Monate
lang passiert so fast gar nichts.
Josef
und ich schlagen uns Tag für Tag durch. Er will so. Ich will anders.
Wir
lernen. Beide. Josef testet seine Grenzen. Und zwar nicht nur so ein bisschen.
Nein. Ganz gewaltig.
Hier
nur ein kleines Beispiel, welches vermutlich allen Eltern dieser Welt, die
diese Phase bereits durchgemacht haben, nur allzu bekannt sein wird:
Beim Abendbrot:
Josef
sitzt im Hochstuhl. Er sieht das Essen und das Geheule geht los. Es geht ihm
nicht schnell genug. Sein Blick verrät, wieso wir uns erdreisten, uns mit einem
ungeschmierten Brot vor ihn zu setzen und ihn noch so unverschämt lange warten
zu lassen, bis alles essfertig ist.
Er
meckert. Wir schaffen es gerade so, uns „Guten Appetit“ zu wünschen, während
Josef’s kleine Speckfingerchen schon nach dem ersten Stück greifen und dieses
beherzt in den Mund schieben.
Soweit
so gut. Nach einer Weile benutzt Jopi jedoch beide Hände. Er räumt munter die
Brotstückchen vom Teller auf den Tisch, vom Tisch auf meinen Teller,
zwischendurch schleckt er es wieder an, legt es kurz auf seinem Teller ab, um
es dann mit voller Wucht auf den Boden zu donnern.
NEIN
Josef !!!! Mit Essen spielt man nicht und man wirft es nicht auf den Boden.
Josef
zieht ne Schippe. Tränen schiessen ihm in die Augen, die Sirene heult los. Er
beruhigt sich schnell wieder. Er lacht. Isst. Hält kurz inne, räumt das Brot
mit seiner kleinen Hand wieder aus dem Mund, schaut zu mir, grinst, schaut zum
Vater, grinst und dann lässt er lachend das Brotstück wieder auf den Boden
fallen.
Das
würde nie aufhören, würde ich ihm nicht den Teller wegnehmen.
Ansonsten
passiert nicht viel.
Ich
bereite mich seelisch und moralisch wieder auf’s Arbeiten vor. Zuvor muss Jopi’s
Eingewöhnung aber noch durch. Ich berichtete davon. Es war schwer, doch er hat
die Hürde genommen.
Die
erste Woche beginnt. Jopi hat schon den ersten Infekt mit nach Hause gebracht.
Dieser hält an. Ich glaube, wir sind ihn noch immer nicht los.
Ich
entferne mich mehr und mehr von der Kita, stecke meine Nase zum ersten mal
wieder ins Büro. Ich schnuppere die grosse weite Welt. Ich find’s cool. Ich
will mehr davon.
Jopi
spielt in der Kita, ich gehe ins Büro. Soweit ist alles gut.
Die
Eingewöhnung neigt sich dem Ende. Jopi ist „über’n Berg“. Am 05.02. ist mein
erster richtiger Arbeitstag, der nicht von Urlaub ummantelt ist. Soweit so gut.
Ich freu mich, mache Termine aus, stürze mich in und auf meine Aufgabe und bin
voll motiviert.
Am
06.02. werde ich jäh ausgebremst.
Es
tritt ein Fall ein, mit dem wir ja so gar nicht gerechnet haben: Jopi’s Bezugserzieherin
ist krank.
Verdammt.
Und nun?
Er
kann nicht in die Kita. Ich kann nicht zur Arbeit, da der Prinz auf
Geschäftsreise ist und erst am Freitag abend wieder zu Hause aufschlagen wird.
Kommt bestimmt gut an, wenn man den ausgemachten Termin beim ChefChef gleich
wieder absagen darf … Und das, obwohl noch nicht mal der eigene Filius krank
ist …
Nun
denn, denk ich mir, kann ja nur noch besser werden. Wir starten Montags einen
neuen Versuch. Die Betreuerin ist da. Alles ist gut soweit. Denke ich. Als ich
Josef abhole, werde ich eines Besseren belehrt.
Der
junge Mann konnte zwei mal mit „ungeformtem Stuhl“ glänzen, was zur Folge hatte,
dass er erst wieder kommen darf, wenn die Sache in der Windel wieder zur Form
gekommen ist. Ausserdem sollen wir beim Arzt vorstellig werden.
Ich
nehm den Knirps mit, fahre gleich zum Arzt und verbringe den Nachmittag wartend
im rotzenden und hustenden Wartezimmer. Wenn Jopi vorher nichts hatte,
spätestens nach diesem Besuch wird er wieder was haben. Der Arzt kann nix
machen, verschreibt ein Medikament und wir müssen abwarten. Fakt ist, Josef
darf am Dienstag nicht in die Kita.
Zum
Glück kann der Prinz übernehmen. Ich kann zur Arbeit.
Am
Dienstag mittag dann der Anruf der Kita, man hätte mit dem Gesundheitsamt
telefoniert. Aufgrund eines EHEC Falles in der Kita herrschen strenge
Vorsichtsmassnahmen. Fakt ist: Josef darf insgesamt 48 Stunden nicht mehr in
die Kita gehen.
Somit
ist klar, wir müssen den Mittwoch auch noch überbrücken.
Das
schaffen wir. Meinen Termin hatte ich vorsorglich gestern schon wegen
Kinderkrank abgesagt. Der Prinz und ich teilen uns auf. Einer macht die
Frühschicht, der andere die Spätschicht. Somit kann jeder von uns ein paar
Stunden seiner Arbeit nachgehen.
Jopi
normalisiert sich wieder und freuen uns, morgen wieder unseren Verpflichtungen
nachgehen zu können.
Doch
leider haben wir die Rechnung ohne unsere Kita gemacht.
Josef’s
Bezugsbetreuerin ist bis Ende der Woche krank. Josef ist noch nicht an die
anderen gewöhnt. Ob er bei einer anderen bleiben mag, ist fraglich.
Und
so soll ich ihn morgen bringen. Jedoch nur für ein paar Stunden. Und ich soll
auch dort bleiben. Ich darf die Einrichtung nicht verlassen.
Toller
Einstieg ins Berufsleben.
Ich
bin gespannt, vor welche Herausforderungen wir noch gestellt werden …
In
diesem Sinne,
gehabt
euch wohl !!!!
Eure
Jana