Aufgabe und bin voll motiviert.

Am 06.02. werde ich jäh ausgebremst.

Es tritt ein Fall ein, mit dem wir ja so gar nicht gerechnet haben: Jopi’s Bezugserzieherin ist krank.

Verdammt. Und nun?

Er kann nicht in die Kita. Ich kann nicht zur Arbeit, da der Prinz auf Geschäftsreise ist und erst am Freitag abend wieder zu Hause aufschlagen wird. Kommt bestimmt gut an, wenn man den ausgemachten Termin beim ChefChef gleich wieder absagen darf … Und das, obwohl noch nicht mal der eigene Filius krank ist …

 

Nun denn, denk ich mir, kann ja nur noch besser werden. Wir starten Montags einen neuen Versuch. Die Betreuerin ist da. Alles ist gut soweit. Denke ich. Als ich Josef abhole, werde ich eines Besseren belehrt.

Der junge Mann konnte zwei mal mit „ungeformtem Stuhl“ glänzen, was zur Folge hatte, dass er erst wieder kommen darf, wenn die Sache in der Windel wieder zur Form gekommen ist. Ausserdem sollen wir beim Arzt vorstellig werden.

Ich nehm den Knirps mit, fahre gleich zum Arzt und verbringe den Nachmittag wartend im rotzenden und hustenden Wartezimmer. Wenn Jopi vorher nichts hatte, spätestens nach diesem Besuch wird er wieder was haben. Der Arzt kann nix machen, verschreibt ein Medikament und wir müssen abwarten. Fakt ist, Josef darf am Dienstag nicht in die Kita.

Zum Glück kann der Prinz übernehmen. Ich kann zur Arbeit.

 

Am Dienstag mittag dann der Anruf der Kita, man hätte mit dem Gesundheitsamt telefoniert. Aufgrund eines EHEC Falles in der Kita herrschen strenge Vorsichtsmassnahmen. Fakt ist: Josef darf insgesamt 48 Stunden nicht mehr in die Kita gehen.

Somit ist klar, wir müssen den Mittwoch auch noch überbrücken.

Das schaffen wir. Meinen Termin hatte ich vorsorglich gestern schon wegen Kinderkrank abgesagt. Der Prinz und ich teilen uns auf. Einer macht die Frühschicht, der andere die Spätschicht. Somit kann jeder von uns ein paar Stunden seiner Arbeit nachgehen.

 

Jopi normalisiert sich wieder und freuen uns, morgen wieder unseren Verpflichtungen nachgehen zu können.

Doch leider haben wir die Rechnung ohne unsere Kita gemacht.

Josef’s Bezugsbetreuerin ist bis Ende der Woche krank. Josef ist noch nicht an die anderen gewöhnt. Ob er bei einer anderen bleiben mag, ist fraglich.

Und so soll ich ihn morgen bringen. Jedoch nur für ein paar Stunden. Und ich soll auch dort bleiben. Ich darf die Einrichtung nicht verlassen.

 

Toller Einstieg ins Berufsleben.

Ich bin gespannt, vor welche Herausforderungen wir noch gestellt werden …

 

In diesem Sinne,

gehabt euch wohl !!!!

 

Eure Jana