…
so das neue Wort in unserem Leben !
Josef
läuft inzwischen wie ein kleiner Duracell-Hase und Josef redet inzwischen wie
ein Wasserfall. Doof nur, dass wir ihn nicht verstehen können, da wir noch kein
„Josefisch“ sprechen. Meist läuft und redet er gleichzeitig. In diesem Falle
mutiert das Reden eher zu einer Art lautem Rufen und klingt eher nach „Schimpfen,
wie ein Rohrspatz.“ Dennoch, es ist einfach nur drollig und ich könnte dem
Jopmann stundenlang zuhören und mich kaputtlachen, wenn er vor mir steht, mit
seinen kleinen Armen rumfuchtelt und mir offenbar ganz wichtige Informationen
zukommen lässt und am Ende seiner Ausführung nur weise mit dem Kopf nickt und
mich fragend ansieht – frei nach dem Motto: „Na Mutter, haste jetzt verstanden?“
Nein,
ich habe nicht verstanden. Fragmente meine ich entziffern zu können, doch
zwischenzeitlich habe ich gelernt, dass „Mama“ nicht immer „Mama“ heisst. Oft
ist damit auch der Vater, oder die Flasche auf dem Tisch oder, oder, oder
gemeint. Und so hangeln wir uns durch und versuchen den Code für „Josefisch“ zu
entschlüsseln, indem wir uns mehrfach „beschimpfen“ lassen müssen, wenn wir
nicht beim ersten mal das Richtige vom Tisch reichen, sondern dem Kleinprinzen
zunächst diverse andere Gegenstände anbieten, die er nach unserer Auffassung
gemeint haben könnte. Erst wenn wir ihm das Richtige in die Hand drücken,
herrscht – zumindest kurzzeitig – Ruhe, bevor die Suche nach einem weiteren
Gegenstand losgeht.
Immer
und immer wieder …
Essen.
Essen ist auch so ein Thema für Jopi.
Kaum
hört was Rascheln – sei es nur ein Stück Papier – fliegt der Schnuller aus dem
Mund, sein Kuscheltuch wird auf den Boden geworfen und es kommt ein: „Nu, nu,
nu, nu, nu, nu, nu“ und dabei tippt er immer mit seinem kleinen Zeigefinger auf
seine Brust, was heissen soll: „Jetzt gib mir endlich was zu essen!“. Die
funktioniert allerdings auch dann, wenn Jopi gerade vom Essen aufgestanden ist
und sein Bäuchlein eigentlich voll sein sollte. Und so knuspelt der Knuspel
immer irgendwas … Und irgendwie geht alles. Brot, Brezeln, Sesamstangen,
Salzbrezeln, Fruchtriegel, Bananen, Kekse, Äpfel, Erdbeergen, Trauben,
Bratwürste, Brokkoli, Pommes, Steine, Feuchttücher … Einfach alles. Der Prinz
und ich müssen die Schokoloade schon heimlich und hinter Jopi’s Rücken essen,
damit er davon nicht allzuviel bekommt … Gut, derzeit sind wir alle sicher, da
ja das Projekt „zuckerfrei“ läuft …
Auch
muss Jopi derzeit alles selbst machen. Selbst die Socken ausziehen, selbst mit
Besteck essen, selbst Dinge holen oder zurückbringen, selbst irgendwo
hochklettern. Hilfe ist nicht mehr erwünscht – also nur noch dann, wenn sich
der Fuss mal wieder in der Fliegentür am Balkon eingeklemmt hat, weil der
Schliessmechanismus verhindert, dass das Gitter offen bleibt, oder wenn er
irgendwo hoch geklettert ist, aber nicht mehr weiss, wie er runter kommen soll …
Dann wird mit einem schrillen Schrei nach Hilfe gerufen. Kaum hat man die
Mission erfüllt, ist die Anwesenheit der Eltern eher unerwünscht.
Doch
geht es ums Lesen, dann sind wir wieder willkommene Zeitgenossen. Wir lesen
Bücher am laufenden Band. Immer und immer wieder. Wir haben sie schon 100.000
mal gelesen und heute abend werden wir wieder von vorne beginnen und sie werden
wieder genauso interessant sein, wie heute morgen noch oder gestern abend oder
gestern morgen oder vorletzte Woche, als wir das gleiche Buch bereits 20 mal
hintereinander durchgeblättert haben. Wir werden nicht müde dem kleinen
Zeigefinger zu folgen und zu sagen: „Schau Josef, das ist eine Kuh, und wie
macht die Kuh?“ Zur Antwort kommt ein: „Mi mi.“ „Nein Josef, die Kuh ist doch
keine Katze, eine Katze macht miau und die Kuh, die mach muuuuh.“ Um das ganze
auch zu veranschaulichen, blättern wir zwischen der Katze und der Kuh hin und
her und zeigen, wer wer ist …
Drei
Bücher später landen wir wieder beim ersten und spätestens dann habe ich ein
Deja-vu. Und täglich grüsst das Murmeltier …
Umso
grösser jedoch dann die Freude, wenn wir Josef bitten, das Buch mit der Geige
zu holen. Da stiefelt er los, brabbelt ein „Gaga, gaga“ vor sich hin und holt
das gewünschte Buch, schlägt die Seite mit der Geige auf und tippt munter drauf
… Somit versteht er mehr, als er uns wissen lässt …
Und
es ist so wunderbar zu erleben, wie sein Wortschatz immer grösser und grösser
wird. Der passive scheint schon recht gross zu sein, der aktive beschränkt sich
derzeit auf:
„Lulla“
(Schnuller)
„Gaga“
(Geige)
„Muuuuuh“
(selbsterklärend)
„Mama“
(eigentlich immer alles)
„Nu,
nu“ (bitte gib mir das)
„Halla“
(Hallo)
Und
noch einiges mehr … Wobei Jopi auch zu drollig ist, wenn sich alles, was
annähernd wie ein Telefon aussieht, ans Ohr hält und munter „Halla, halla“
hineinruft. Manchmal ruft er sogar jemanden an – wie gestern zum Beispiel, als
er meine Freundin Gundula anrief und diese geduldig in der Schleife wartete und
zuhörte: „Ihre Verbindung wird gehalten. Ihre Verbindung wird gehalten.“ Einige
Minuten später rief sie dann doch an und wollte wissen, was der Grund unseres
Anrufes war. Selbstverständlich fragte ich Josef, was er denn von Gundula
wollte, doch da war er schon wieder anderweitig beschäftigt, dass er mir gar
nicht mehr sagen konnte, was es so wichtiges gab …
Und
wie gesagt, da Josef nun läuft, möchte er auch immer öfter selber laufen. Da
hält ihn nichts mehr auf dem Arm oder im Kinderwagen. Und dann spaziert er –
manchmal neben uns her, meist jedoch immer in die entgegengesetzte Richtung.
Wir gehen einen Schritt vor und drei zurück. Und dann stehen wir erst mal
wieder und warten, bis Josef das Fahrrad erkundet hat oder aber etwas
Interessantes am Boden entdeckt hat oder aber er jedem Vogel nachschaut und ihm
hinterherzeigt und „Da, da, da, da!“ ruft.
Unter
lautem Protest lässt er sich mal 6 Schritte nach vorne tragen und dann beginnen
wir wieder mit dem Hinterherlaufen, Hinterherrufen, Warten und ihn wieder
Abholen …
Eilig
darf man es zuweilen nicht haben. Weder beim Essen, noch beim Lesen, noch beim
Gehen …
Schön
Entschleunigen, einfach mal machen lassen und sich später den anderen,
Liegengebliebenen Dingen widmen …
Doch
zugegeben, hin und wieder zehrt es doch ganz schön an den Nerven und man würde
dem Mupfel gerne mal „Beine machen“, damit man endlich mal vorwärts kommt …
Doch es hilft alles nichts … Gelassen bleiben, lächeln und sich daran erfreuen,
welch grossen Spass er beim Entdecken seiner Welt hat …
In
diesem Sinne, gehabt euch wohl.
Eure
Jana