Irgendwie
habe ich keine Zeit. Ich hatte doch immer so viel davon und jetzt? Jetzt habe
ich das Gefühl, dass die Tage kürzer werden, ich weniger Stunden zur Verfügung
habe und dennoch fast immer das gleiche Pensum zu bewältigen habe.
Und
überhaupt, wo ist denn die Zeit geblieben?
Vor
gerade mal einem Jahr fieberte ich dem kleinen Jopmann entgegen und jetzt?
Jetzt sitzt er schon mit am Tisch und isst uns die Haare vom Kopf. Ich wollte
doch soooo viel schriftlich festgehalten haben … und ich habe es nicht
geschafft. Nicht so wirklich.
Die
ersten Monate waren überschattet von durchwachten Nächten, von meiner
Angespanntheit, von Angst, wie alles werden wird. Dies wurde abgelöst, dass der
kleine Mann immer grössere Bedürfnisse hatte und seinen Wissensdurst löschen
und seine Umgebung erkunden wollte. Alles wurde besser – ja, irgendwie auch
einfacher.
Wir
machten unseren grossen Urlaub mit dem Wohnmobil. Grossartig war dieser und
auch wenn er erst Anfang Oktober letzten Jahres zu Ende ging, so schleicht sich
das Gefühl ein, es läge schon sehr viel länger zurück.
Die
verbliebenen Monate des Jahres 2014 genoss ich mit dem Jopmann zu Hause. Wir
unternahmen viel, lernten uns weiter kennen und bereiteten uns seelisch und
moralisch auf einen beginnenden Arbeits- und Kitaalltag vor. Doch bevor ich mit
dem Arbeiten beginne, ist erst mal Josef’s Eingewöhnung dran. 4 Wochen sind
dafür vorgesehen. Heute befinden wir uns in der zweiten Woche und es scheint
sich – wenn auch etwas holprig – anzugehen.
Der
Jopmann ist ein neugieriger kleiner Bursche. Das ist auch gut so, denn nur die
Neugier schafft es, ihn hinterm Ofen vorzulocken. Und so hängt er nicht die
ganze Zeit an meinem Hosenbein und entfernt sich nicht. Er krabbelt sich munter
durch die Kita, geht auf Tuchfühlung mit den anderen Kindern und holt sich von
Zeit zu Zeit dann noch seine kleine Streicheleinheit.
Es
ist so schön mit anzusehen, wie er immer mutiger wird und wie schnelle er
begreift, welches Ritual, was bedeutet. Gut, das mit dem Aufräumen versteht er
noch nicht, doch den Begrüssungssong trommelt , klatscht und winkt er immer
fröhlich mit und richtig grosse und strahlende Augen bekommt er dann, wenn er
den Obstteller sieht und der Aufruf kommt, dass sich nun alle an den Tisch
setzen dürfen …
Noch
scheint er etwas Narrenfreiheit zu haben, denn während sich die anderen
gedulden müssen, bis das Obst aufgeschnitten ist, schafft es der Jopmann immer
wieder, sich ein Stück Banane zu stibitzen.
Wenn
ich auch die Zeit mit meinem Kind zu Hause sehr genossen habe, so sehe ich die
Notwenidigkeit, dass er jetzt unter seinesgleichen kommt. Josef fremdelt schon
sehr … Er lässt sich von niemandem, ausser mir und dem Prinzen, auf den Arm
nehmen. Bei allen anderen ist das Geschrei gross. Zuweilen auch sehr gross.
Beruhigend ist es, dass er einen guten Draht zur Erzieherin zu haben scheint.
Er weint zwar bitterlich, wenn ich mich verabschiede, doch er beruhigt sich
auch immer wieder schnell. Er beruhigte sich heute sogar so gut, dass er bei
der Erzieherin im Arm eingeschlafen ist … Und sie bestätigte, er schlief nicht
ein, weil er so bitterlich weinte und davon müde war, nein, er war einfach so
müde und schlief so ein … Ach, er wird es schaffen und er wird ganz sicher
grosse Freude in der Kita haben.
Bei
mir fängt der Arbeitsalltag nach über einem Jahr Pause im Februar wieder an.
Schon ein komisches Gefühl und irgendwie auch noch so surreal. Ich bin
gespannt, wie ich mich wieder in den Alltag integrieren werde und vor allem,
wie es mir ergehen wird, Josef dann wirklich abzugeben und wegzufahren …
Ich
wünschte, ich hätte mehr Zeit, um mehr schreiben zu können, was so passiert.
Doch sehe da für die Zukunft eher schwarz. Die Familie, meine Hobbies, meine
Freizeit … Alles so knapp, dass es kaum noch reicht für Ausserplanmässiges …
Und dennoch: Ich möchte versuchen, zumindest das Lustige, wirklich
schreibenswerte, festzuhalten. Vielleicht gelingt es mir ja.
Und
jetzt freu ich mich auf meinen Geburtstag, der in diesem Jahr einmal mehr ein
ganz besonderer werden wird.
Gehabt
euch wohl,
Eure
Jana