Mittwoch, 14. Januar 2015

Keine Zeit.



Irgendwie habe ich keine Zeit. Ich hatte doch immer so viel davon und jetzt? Jetzt habe ich das Gefühl, dass die Tage kürzer werden, ich weniger Stunden zur Verfügung habe und dennoch fast immer das gleiche Pensum zu bewältigen habe.
Und überhaupt, wo ist denn die Zeit geblieben?
Vor gerade mal einem Jahr fieberte ich dem kleinen Jopmann entgegen und jetzt? Jetzt sitzt er schon mit am Tisch und isst uns die Haare vom Kopf. Ich wollte doch soooo viel schriftlich festgehalten haben … und ich habe es nicht geschafft. Nicht so wirklich.
Die ersten Monate waren überschattet von durchwachten Nächten, von meiner Angespanntheit, von Angst, wie alles werden wird. Dies wurde abgelöst, dass der kleine Mann immer grössere Bedürfnisse hatte und seinen Wissensdurst löschen und seine Umgebung erkunden wollte. Alles wurde besser – ja, irgendwie auch einfacher.
Wir machten unseren grossen Urlaub mit dem Wohnmobil. Grossartig war dieser und auch wenn er erst Anfang Oktober letzten Jahres zu Ende ging, so schleicht sich das Gefühl ein, es läge schon sehr viel länger zurück.

Die verbliebenen Monate des Jahres 2014 genoss ich mit dem Jopmann zu Hause. Wir unternahmen viel, lernten uns weiter kennen und bereiteten uns seelisch und moralisch auf einen beginnenden Arbeits- und Kitaalltag vor. Doch bevor ich mit dem Arbeiten beginne, ist erst mal Josef’s Eingewöhnung dran. 4 Wochen sind dafür vorgesehen. Heute befinden wir uns in der zweiten Woche und es scheint sich – wenn auch etwas holprig – anzugehen.
Der Jopmann ist ein neugieriger kleiner Bursche. Das ist auch gut so, denn nur die Neugier schafft es, ihn hinterm Ofen vorzulocken. Und so hängt er nicht die ganze Zeit an meinem Hosenbein und entfernt sich nicht. Er krabbelt sich munter durch die Kita, geht auf Tuchfühlung mit den anderen Kindern und holt sich von Zeit zu Zeit dann noch seine kleine Streicheleinheit.

Es ist so schön mit anzusehen, wie er immer mutiger wird und wie schnelle er begreift, welches Ritual, was bedeutet. Gut, das mit dem Aufräumen versteht er noch nicht, doch den Begrüssungssong trommelt , klatscht und winkt er immer fröhlich mit und richtig grosse und strahlende Augen bekommt er dann, wenn er den Obstteller sieht und der Aufruf kommt, dass sich nun alle an den Tisch setzen dürfen …
Noch scheint er etwas Narrenfreiheit zu haben, denn während sich die anderen gedulden müssen, bis das Obst aufgeschnitten ist, schafft es der Jopmann immer wieder, sich ein Stück Banane zu stibitzen.

Wenn ich auch die Zeit mit meinem Kind zu Hause sehr genossen habe, so sehe ich die Notwenidigkeit, dass er jetzt unter seinesgleichen kommt. Josef fremdelt schon sehr … Er lässt sich von niemandem, ausser mir und dem Prinzen, auf den Arm nehmen. Bei allen anderen ist das Geschrei gross. Zuweilen auch sehr gross. Beruhigend ist es, dass er einen guten Draht zur Erzieherin zu haben scheint. Er weint zwar bitterlich, wenn ich mich verabschiede, doch er beruhigt sich auch immer wieder schnell. Er beruhigte sich heute sogar so gut, dass er bei der Erzieherin im Arm eingeschlafen ist … Und sie bestätigte, er schlief nicht ein, weil er so bitterlich weinte und davon müde war, nein, er war einfach so müde und schlief so ein … Ach, er wird es schaffen und er wird ganz sicher grosse Freude in der Kita haben.

Bei mir fängt der Arbeitsalltag nach über einem Jahr Pause im Februar wieder an. Schon ein komisches Gefühl und irgendwie auch noch so surreal. Ich bin gespannt, wie ich mich wieder in den Alltag integrieren werde und vor allem, wie es mir ergehen wird, Josef dann wirklich abzugeben und wegzufahren …

Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit, um mehr schreiben zu können, was so passiert. Doch sehe da für die Zukunft eher schwarz. Die Familie, meine Hobbies, meine Freizeit … Alles so knapp, dass es kaum noch reicht für Ausserplanmässiges … Und dennoch: Ich möchte versuchen, zumindest das Lustige, wirklich schreibenswerte, festzuhalten. Vielleicht gelingt es mir ja.

Und jetzt freu ich mich auf meinen Geburtstag, der in diesem Jahr einmal mehr ein ganz besonderer werden wird.

Gehabt euch wohl,
Eure Jana