Dienstag, 15. Dezember 2015

Wie war das noch im Mittelteil in 2015?




 

 

Die Zeit der duftenden Backstuben, Christstollen, Plätzchen, Jahresrückblicke, Wunschzettel, Adventskränze, Lichterketten, Kerzen, Glühmärkte uvm. hat uns wieder voll im Griff. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das Leben hektischer und weniger ruhiger und besinnlicher wird. Die Innenstädte sind brechend voll, kein Parkplatz mehr frei, ein Glühmarktstand voller als der andere … Ach, irgendwie ist dieser Kelch in diesem Jahr an mir vorbei gegangen.

 

Den ersten Glühwein habe ich gestern mit dem Prinzen zu Hause getrunken. Eine ganze Flasche vom Winzer unseres Vertrauens … Hatte auch was. Drei Kerzen des Adventskranzes leuchteten, meine neuen Herrnhuter Sterne am Fenster ebenfalls, der Jopmann hüpfte wie ein kleines aufgescheuchtes Huhn durch die Gegend und trällerte munter seine Lieder vor sich hin … Hat auch was. Ist halt anders, als die Jahre zuvor …

 

Und dennoch, gerade zu dieser denke ich gerne über das Vergangene nach. Über die schönen und weniger schönen Momente … Und dabei fällt mir wieder mein Satz ein, den ich zu Beginn des Jahres mal zum Prinzen sagte: „Mal sehen, was 2015 für uns so bereit hält …“

… und dann bin ich froh, dass ich es nicht vorher schon weiss.

 

Wie auch immer das im Mittelteil noch war. Das Jahr war gespickt mit positiven und negativen Ereignissen bis Oberkante Unterkiefer. Ganz toll jedenfalls in diesem Jahr war und ist Josef’s Entwicklung. Aus meinem kleinen, hilflosen Baby ist ein kleiner wacher Geist herangewachsen, der von Tag zu Tag seine Selbständigkeit weiter entdeckt, dem der Schalk im Nacken sitzt, der einen eigenen Kopf entwickelt und immer besser weiss, was er will und was nicht.

Wir als Familie haben unseren Platz gefunden, sehen uns als Einheit und sind stolz darauf, was wir in der Kürze der Zeit gemeinsam haben erreichen können.

 

Weniger schön unser Urlaub, in dem wir ganz schön Euros lassen  mussten. Diese blöden Diebe, die uns so ziemlich alles unterm Hintern  weggeklaut haben, was man wieder zu Geld machen konnte … Zum Glück ist uns nichts passiert und wenigstens haben wir von der Versicherung einen Teil des Schadens erstattet bekommen.

Leider sind die persönlichen Schicksalsschläge nicht ausgeblieben … 2 ambulante Krankenhausaufenthalte beendeten leider das, worauf wir uns so sehr gefreut hatten … Doch auch hier weiss die Natur wohl ganz genau, was zu tun ist … Und seit Susanne mir das sagte, weiss ich eben auch, dass nicht jeder Apfel zu einem saftigen und knackigen Apfel am Baum heranwachsen kann …

 

Doch Sören Kiergegaard wusste ja schon: „Das Leben kann nur vorwärts gelebt und rückwärts verstanden werden“

Und so ist auch unser Blick nach vorne gerichtet …

 

Und so nehmen unsere Pläne endlich Gestalt an.

Der Prinz hat seinen neuen Job bereits Anfang Dezember angetreten. Derzeit pendelt er immer hin und her und nur so können wir die Wochenenden gemeinsam verbringen. Josef und ich versuchen unseren Alltag allein zu meistern, was uns in Summe ganz gut gelingt. Auch wenn Vieles etwas schwieriger umzusetzen ist, so wissen wir doch, dass alles nur begrenzt ist.

Und zwar so begrenzt, dass wir nun auch einen festen Termin haben:

                   10.02.2016

Das ist der Tag, an dem der LKW vor unserer Wohnung parken wird und die Möbelpacker all unser Hab und Gut darin verstauen werden. Anfang Februar wird mir die Aufgabe zuteil, Schrankinhalte in Kartons zu verstauen und mich systematisch durch alle Schränke zu arbeiten …

 

… um am 12.02.2016 mich wieder systematisch durch alle Kartons zu arbeiten, um deren Inhalt wieder in den neuen Schränken in unserem neuen Zuhause in Den Haag, NL zu verstauen.

 

Ja, unser neuer Lebensmittelpunkt wird ab dem nächsten Jahr Den Haag sein. Dort werden wir leben, arbeiten und Josef wird dort in eine niederländische Kita gehen. Ob er bereits zum 01.03.2016 wird beginnen können, wissen wir dann morgen.

Der Prinz hat in den vergangenen Wochen eine schöne neue Bleibe für uns gefunden, der Strand ist nur noch 12 Minuten mit dem Rad von unserem Zuhause entfernt und überhaupt scheint Den Haag einen so guten Eindruck auf ihn gemacht zu haben, dass ich selbst gar keine Bedenken habe, dort hinzuziehen …

Gesehen habe ich es selbst noch nicht, doch „schlimmer“ als nach Sao Paulo zu ziehen, ohne es gesehen zu haben, kann es gar nicht sein. Daher bin ich ganz guter Dinge und freue mir ein Loch in den Bauch, dass es bald losgehen wird.

 

Mit dieser Vorfreude im Bauch und einer tollen Aussicht auf 2016 lasse ich das Jahr 2015 gerne ausklingen, ziehe einen dicken Strich drunter und versöhne mich mit allem, was mir in diesem Jahr auch grosse Schmerzen bereitet hat und hoffe auf ein weniger turbulentes und weniger schmerzhaftes Jahr 2016.

 

Tot ziens …

 

Gehabt euch wohl,

Eure Jana

Montag, 17. August 2015

Think Pink!

Puh.
So.
Wo fang ich an?
 
Drei Wochen Urlaub vergingen wie im Flug … Wo ist nur die Zeit geblieben? Mein Outlook zeigt mir heute früh an, dass meine Mails am 24.07. zum letzten mal aktualisiert wurden …
Und jetzt isses schon fast ein Monat später …
 
Zumindest ist es soviel später, dass Jopi inzwischen fast schon ganze Sätze formulieren kann. Naja, ganz so weit sind wir noch nicht, doch er weiss nur allzu gut, wie der Gorilla macht (dabei trommelt er sich stolz auf die Brust) und wenn wir ihn fragen, wie der Hahn macht, trötet er ein fröhliches, jedoch noch nicht ganz als „kikerikiiiii“ erkennbares, „kike-noch-irgendwas“ raus. Zwei-Wort-Sätze kann er auch inzwischen bilden: „Jojo Nunu“ (Johannes isst Nutella) oder „Nana Popo“ (Jopi hat Popi in der Nase) oder „Ape Ape“ (Essen, aber bitte jetzt gleich und sofort) … Doch da hat der kleine Knirps noch etliches mehr auf Lager. Er brabbelt alles nach, was er so aufschnappt … Am liebsten lässt er in den letzten Tagen ein „cool“ verlauten oder aber er äfft uns nach brüllt ein „Oh Mann, ey“, wenn einem ein Missgeschick passiert …
Schön zu sehen, wie gross die Fortschritte sind, die der kleine Mann macht …
 
Der Urlaub hat uns allen gut getan – und zwar in Punkto: Familienbildung. Es war unser erster Urlaub zu viert. Eine kleine Patchworkfamilie geht auf Reisen. Der grosse Bruder hatte ganz viel Freude mit dem kleinen Bruder. Es war so schön zu sehen, dass die beiden ein Herz und eine Seele geworden sind. Zu schön auch Josef, der morgens nach dem Aufwachen, zu allererst ein lautstarkes: JOJO durch das Womo rief und somit Johannes auf den Bildschirm zauberte, der ihm vom anderen Ende des Womo zuwinkte und Küsschen schickte. Bei Jojo sitzen, mit Jojo tollen, Ball spielen, schwimmen, Rad fahren etc. Alles ging mit Jojo viel besser …
Und dann Jojo, der 11jährige, der eine tolle Zeit mit seinem Vater verbringen konnte, die ebenfalls viel gemeinsam gespielt haben, gemeinsam die Gegend erkundet haben, die einfach die gemeinsame Zeit genossen haben.
Und dann Jojo, der auch zu mir ein tolles Verhältnis aufgebaut hat. Gemeinsam Vokabeln lernen, Tischtennis spielen, Flitschebälle im Pool zuwerfen.
 
Das ist es, was ich für mich aus diesem Urlaub mitnehme. Eine tolle harmonische Zeit, die uns allen noch lange in Erinnerung bleiben wird und über die wir vermutlich auch noch lange reden werden.
 
Leider hat uns der Urlaub aber nicht in allen Punkten gut getan.
Der Auftakt gestaltete sich recht schwierig, da der Jopman direkt an Tag 2 von jetzt auf gleich sehr hohes Fieber bekam. Das Fieber stieg im Laufe der Nacht auf über 40 und somit mussten fiebersenkende Mittelchen angewandt werden, die allerdings keine Linderung brachten. Jopi glühte förmlich, war zwar noch ansprechbar, doch von dem kleinen quirligen Männchen war nichts mehr über. Nur Körperkontakt war erwünscht. Nichts essen. Nichts trinken. Und wir sind auf dem Weg in die Cevennen. Nach Meyrueis – einem kleinen Minidorf, dessen Namen wir nach nunmehr drei Wochen richtig aussprechen können. 50 km vom nächsten Krankenhaus in Millau entfernt. 1,5 h Fahrtzeit – falls nötig. Mit einem 7 m langen Womo, durch’s Gebirge … Bäääh, ich wollte gar nicht daran denken.
So wurden wir zunächst beim Wiesen- und Wald-Doc in Meyrueis vorstellig. Mit Händen und Füssen erklärten wir, was Jopi hat (eigentlich nur Fieber), versuchen die gestellten Fragen zu verstehen und diese zu beantworten und verlassen (nicht schlauer als vorher) die Praxis wieder, jedoch mit einem Rezept für ein Antibiotikum. Sollen wir es verabreichen? Eher nicht, wir wissen doch gar nicht, ob Jopi einen bakteriellen Infekt hat. Wir lassen es bleiben, fiebern eine weitere Nacht durch und rufen am nächsten Tag bei unserem Arzt des Vertrauens in Deutschland an.
Ruhe bewahren. Abwarten. Linderung verschaffen. Erst, wenn sich nach drei Tagen nichts tut, entweder ins Krankenhaus fahren, oder das Antibiotikum geben. Wir holen es in der Apotheke und warten weiter ab. Während ich mit Jopi das Bett hüte oder wahlweise im Stuhl vor dem Womo sitze, erkunden der Prinz und Jojo die Umgebung, bauen Staudämme im nahegelegenen Fluss und kümmern sich um unser leibliches Wohl.
Der dritte Fiebertag bricht an, die Medikamente schlagen noch immer nicht an und Jopi fiebert weiter mit über 40 vor sich hin.
Mit Ende des dritten Fiebertages sinkt das Fieber wieder genauso schnell, wie es zuvor angestiegen ist. So wie das Fieber weg, machten sich rote Prusteln auf Brust und Rücken breit. Zum Glück schmerz- und juckfrei … Nach insgesamt einer Woche war alles überstanden und wir hatten unser kleines gesundes, quirliges Kind zurück.
Darauf erst mal einen Cremant !!!!
Jetzt ist es dann doch mal Zeit für einen ersten Ausflug. Wir besichtigen Millau und die höchste und längste abgespannte Brücke der Welt, besuchen eine Grotte und erklimmen das Felsenmeer von Nimes les vieux.
Dann ist es an der Zeit Abschied von Meyrueis zu nehmen.
 
Wir brechen auf nach Narbonne. Der dortige Campingplatz überzeugt uns nicht (zuviel Schotter, zu wenig Schatten). Am nächsten Tag dann der erste Ausflug zum Strand. Nabronne-Plage so das Ziel.
Wir parken unser Schlachtschiff, packen Sonnenmuschel, Wasserspielzeug etc und machen uns auf zum Mittelmeer. Das Wasser ist herrlich. Der Sand weich, warm und weiss. Grossartiges Klima und wir haben alle Spass.
Dass der Spass jedoch bald ein Ende haben sollte, ahnen wir zu jenem Zeitpunkt noch nicht.
Mit Crepes und Eis und Kaltgetränk machen wir uns wieder auf zum geparkten Womo. Da war sie dann dahin die Freude. Die Tür zum Aufbauwagen aufgebrochen, die Garagentür aufgebrochen. Innen alle Schränke geöffnet und alle Wertsachen weg (bevor mir wieder die Tränen in die Augen steigen, erspare ich mir an dieser Stelle eine nochmalige Auflistung). Doch wenn ich sage alle Wertsachen, dann meine ich alle …
Tja, da standen wir am Mittelmeer und hatten keine Mittel mehr …
 
- Schnitt -
 
Die Polizei nimmt den Schaden auf. Jojo unterstützt mich tatkräftig, dem Polizeibeamten alles zu erzählen, was passierte. Es werden unzählige Fotos vom Womo gemacht, es wird bedauert, dass dies passiert ist und wir trösten uns damit, dass uns zumindest die Barschaften und die Dokumente nicht gestohlen wurden. Aber auch damit, dass nicht einer von uns noch eins übergebraten bekam.
Doch da war sie dann auch schon getrübt unsere Urlaubsstimmung.
Zurück beim Campingplatz können wir zumindest einige Telefonate führen, um Bankkarten sperren zu lassen (vorsorglich), Familie zu informieren und Passwörter diverser Konten zu ändern, bei denen ggf. Kreditkarteninformationen hinterlegt sein könnten.
 
Der nächste Tag. Der Schock sitzt noch immer tief, doch wir machen uns auf, ein neues Telefon zu kaufen. Da ich sowieso ein privates Telefon benötige, entschliesse ich mich, eines zu kaufen. Die Qual der Wahl fällt auf ein Samsung Galaxy A3 … Ein guter Kompromiss für mich, um das nächste Jahr mit diesem Handy zu „überstehen“ … Die Anwendung ist mir ja vom S5 mini noch sehr geläufig … Wir erwerben eine französische Nummer, inkl. 1 GB Datenvolumen und so bin ich wieder Online … Ein kleiner Lichtblick in der heissen und gefährlichen Hölle von Narbonne. Die Gemüter beruhigen sich wieder, wir planen einen Ausflug nach Carcasonne. Dieser verläuft ohne Zwischenfälle, wir geniessen den Tag und freuen uns bereits auf die Abreise aus Narbonne und steuern das neue Ziel in Murol (Puy de Domes) an.
Man soll jedoch den Tag nicht vor dem Abend loben!
Bei der Einfahrt in unsere Campingbucht verschätzt sich der Fahrer des Womo’s mit der Höhe und mit dem Alkoven und rauscht mehr oder minder ungebremst mit der oberen linken Ecke des Alkovens in die hohe Hecke. Es tut einen Schlag und 2 Minuten später wissen wir, was es war: Ein Stück der Zierleiste am Alkoven ist gebrochen und hat ein 5 x 5 cm grosses Loch hinterlassen.
Dem gibt es zunächst nichts hinzuzufügen!
 
In Murol fängt endlich die Erholung an. In Woche 3 von 3 !
Lange währt die Freude jedoch nicht. Der Jopman fiebert wieder auf!!! Schon wieder 40 Fieber !!! OMG! Was soll das?
Murphy ist echt ein Arsch! Was soll denn noch alles passieren???
Diesmal scheine ich jedoch etwas gelassener zu sein. Zwar noch immer sehr in Sorge, doch da der Jopmann einen viel aufgeweckteren Eindruck macht, als zur ersten Fieberwelle, gebe ich mir zunächst Entwarnung. Trotz hoher Temperatur ist er voller Tatendrang, hin und wieder etwas schlapp, aber generell ganz gut drauf.
Nach 2 Tagen war der Spuk vorbei, wir brauchten kaum Medis, da das Fieber immer wieder von allein sank und dann konnten wir endlich zu viert noch den Rest des Urlaubs geniessen.
 
In Murol haben wir uns vom Campingplatz nicht fortbewegt. Wir hatten alles, was wir brauchten in greifbarer Nähe und konnte somit die Tage einfach nur geniessen. Für die Rückfahrt planten wir 2 weitere Übernachtungen ein.
Die letzte Übernachtung dann auf dem gleichen Stellplatz, wie schon auf der Hinfahrt. Nur noch 250 km bis nach Hause. Eine letzte Nacht. Ein letztes Frühstück. Wir haben Wifi und stimmen uns schon mal auf Heimat ein und hören am Freitag morgen SWR3. Über Handy. Über das neues Handy. Und da der Empfang am Fenster am besten war, klemme ich das neue Telefon zwischen Fenster und Dichtung. Wir frühstücken, sind guter Laune. Jopi turnt rum. Klettert von hier nach da. Am Ende liegt er quer über mir und spielt mit seiner kleinen Hand an einem Fensterhebel (und davon gab es 4 an diesem Fenster). Doch das Öffnen dieses einen kleinen Hebels reichte aus, dass das neue kleine, flache Handy zwischen Dichtung und Fenster an der Aussenseite des Womo’s, aus ca. 1,7 m Höhe, mit dem Display nach unten auf den Asphalt rauschte. Wir hören den Schlag – das Radio läuft weiter – die Hoffnung stirbt zuletzt.
Ich halte mein neues Telefon in Händen. Aus dem Radio tröte mir Omi’s Cheerleader entgegen und das Display trägt Trauer.
Es ist nichts zu machen. Das Display bleibt schwarz. Wir können noch nicht mal das Radio ausschalten.
Früher hätte ich den Akku entfernt. Das ging nur nicht mehr …
Ich kann nicht anders. Ich muss einfach nur lachen … Laut und herzlich lachen … Und alle anderen lachen mit …
 
Murphy ist und bleibt ein Depp !!!
 
„Always look on the bright side of life …”
 
In diesem Sinne – gehabt euch wohl! :-)

Dienstag, 7. Juli 2015

Jetzt reicht's.




Jetzt reicht’s !

 

 

Jetzt isses soweit.

Mir reicht’s ! Ich hab die Schnauze voll !

Ich hab genug, vom Frustriertsein, vom Unwohlfühlen, vom Michnichtmehrleidenmögen !

 

Es ist knapp über ein Jahr her, dass ich mich darüber echauffierte, kaum eine ruhige Minute zu haben, immer auf Achse sein zu müssen (ihr erinnert euch – unser Jopi wollte nur im rollenden Kinderwagen schlafen), immer nur am Laufen zu sein …

Damals war es fast schon zuviel geworden, wenngleich mich das Bild der nicht vorhandenen Waage sehr erfreute.

Was habe ich mich gefreut, direkt nach der Schwangerschaft eine Kleidergrösse kleiner tragen zu dürfen …

 

Und was ist daraus geworden?

Inzwischen bin ich wieder zwei Kleidergrössen grösser, faul, träge, demotiviert … Erst war’s zu kalt, dann war’s zu heiss, dann hatte ich keine Zeit, dann war’s der Wind, der Regen, der Kopfschmerz oder andere Dinge, die mich vom Sporteln abhielten und immer wieder eine willkommene Ausrede darstellten.

 

Dann das Projekt zuckerfrei bis zum Sommer ! Ich ? Hahahaha.

Während mein Mann eisern durchhält, habe ich am Tag min. 5 gesellschaftliche Verpflichtungen, die es mir nicht erlauben, auf das süsse Teilchen oder die Schokoloade oder einen anderen Leckerbissen zu verzichten.

Naja, zumindest mache ich wieder Sport.

Einmal in der Woche. Für 1,5 Stunden.

Meiner lieben Freundin Angelika sei Dank. Die war aber auch ganz schön hartnäckig.

36 Grad draussen gelten da schon mal gar nicht als Ausrede.

 

Und so finde ich mich gestern im Sport ein. Und plötzlich passiert das was. Was genau, weiss ich nicht. Ich fasse einen Entschluss, dass jetzt Schluss mit lustig ist. Jetzt geht’s ran an den Speck (und davon ist wahrlich genug da)!

Mir ist klar, dass ich mich zum Joggen nicht so recht bewegen kann – zumindest jetzt nicht. Es muss was anderes her. Es muss etwas her, das er mir ermöglicht, alles unter einen Hut zu bekommen und zwar denn, wenn sowieso alles „im Flow“ ist.

Ein Fitnessstudio scheint mir derzeit des Rätsels Lösung. Doch welches? Eines bei uns im Ort? Ich weiss nicht … Da muss ich erst nach Hause. Warten, bis der Mann nach Hause kommt und dann ist es schon irgendwie fast 18 h, bis ich mich dann endlich mal aufmache …

Irgendwie ist mir das zu spät …

Welche Möglichkeit habe ich denn noch?

 

Ich befrage das Intranet, wissend, dass neben Josef’s Kita ein brandneuer Fitnesstempel von meiner Firma für uns Mitarbeiter steht. Da muss doch was gehen … Ich arbeite Teilzeit, mein Kind ist in der Betreuung … So ne Stunde muss doch irgendwie machbar sein … Und schau ich mich im virtuellen Fitnesscenter um, entdecke den Milon-Zirkel und beschliesse: DAS ist genau DAS Richtige für mich !!!

Und meine Suche geht noch weiter und ich werde sogar an Ort und Stelle fündig. In meinem Bürogebäude, in dem ich arbeite, befindet sich ebenfalls ein Aktivraum … Und was sehe ich da? Einen Milon-Zirkel … Direkt vor meiner Nase …

 

Morgen ist die Einweisung, dann gibt’s eine 10er Karte und ich kann direkt nach Feierabend 2 Runden drehen, bin nach 40 Minuten intensivem Training fertig, habe noch einen kleinen Puffer, um noch das Laufband zu nutzen und kann mich dann ganz entspannt auf den Weg machen, um den Mupfel zu holen …

 

Und ich freu ich mich jetzt schon, wenn meine Unzufriedenheit wieder weg ist und dann irgendwann auch die Klamotten nicht mehr kneifen …

 

Jetzt krieg ich mal mein Fett weg !

 

In diesem Sinne, gehabt euch wohl!

Eure Jana

 

PS: Und am Wochenende waren wir mit Jopi zum ersten mal im Schwimmbad. Spass für 10 hat er gehabt und aus dem Wasser wollte er auch nicht mehr raus … Doch was muss, das muss … Zu seiner Freude durfte er dann auch endlich mal ganz mit ohne Windel rumlaufen … (nicht im Wasser, nur auf der Decke). Und ich sage noch: „Wenn nicht hier, wo dann?“ … und im nächsten Moment „Wasser marsch“ direkt auf die Picknickdecke und direkt danach noch ein grosser Stinker …

Jopi schaut uns an und meint nur: „Oh Mann eh!“


Mittwoch, 10. Juni 2015

Entschleunigung

… so das neue Wort in unserem Leben !
 
 
 
Josef läuft inzwischen wie ein kleiner Duracell-Hase und Josef redet inzwischen wie ein Wasserfall. Doof nur, dass wir ihn nicht verstehen können, da wir noch kein „Josefisch“ sprechen. Meist läuft und redet er gleichzeitig. In diesem Falle mutiert das Reden eher zu einer Art lautem Rufen und klingt eher nach „Schimpfen, wie ein Rohrspatz.“ Dennoch, es ist einfach nur drollig und ich könnte dem Jopmann stundenlang zuhören und mich kaputtlachen, wenn er vor mir steht, mit seinen kleinen Armen rumfuchtelt und mir offenbar ganz wichtige Informationen zukommen lässt und am Ende seiner Ausführung nur weise mit dem Kopf nickt und mich fragend ansieht – frei nach dem Motto: „Na Mutter, haste jetzt verstanden?“
 
Nein, ich habe nicht verstanden. Fragmente meine ich entziffern zu können, doch zwischenzeitlich habe ich gelernt, dass „Mama“ nicht immer „Mama“ heisst. Oft ist damit auch der Vater, oder die Flasche auf dem Tisch oder, oder, oder gemeint. Und so hangeln wir uns durch und versuchen den Code für „Josefisch“ zu entschlüsseln, indem wir uns mehrfach „beschimpfen“ lassen müssen, wenn wir nicht beim ersten mal das Richtige vom Tisch reichen, sondern dem Kleinprinzen zunächst diverse andere Gegenstände anbieten, die er nach unserer Auffassung gemeint haben könnte. Erst wenn wir ihm das Richtige in die Hand drücken, herrscht – zumindest kurzzeitig – Ruhe, bevor die Suche nach einem weiteren Gegenstand losgeht.
Immer und immer wieder …
 
Essen. Essen ist auch so ein Thema für Jopi.
Kaum hört was Rascheln – sei es nur ein Stück Papier – fliegt der Schnuller aus dem Mund, sein Kuscheltuch wird auf den Boden geworfen und es kommt ein: „Nu, nu, nu, nu, nu, nu, nu“ und dabei tippt er immer mit seinem kleinen Zeigefinger auf seine Brust, was heissen soll: „Jetzt gib mir endlich was zu essen!“. Die funktioniert allerdings auch dann, wenn Jopi gerade vom Essen aufgestanden ist und sein Bäuchlein eigentlich voll sein sollte. Und so knuspelt der Knuspel immer irgendwas … Und irgendwie geht alles. Brot, Brezeln, Sesamstangen, Salzbrezeln, Fruchtriegel, Bananen, Kekse, Äpfel, Erdbeergen, Trauben, Bratwürste, Brokkoli, Pommes, Steine, Feuchttücher … Einfach alles. Der Prinz und ich müssen die Schokoloade schon heimlich und hinter Jopi’s Rücken essen, damit er davon nicht allzuviel bekommt … Gut, derzeit sind wir alle sicher, da ja das Projekt „zuckerfrei“ läuft …
 
Auch muss Jopi derzeit alles selbst machen. Selbst die Socken ausziehen, selbst mit Besteck essen, selbst Dinge holen oder zurückbringen, selbst irgendwo hochklettern. Hilfe ist nicht mehr erwünscht – also nur noch dann, wenn sich der Fuss mal wieder in der Fliegentür am Balkon eingeklemmt hat, weil der Schliessmechanismus verhindert, dass das Gitter offen bleibt, oder wenn er irgendwo hoch geklettert ist, aber nicht mehr weiss, wie er runter kommen soll … Dann wird mit einem schrillen Schrei nach Hilfe gerufen. Kaum hat man die Mission erfüllt, ist die Anwesenheit der Eltern eher unerwünscht.
 
Doch geht es ums Lesen, dann sind wir wieder willkommene Zeitgenossen. Wir lesen Bücher am laufenden Band. Immer und immer wieder. Wir haben sie schon 100.000 mal gelesen und heute abend werden wir wieder von vorne beginnen und sie werden wieder genauso interessant sein, wie heute morgen noch oder gestern abend oder gestern morgen oder vorletzte Woche, als wir das gleiche Buch bereits 20 mal hintereinander durchgeblättert haben. Wir werden nicht müde dem kleinen Zeigefinger zu folgen und zu sagen: „Schau Josef, das ist eine Kuh, und wie macht die Kuh?“ Zur Antwort kommt ein: „Mi mi.“ „Nein Josef, die Kuh ist doch keine Katze, eine Katze macht miau und die Kuh, die mach muuuuh.“ Um das ganze auch zu veranschaulichen, blättern wir zwischen der Katze und der Kuh hin und her und zeigen, wer wer ist …
Drei Bücher später landen wir wieder beim ersten und spätestens dann habe ich ein Deja-vu. Und täglich grüsst das Murmeltier …
Umso grösser jedoch dann die Freude, wenn wir Josef bitten, das Buch mit der Geige zu holen. Da stiefelt er los, brabbelt ein „Gaga, gaga“ vor sich hin und holt das gewünschte Buch, schlägt die Seite mit der Geige auf und tippt munter drauf … Somit versteht er mehr, als er uns wissen lässt …
 
Und es ist so wunderbar zu erleben, wie sein Wortschatz immer grösser und grösser wird. Der passive scheint schon recht gross zu sein, der aktive beschränkt sich derzeit auf:
„Lulla“ (Schnuller)
„Gaga“ (Geige)
„Muuuuuh“ (selbsterklärend)
„Mama“ (eigentlich immer alles)
„Nu, nu“ (bitte gib mir das)
„Halla“ (Hallo)
Und noch einiges mehr … Wobei Jopi auch zu drollig ist, wenn sich alles, was annähernd wie ein Telefon aussieht, ans Ohr hält und munter „Halla, halla“ hineinruft. Manchmal ruft er sogar jemanden an – wie gestern zum Beispiel, als er meine Freundin Gundula anrief und diese geduldig in der Schleife wartete und zuhörte: „Ihre Verbindung wird gehalten. Ihre Verbindung wird gehalten.“ Einige Minuten später rief sie dann doch an und wollte wissen, was der Grund unseres Anrufes war. Selbstverständlich fragte ich Josef, was er denn von Gundula wollte, doch da war er schon wieder anderweitig beschäftigt, dass er mir gar nicht mehr sagen konnte, was es so wichtiges gab …
 
Und wie gesagt, da Josef nun läuft, möchte er auch immer öfter selber laufen. Da hält ihn nichts mehr auf dem Arm oder im Kinderwagen. Und dann spaziert er – manchmal neben uns her, meist jedoch immer in die entgegengesetzte Richtung. Wir gehen einen Schritt vor und drei zurück. Und dann stehen wir erst mal wieder und warten, bis Josef das Fahrrad erkundet hat oder aber etwas Interessantes am Boden entdeckt hat oder aber er jedem Vogel nachschaut und ihm hinterherzeigt und „Da, da, da, da!“ ruft.
Unter lautem Protest lässt er sich mal 6 Schritte nach vorne tragen und dann beginnen wir wieder mit dem Hinterherlaufen, Hinterherrufen, Warten und ihn wieder Abholen …
 
Eilig darf man es zuweilen nicht haben. Weder beim Essen, noch beim Lesen, noch beim Gehen …
Schön Entschleunigen, einfach mal machen lassen und sich später den anderen, Liegengebliebenen Dingen widmen …
 
Doch zugegeben, hin und wieder zehrt es doch ganz schön an den Nerven und man würde dem Mupfel gerne mal „Beine machen“, damit man endlich mal vorwärts kommt … Doch es hilft alles nichts … Gelassen bleiben, lächeln und sich daran erfreuen, welch grossen Spass er beim Entdecken seiner Welt hat …
 
In diesem Sinne, gehabt euch wohl.
 
Eure Jana

Dienstag, 31. März 2015

Achtung !


Stoffelwanderung!!!!

 

 

Würde man analog der Krötenwanderung ein Schild erstellen wollen, so schlage ich vor, einen Grossteil der Eltern zu postieren, die ihre Kinder jeden Morgen in die gleiche Einrichtung bringen, wie ich es seit nunmehr fast drei Monaten mache.

 

Habe ich deren Unvermögen, zu grüssen, die Tür aufzuhalten oder sich mal ein kleines Lächeln abzuringen bislang darauf geschoben, dass sie schlecht gelaunt sind, da sie quengelige Kinder am Morgen zu betreuen haben, selbst nicht schlafen konnten, da das Kind die Nacht zum Tage machte, vielleicht kamen sie aber auch nicht zum Frühstücken, da sie sehr in Eile waren oder aber kleine, pikante Prinzessinnenkämpfe um rosa Kleidchen und Schleifchen im Haar auszufechten hatten, oder womöglich die kleinen Piraten und Feuerwehrmänner von Grosseinsätzen abhalten mussten.

 

Doch all das erscheint mir nun nach all dieser Zeit ziemlich weit hergeholt. Drei Monate am Stück kann man nicht mit einer solche Trauermine und Grummelgesicht rumlaufen. Ich bin inzwischen überzeugt davon, dass es an dieser besonderen Spezies liegen muss.

Was auch immer in ihren Köpfen vorgeht, mit guten Manieren, die sie vermutlich versuchen, ihren Sprösslingen beizubringen, hat es schon lange nichts mehr zu tun.

Ich bin fassungslos über soviel Ignoranz und Arroganz.

 

Diese Eltern schaffen es wirklich, einem die Tür vor der Nase zuzuknallen, obwohl sie sehen können, dass man auf die gleiche Tür zusteuert, durch welche sie gerade gehen. Und das, obwohl man mit Tasche, Kind und sonstigem Krimskrams beladen ist. Sie stehen neben uns am Fahrstuhl und mustern mein Kind, da vermutlich die Jacke, die es trägt, nicht hip genug ist oder doch etwas verwaschen aussieht.

Na und? Mir doch egal. Sie erfüllt ihren Zweck und ausserdem wurde sie bereits von zwei Kinder getragen …

 

Halten sich diese Eltern für was Besseres, nur weil sie ihre Kinder in eine private Einrichtung bringen?

Paaah, ich bin davon überzeugt, dass jede öffentlichen Einrichtung mindestens genauso gut, wenn nicht sogar noch besser ist.

Es macht mich echt wütend, mir dieses Trauerspiel jeden Morgen mit ansehen zu müssen. Doch ich bleibe dabei und mache weiter, wie bisher … Ich grüsse sie. Jeden einzelnen. Mit einem fetten Grinsen im Gesicht. Auch wenn nichts zurück kommt. Auch wenn sie mit den Augen rollen und die Nase rümpfen. Und auch dann, wenn sie sich den Gegengruss hörbar aus der Kehle quälen.

 

Und falls sich  nun jemand fragt, weshalb ich mein Kind in diese Einrichtung bringe, dem sei geantwortet, dass es die derzeit einzige Einrichtung war, die mit den Betreuungszeiten meiner Arbeitszeit entgegenkommt.

 

Gehabt euch wohl ihr Lieben,

 

Eure Jana

Mittwoch, 11. März 2015

Wenn Du denkst, es geht nicht mehr ...


… kommt aus der Kita doch noch ne Mail daher !

 

 

 

Es ist noch nicht sooo lange her, als ich schrieb, ich sei gespannt, welche Herausforderungen denn noch so für uns bereitgehalten werden.

Hello. Da ist sie auch schon …

 

Zunächst hatte es den Anschein, als würde sich der Kita-Alltag etwas normalisieren. Es blieb allerdings nur beim Anschein, denn es folgten diverse Mails, dass die Erzieherinnen der Reihe nach der Grippe zum Opfer fallen, die Eltern zusehen sollten, dass die Betreuung der Kinder doch so weit wie möglich von zu Hause erfolgen soll, etc.

 

Wir tun, was wir können. Mal bringen wir Josef zur Kita, mal lassen wir ihn zu Hause, mal bleibt er bei einer anderen Erzieherin, mal nicht … Es ist und es bleibt ein Hin und ein Her.

Ich veranstalte nach wie vor meinen Eiertanz zwischen Kind und Arbeit und bin noch immer recht unzufrieden mit meiner Performance, da ich weder dem Kind, noch dem Chef, noch mir selbst gerecht werden kann. In Spagat war ich noch nie so gut und so bin ich dauerhaft damit beschäftig, nicht zu überdehnen und am Ende selbst noch auszufallen.

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass der Prinz selbstverständlich bestens unterstützt, doch es ist und bleibt eine ziemlich herausfordernde Übung.

 

Und so tun wir gut daran, das Beste aus der Situation zu machen und fahren über’s lange Wochenede, welches wir durch die Kita-Schliesstage hatten, einfach mal an den Bodensee, um ein wenig Kraft zu tanken. Schön war’s … Das Wetter tip, das Essen top und die Laune tippi-toppi. Was soll jetzt noch passieren? Wir haben insgesamt 5 Tage Kita-frei und jetzt fängt der Frühling an, die Tage sind länger, die Nächte kürzer, die Anfälligkeiten für Krankheiten sollten weniger werden.

 

Gestern dann noch ein kitafreier Tag, den Josef mit seinem Papa zu Hause verbringen konnte. Die beiden haben es sichtlich genossen, so viel Zeit füreinander zu haben …

Doch dann gegen 1500 eine Nachricht der Kita … Jetzt sind doch tatsächlich BEIDE Erzieherinnen aus Josef’s Gruppe wegen Krankheit bis zum Ende der Woche ausgefallen !!!! *aaaaarggggghhhhh‘

Das ist doch jetzt nicht wahr, oder?

Lapidar steht da dann noch: „Sie können Ihr Kind dennoch bringen!“

Aha, kann ich das? Ist mein Kind schon so stabil, dass es nach 5 Tagen kitafrei einfach mal so mir nix, Dir nix bei einer Erzieherin bleibt, die er allenfalls ein paar mal am Tag für ein paar Minuten gesehen hat?

 

Ich hab Bauchschmerzen beim Gedanken daran. Und ich hab ne riesengrosse Wut im Bauch. Leute, so kommen wir doch nicht weiter !!!!

Ich arbeite wieder – und zwar zu 80 % … Die Verantwortung habe ich nun nicht mehr nur meinem Kind, sondern jetzt auch meinem Arbeitgeber gegenüber. Kann ich dem Wurm denn jetzt schon so viel Flexibilität abverlangen, dass er jetzt ins kalte Wasser geworfen wird und lernen soll, damit klar zu kommen? Male ich gar schwärzer, als es ist? Habe ich zu wenig Vertrauen in mein Kind? Ich bin nicht schlau genug.

Ich beratschlage mich mit dem Prinzen. Am Ende sind wir uns einig darüber, dass wir nur drei  Möglichkeiten haben:

a) Wir versuchen es und geht gut

b) Wir versuchen es und es geht nicht gut

c) Wir versuchen es erst gar nicht und bleiben gleich zu Hause

 

Mein vereinbarter Termin und die Tatsache, dass der Prinz auf Dienstreise ist, bringen uns zu dem Schluss, es zu versuchen. Doch ich werde in der Nähe bleiben. Im Elternzimmer. Damit ich gleich eingreifen kann, falls sich der Mupfel nicht wohl fühlt …

 

Das ist echt suboptimal, und dennoch einen Versuch wert …

Ich bin gespannt, wie der heutige Tag ausgehen wird.

 

Gehabt euch wohl,

Eure Jana

Donnerstag, 5. März 2015

Jopi und die Babysitter - Die Erste.


Mutti und das Beruhigungsbier – Die Erste.

 
 

Gestern war nun also der „grosse“ Tag.

Der Prinz und sollten des Prinzen Weihnachtsgeschen (Tickets ins Capitol Mannheim zur Jazzkantine) einlösen. Der Prinz hat sich schon eine ganze Weile sehr darauf gefreut – nicht zuletzt deswegen, da es für uns beide der erste Abend allein seit Jopi’s Geburt hat sein sollen …

 

Ui, was waren wir aufgeregt …

 

Der Plan war folgender:

1830 – Babysitter U und G kommen vorbei

1900 – Jopi wir von uns zu Bett gebracht

1920 – Aufbruch nach Mannheim

2000 – Konzertbeginn

 

Soweit so gut.

Sonntag Abend war noch immer alles wunderbar. Jopi geht schlafen und er schläft den Schlaf der Gerechten bis zum Morgengrauen.

Am Montag Abend fängt das Grauen bereits nach dem Einschlafen an. Jopi hat noch keine 30 Min geschlafen und schon meldet er sich. Wir gehen rein ins Zimmer, wieder raus aus dem Zimmer, wieder rein und wieder raus … Und immer weiter … Bis kurz nach 2100 … Wir beschliessen, den Mupfel aus dem Bett zu nehmen – schlafen möchte er ja offensichtlich nicht. Und so spielt der Knirps bis 2230, ohne Anzeichen von Müdigkeit.

Wir sind ratlos. Sofort denken wir an das bevorstehende Konzert … Was tun, wenn das auch am Mittwoch abend passiert? Wird er sich von U und G beruhigen lassen? Werden wir angerufen werden, dass wir früher nach Hause kommen sollen????

 

Gedanken über Gedanken …

So beschliessen der Prinz und ich, dass wir es bleiben lassen. Soll der Prinz allein mit einem Kumpel gehen und ich bleibe zu Hause und hüte das Kind.

Irgendwie gefällt mir der Gedanke daran aber auch nicht. Wir hatten uns doch so auf den Abend gefreut.

Wir sprechen mit U und G und teilen ihnen mit, wie der Stand der Dinge ist und dass wir noch überlegen wollen, ob wir nun wirklich fahren werden. Zum Glück können wir es bis ganz zum Schluss offen lassen … (die beiden wohnen im selben Haus).

 

Die Nacht von Dienstag auf Mittwoch verläuft wieder wie gewohnt. Jopi schläft und muckst sich nicht. Ich frage die Godi um Rat und sie bestärkt mich darin, unbedingt den Abend mit meinem Mann allein zu verbringen. Nur weil Jopi einmal ausserplanmässig geschlafen hat, sollte das doch nicht gleich bedeuten, dass das nun in den Folgenächten eben auch der Fall sein sollte.

 

Und so beschliessen wir, es einfach mal darauf ankommen zu lassen. Es gibt schliesslich nur zwei Optionen:

Entweder es geht gut oder eben nicht.

Wir beschliessen, es wird gutgehen.

 

Mittwoch abend, 1830. U steht vor der Tür. Jopi begrüsst sie, gluckst und freut sich und überhaupt ist die Lage ziemlich entspannt.

Ich sage U, wann was zu tun ist, falls Josef wach würde, ansonsten zeige ich ihr, wo das Abendessen steht, die Getränke sind und das Süsse habe ich schon mal in Schälchen drappiert und bereit gestellt. Schliesslich sollen sich die beiden auch wohl fühlen, wenn sie schon das Babyfon hüten und gebannt lauschen, ob aus dem Kinderzimmer was zu hören ist.

 

Kurz vor 1900 mach der kleine Mann allerdings nicht die geringsten Anstalten müde zu sein oder gar schlafen zu wollen … Verdammt, wenn der Plan jetzt nicht aufgeht … Doch fangen wir erst mal mit dem Ritual an und sehen dann weiter.

Ich mache Jopi bettfertig, noch ein Gutenachtkuss für alle Anwesenden und dann ab ins Zimmer zum Trinken und Schlafen.

Schon während des Trinkens fallen dem Mupfel die Augen zu, er fährt runter und bald schon wünsche auch ich eine gute Nacht und verlasse den Raum.

 

Zurück im Wohnzimmer empfängt mich der Prinz mit einem Bier.

„Trink mal und komm runter.“ Alles wird gut.

Wir stossen mit den Nachbarn noch auf einen schönen (und für sie ruhigen) Abend an und machen uns um 1925 auf den Weg nach Mannheim. Mein Mann greift mir noch ein Unterwegsbier, damit ich nicht mehr ganz so nervös bin und allmählich merke ich, wie ich ruhiger werde und mich sogar auf der Fahrt mit ihm über ganz andere Dinge, als unser schlafendes Kind unterhalten kann.

 

Im Capitol kommen wir noch pünktlich an, ich darf noch ein Gläschen trinken und völlig entspannt und gut gelaunt nehmen wir dann auf der Loge Platz und geniessen das Konzert.

Zugegeben, hin und wieder habe ich auf’s Handy geschaut, doch eben nicht allzu oft … Naja, vielleicht so 10 mal in fast 4 Stunden.

Beim nächsten Mal wird’s besser … Ich glaube, das ist auch ein Stück normal, wenn man zum ersten mal allein was ohne sein Kind unternimmt und es mal nicht der Partner ist, der aufpasst. Beim nächsten mal wird’s einfacher … und normaler … und wir haben Blut geleckt … Wir brauchen Zeit für uns. Kinderfreie Zeit. Hin und wieder … Und das wollen wir jetzt regelmässiger tun … Wenn es geht …

 

Zu Hause angekommen, sitzen U und G ganz entspannt auf dem Sofa, im Kinderzimmer ist’s ruhig und U weiss zu berichten, dass sie einmal zum Jopmann rein musste, da er bitterlich weinte. Mit Schnuller im Mund sass er im Bett und träumte wohl mit offenen Augen. Sie konnte ihn hinlegen, ein wenig seine Wange streicheln und schon war er wieder eingeschlafen. Tief und fest. Bis heute früh um 0600 !!!

 

Schön, dass wir uns am Ende doch dafür entschieden haben, gemeinsam zum Konzert zu gehen …

Beim nächsten mal trinke ich nur etwas weniger … Ich hatte nämlich einen leichten Hangover am Morgen :-)

 

Hicks.

 

Gehabt euch wohl.

 

Eure Jana

Mittwoch, 11. Februar 2015

Murphy ist ein Vollpfosten.


Monate lang passiert so fast gar nichts.

Josef und ich schlagen uns Tag für Tag durch. Er will so. Ich will anders.

Wir lernen. Beide. Josef testet seine Grenzen. Und zwar nicht nur so ein bisschen. Nein. Ganz gewaltig.

 

Hier nur ein kleines Beispiel, welches vermutlich allen Eltern dieser Welt, die diese Phase bereits durchgemacht haben, nur allzu bekannt sein wird:

 

Beim Abendbrot:

Josef sitzt im Hochstuhl. Er sieht das Essen und das Geheule geht los. Es geht ihm nicht schnell genug. Sein Blick verrät, wieso wir uns erdreisten, uns mit einem ungeschmierten Brot vor ihn zu setzen und ihn noch so unverschämt lange warten zu lassen, bis alles essfertig ist.

Er meckert. Wir schaffen es gerade so, uns „Guten Appetit“ zu wünschen, während Josef’s kleine Speckfingerchen schon nach dem ersten Stück greifen und dieses beherzt in den Mund schieben.

Soweit so gut. Nach einer Weile benutzt Jopi jedoch beide Hände. Er räumt munter die Brotstückchen vom Teller auf den Tisch, vom Tisch auf meinen Teller, zwischendurch schleckt er es wieder an, legt es kurz auf seinem Teller ab, um es dann mit voller Wucht auf den Boden zu donnern.

NEIN Josef !!!! Mit Essen spielt man nicht und man wirft es nicht auf den Boden.

 

Josef zieht ne Schippe. Tränen schiessen ihm in die Augen, die Sirene heult los. Er beruhigt sich schnell wieder. Er lacht. Isst. Hält kurz inne, räumt das Brot mit seiner kleinen Hand wieder aus dem Mund, schaut zu mir, grinst, schaut zum Vater, grinst und dann lässt er lachend das Brotstück wieder auf den Boden fallen.

 

Das würde nie aufhören, würde ich ihm nicht den Teller wegnehmen.

 

Ansonsten passiert nicht viel.

Ich bereite mich seelisch und moralisch wieder auf’s Arbeiten vor. Zuvor muss Jopi’s Eingewöhnung aber noch durch. Ich berichtete davon. Es war schwer, doch er hat die Hürde genommen.

 

Die erste Woche beginnt. Jopi hat schon den ersten Infekt mit nach Hause gebracht. Dieser hält an. Ich glaube, wir sind ihn noch immer nicht los.

Ich entferne mich mehr und mehr von der Kita, stecke meine Nase zum ersten mal wieder ins Büro. Ich schnuppere die grosse weite Welt. Ich find’s cool. Ich will mehr davon.

Jopi spielt in der Kita, ich gehe ins Büro. Soweit ist alles gut.

 

Die Eingewöhnung neigt sich dem Ende. Jopi ist „über’n Berg“. Am 05.02. ist mein erster richtiger Arbeitstag, der nicht von Urlaub ummantelt ist. Soweit so gut. Ich freu mich, mache Termine aus, stürze mich in und auf meine Aufgabe und bin voll motiviert.

Am 06.02. werde ich jäh ausgebremst.

Es tritt ein Fall ein, mit dem wir ja so gar nicht gerechnet haben: Jopi’s Bezugserzieherin ist krank.

Verdammt. Und nun?

Er kann nicht in die Kita. Ich kann nicht zur Arbeit, da der Prinz auf Geschäftsreise ist und erst am Freitag abend wieder zu Hause aufschlagen wird. Kommt bestimmt gut an, wenn man den ausgemachten Termin beim ChefChef gleich wieder absagen darf … Und das, obwohl noch nicht mal der eigene Filius krank ist …

 

Nun denn, denk ich mir, kann ja nur noch besser werden. Wir starten Montags einen neuen Versuch. Die Betreuerin ist da. Alles ist gut soweit. Denke ich. Als ich Josef abhole, werde ich eines Besseren belehrt.

Der junge Mann konnte zwei mal mit „ungeformtem Stuhl“ glänzen, was zur Folge hatte, dass er erst wieder kommen darf, wenn die Sache in der Windel wieder zur Form gekommen ist. Ausserdem sollen wir beim Arzt vorstellig werden.

Ich nehm den Knirps mit, fahre gleich zum Arzt und verbringe den Nachmittag wartend im rotzenden und hustenden Wartezimmer. Wenn Jopi vorher nichts hatte, spätestens nach diesem Besuch wird er wieder was haben. Der Arzt kann nix machen, verschreibt ein Medikament und wir müssen abwarten. Fakt ist, Josef darf am Dienstag nicht in die Kita.

Zum Glück kann der Prinz übernehmen. Ich kann zur Arbeit.

 

Am Dienstag mittag dann der Anruf der Kita, man hätte mit dem Gesundheitsamt telefoniert. Aufgrund eines EHEC Falles in der Kita herrschen strenge Vorsichtsmassnahmen. Fakt ist: Josef darf insgesamt 48 Stunden nicht mehr in die Kita gehen.

Somit ist klar, wir müssen den Mittwoch auch noch überbrücken.

Das schaffen wir. Meinen Termin hatte ich vorsorglich gestern schon wegen Kinderkrank abgesagt. Der Prinz und ich teilen uns auf. Einer macht die Frühschicht, der andere die Spätschicht. Somit kann jeder von uns ein paar Stunden seiner Arbeit nachgehen.

 

Jopi normalisiert sich wieder und freuen uns, morgen wieder unseren Verpflichtungen nachgehen zu können.

Doch leider haben wir die Rechnung ohne unsere Kita gemacht.

Josef’s Bezugsbetreuerin ist bis Ende der Woche krank. Josef ist noch nicht an die anderen gewöhnt. Ob er bei einer anderen bleiben mag, ist fraglich.

Und so soll ich ihn morgen bringen. Jedoch nur für ein paar Stunden. Und ich soll auch dort bleiben. Ich darf die Einrichtung nicht verlassen.

 

Toller Einstieg ins Berufsleben.

Ich bin gespannt, vor welche Herausforderungen wir noch gestellt werden …

 

In diesem Sinne,

gehabt euch wohl !!!!

 

Eure Jana