Freitag, 28. März 2014

Zu viele Eisen im Feuer.



Der Jopmann und ich waren mal wieder beim Kinderarzt unseres Vertrauens vorstellig.
Warum? Ganz einfach darum, da das Medikament in seiner Wirkung nachgelassen hat und nun offensichtlich nicht mehr seinen Zweck erfüllt, der Jopmann wieder aufgrund von quälendem Sodbrennen herzerweichende Schreiattacken bekommt und er seit geraumer Zeit nur noch im Stundenrhythmus schläft und den Rest der Zeit rumquengelt.

Als besorgte Mutter frage ich mich natürlich, ob da nicht noch mehr dahinter steckt. Vielleicht wurde bei all den Untersuchungen etwas übersehen oder es wurde an etwas nicht gedacht.
Und wie ich dem Kinderarzt so unsere Situation schildere und er sich den Josef so betrachtet, lässt er mich wissen, dass ich die Nöltöle auch mal auszuhalten habe. Josef solle ruhig mal lernen, dass ein quersitzender Pups nicht gleich ein Grund sei zu brüllen. Da der Knabe auch schon schön Gegenstände fixieren kann, sollte er doch auch in der Lage sein, stundenlang an sein Mobile zu schauen und sich damit vergnügen. Nicht so mein Josef. Mein Josef heult sein Mobile gerne mal an, lacht es an und schreit es auch mit lustigen Lauten an, doch nach 10-20 Minuten ist für ihn wieder die Zeit angekommen, ein wenig zu quengeln. Das steigert sich dann über unleidiges Weinen bis hin zu diesem Gebrüll, bei dem es um sein kleines Leben geht.
Und genau dieses Szenario spielte sich dann auch in der Arztpraxis ab, was uns nun noch eine Blutuntersuchung, einen Ultraschall vom Kopf sowie ein EEG einbrachte.
Nächste Woche geht es mit den Untersuchungen los und dann sehen wir weiter.

Meiner Hebamme berichtete ich auch von den Ereignissen und sie meinte, es sei gut, alles auszuschliessen, denn schliesslich kann es für das Schreien eben auch noch andere Ursachen geben, doch vermutlich wird es so kommen, dass man bei all den Untersuchungen nichts finden wird und sich von heute auf morgen alles von allein regelt und kein Mensch wird je wissen, warum es so war, wie es war.
Im übrigen sehe ich das genauso …

Dennoch, Josef’s stark ausgeprägte Unruhe lässt und liess mir keine Ruhe. Viele Gespräche mit Freundinnen habe ich geführt und jede einzelne hat ihren eigenen Blick auf die Dinge. Für mich ist es hilfreich, kann ich so meine eigene Situation auch immer mal wieder aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Und so denke ich darüber nach, was denn wohl Gründe für Josef’s Unruhe sein können. Bin ich es, die ggf. kontraproduktiv auf ihr eigenes Kind wirkt, nur weil ich mit und über mein Kind ein eigenes Trauma aus der Kindheit unbewusst verarbeite oder aber mir meine eigene (Ver)Bindung zu meiner Mutter in den Sinn kommt, die doch einige Defizite aufweist. Meine ich eventuell meinem Kind nah zu sein und bin es wohl doch nicht? Gebe ich meinem Kind vielleicht nicht das, was es braucht oder auch nicht in ausreichendem Maße?
Und so befrage ich einen Freund, der sich mit genau diesen Themen beschäftigt und der empfiehlt mir einen Cranio-Sacral-Therapeuten in Tübingen. Diesen kontaktiere ich und werde an eine Kollegin in Speyer verwiesen, die bei ihm etliche Seminare besucht hat. Ihr schildere ich in einem langen Telefonat meine / unsere Situation und fühle mich gut aufgehoben. In erster Linie geht es mir darum, meinem Kind ein wenig Schützenhilfe beim Finden seiner eigenen Ruhe zu finden und zum anderen möchte ich für mich lernen, wie kann ich meinem Kind zur Ruhe verhelfen, ohne selbst zu unruhig zu sein. Auch finde ich den Ansatz der Cranio-Sacral-Sitzung sehr gut, fängt die erste Sitzung nämlich mit uns beiden an und im nächsten Schritt mach ich das allein, damit ich auch mal all meine negativen Gedanken laut aussprechen kann. Und ja, auch davon habe ich einige, denn nicht selten wünsche ich mir – wie bereits geschrieben – mein altes Leben zurück. Nacht für Nacht wünschte ich, ich könnte einfach nur weiterschlafen und jeden Morgen, wenn für den kleinen Josef um 0600 die Nacht vorbei ist, denke ich wie schön das doch vorher war, als ich noch ausschlafen konnte.

Zum Glück bleibt von all diesen Gedanken dann nichts mehr übrig, wenn ich den Jopmann morgens aus seinem Bettchen – ähm, MaxiCosi – nehme, er mich dann breit anlächelt und dann noch völlig verschlafen sein kleines weiches und wohlriechendes Gesichtchen an meines schmiegt. Dann möchte ich ihn um nichts in der Welt mehr in meinem Leben missen.

Und so haben der Jopmann und ich nächste Woche dann auch unsere erste Cranio-Sacral-Dinges gemeinsam. Ich möchte mich überraschen lassen, was uns da erwartet.

Doch bei allem „Elend“ und aller Rastlosigkeit – es hat auch was Gutes, dass Josef zu Hause tagsüber keine Ruhe findet. Gestern morgen war ich mit einer Freundin im Ort zum Spaziergang verabredet. 5,5 km die Runde, die wir ganz gemütlich drehten und dabei erzählten. Nach einem Boxenstopp zu Hause und einem gefüllten Magen, machten Jopi und ich uns erneut auf den Weg. Zunächst zum Supermarkt, denn für das Abendessen wollte noch eingekauft werden und dann ein weiterer schöner Rundweg von fast 6 km.
Auch wenn das mit dem Joggen noch nicht wieder klappt, doch so komme ich wenigstens zu meiner Sporteinheit. Langweilig isses mir beim Spazieren aber. Ich würde gerne telefonieren wollen, doch die meisten meiner Freunde – naja, eigentlich alle – sind bei der Arbeit und können so schlecht davon abgelenkt werden. Ich sollte mal Ausschau nach lustigen Hörbüchern halten, die mich ablenken und mir die Zeit beim Spazierengehen vertreiben.

Wobei ich ja nur noch eine Woche „durchhalten“ muss … Denn ab April hat der Prinz dann auch einen Monat Elternzeit und so werden wir uns die verantwortungsvolle Aufgabe dann auch mal teilen können und ich werde ganz bestimmt die ein oder andere Auszeit für mich beanspruchen können. Ein Übernachtungsbesuch in Aalen steht schon im Kalender :-)

Nun werde ich noch ein wenig die Ruhe und das schöne Wetter geniessen, bevor mein kleiner Quälgeist wieder nach Hause kommt. Er ist nämlich mit dem „Freizeitopa“ eine Runde spazieren gegangen.

Gehabt euch wohl.

Eure Jana.

Montag, 24. März 2014

Ungeduld ...



… mein zweiter Vorname.


Einmal mehr habe ich dem Wunsch meines Sohnes nachgegeben und den Versuch, Josef in seinem Bett den Tagschlaf abhalten zu lassen, abgebrochen.
Stattdessen rein in den Astronautenanzug, Mütze bis über die Ohren und rauf auf’s Lammfell im Kinderwagen. Nun schläft er den Schlaf der Gerechten wieder auf dem Balkon … Wann wird er denn endlich mal in seinem Bett schlafen wollen?
An manchen Tagen fühle ich mich selbst, als hätte ich kein Zuhause, da ich dauerhaft mit Josef draussen sein muss, damit er den Schlaf bekommt, den er auch tagsüber benötigt.

Nachts ist es ähnlich. Dann ist es nicht mehr der Kinderwagen, dann ist es der MaxiCosi, der herhalten muss. Josef schläft wohl schon in seinem Bettchen ein, doch meist wird er nach 2 Stunden zum ersten mal kurz wach – Schnuller rein und gut – und dann wieder 2-3 Stunden später, da ihn der Hunger plagt. Sobald die Flasche leer ist und er wieder im Bettchen liegt, fängt die Unruhe an. Er wirft seine Ärmchen durch die Luft, strampelt, überstreckt sich, kriegt sich kurz wieder ein, macht einen ruhigen Eindruck und dann lässt ihn der Mororeflex wieder aufschrecken und –wachen. Alle Versuche, ihn im Bett zu beruhigen: singen, summen, leise reden, über’s Köpfchen streicheln, halbseitig pucken, komplett pucken … nichts hilft … Nur wenn er dann im MaxiCosi liegt, beruhigt er sich allmählich und schläft dann ein … Ein Arm ragt mit geballter Faust allerdings immer in die Höhe.

Während Josef unruhig schläft, kann ich dann schon wieder kein Auge mehr zutun, da dieses erneute Einschlafen viel zu lange dauert und ich dann nicht mehr so richtig müde bin, dass ich gleich einschlafen könnte. Also surfe ich munter durch’s Internet. Dabei befrage ich Dr. Google nach allem Möglichem und mache mir beim Lesen natürlich schon wieder die allerschlimmsten Gedanken.
Zugegeben, Josef’s Zappelei verunsichert mich ungemein. Vergleichsmöglichkeiten und Erfahrungswerte habe ich nicht, doch immerzu denke ich, dass andere Säuglinge viel ruhiger sind, ruhig im Bettchen liegen können und nicht wild mit den Armen und Beinen fuchteln, wie mein Zwerg dies tut.
Und beim Lesen durchs WWW erfahre ich Dinge wie beispielsweise, dass sich ein nicht zurückgebildeter Mororeflex negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirken kann. Konzentrationsschwäche, Hyperaktivität, Ängste, nur um hier einige zu nennen.

Und einmal mehr mache ich den 10. Schritt vor dem ersten, höre schon wieder alle Alarmglocken läuten und bin gewillt am nächsten Morgen gleich wieder beim Kinderarzt auf der Matte zu stehen, ihm von meinen Sorgen und Ängsten zu berichten und Josef auf Herz und Nieren untersuchen zu lassen, ob denn irgendwelche Anzeichen zu finden sind, dass er in der Entwicklung nicht jene Fortschritte macht, die seinem Alter entsprechend sind.

Immer mehr stelle ich fest, dass es nicht das Kind ist, welches mich fast zur Verzweiflung treibt, sondern dass ich des Übels Ursache bin. Wie schaffe ich es, mir mal nicht so viele Gedanken zu machen und die Dinge einfach mal ganz entspannt auf mich zukommen zu lassen? Wieso versuche ich Probleme jetzt schon lösen zu wollen, ohne zu wissen, ob sie überhaupt auftreten werden?
Woher kommt mein verschrobenes Bild, wie mein Baby zu sein hätte?
Und wie lernt man das mit der Gelassenheit?

Schlussendlich hilft es dann doch wieder an die frische Luft zu gehen, den Filius im Kinderwagen vor sich her zu schieben, sich an der blühenden Natur zu erfreuen und einfach mal für’s Internet keine Hand frei zu haben, sondern stattdessen ein lekkeres laktosefreies Schokoeis zu schlotzen …

In diesem Sinne, Jopi und ich sind dann mal am Rhein spazieren …

Sonntag, 23. März 2014

QuEngelchen.




Der frühe Vogel und der Wurm oder so … Wenn ich auch sonst keine Langschläferin war, so bringt mich dieses frühe Aufstehen doch fast um den Verstand. Dabei hat der Prinz doch freiwillig die erste Schicht bis 0500 übernommen, damit ich mal wieder schlafen konnte …

All jene Mütter, die bereits durch dieses Tal der gewitterwolkendunklen Augenringe und Tränensäcke durch sind, werden mich an dieser Stelle wohl nur müde belächeln und sich im stillen Kämmerlein denken: Mädchen, das kommt noch viel schlimmer … Du machst Dir kein Bild davon …

Josef entwickelt sich prächtig und jeden Tag kann er ein wenig mehr, aber auch wieder ein wenig weniger. Seit neuestem weiss er wohl nicht mehr, wie das mit dem Einschlafen geht. Hatten wir bislang keine Probleme, das Kind am Abend ins Bett zu legen, ist seit zwei Tagen das Geschrei enorm.
Wir müssen ihn pucken, denn sonst kommt er gar nicht zur Ruhe. Ständig, dauerhaft, naja IMMER sind seine Arme und Beine in Bewegung. Auch dann, wenn er die Augen vor Müdigkeit kaum noch aufhalten kann. So wie er rumstrampelt und sich bewegt, müsste er doch dauermüde sein. Strengt das einen Säugling nicht an, die Beinchen immer in der Luft zu haben?

Ich kann dieses Gebrüll nicht gut aushalten. Also, ich kann da so gar nicht gut mit umgehen. Das geht mir so dermassen an die Substanz … Das Schlimme dabei ist, dass wir nie erfahren werden, warum er so brüllt.
Und immer wieder auf’s Neue möchte ich wissen, warum das Kind so ist, wie es ist. Warum schreit es denn nur? Und in Gedanken gehe ich die Checkliste der möglichen Gründe durch:
Hunger? – Kann nicht sein, er hat er vor 1-2 Stunden getrunken.
Schmerzen? – Könnte sein, doch nichts deutet wirklich darauf hin.
Müde? – Ooooh ja, doch er findet nicht in den Schlaf.
Windel? – Frisch – kann es auch nicht sein …

Da fällt mir zur Windel eine Geschichte von vor 2 Wochen ein. Josef war mal wieder sehr unruhig und nachdem er getrunken hatte und munter in seinem Stubenwagen vor sich hinstrampelte, fing er aus heiterem Himmel das Schreien an. Ganz erbärmlich – herzzerreissend. In den Arm nehmen, herumtragen, wiegen, schaukeln – nichts half. Und so entschied sich der Prinz kurzerhand dafür, mit dem Knaben nochmal spazieren zu gehen, um ihn zu beruhigen. Es dauerte nicht lange, da ereilte mich ein Anruf, dass Josef noch immer am Schreien sei. Verdammt, denke ich, jetzt können wir ihn noch nicht mal mehr im Kinderwagen beruhigen …
Irgendwann waren die beiden dann auch wieder zurück und wir beschlossen, Josef noch zu baden (das mag er), ihn dann zu füttern und versuchen, ins Bett zu legen.
Auf dem Wickeltisch traf mich dann fast der Schlag … Bis zur Halskrause !!!!

Kein Wunder, dass der Kleine schreien musste und sich nicht wohlfühlte …

Aus Erfahrung lernt man … Und jetzt steht das Prüfen der Windel ganz weit oben auf der Checkliste …

Jetzt pooft der Filius wieder im Kinderwagen auf dem Balkon.
Wenn er das doch nur auch mal im Bett täte …

Ich lehne mich erst mal wieder zurück und lass die Welt sich allein drehen …

Gehabt euch wohl,
eure Jana

Freitag, 21. März 2014

Mutter werden ist nicht schwer ...



… Mutter sein, dagegen sehr !



Das Leben mit Baby wäre so einfach, wenn jedem Baby bei Geburt eine Gebrauchsanweisung beiliegen würde. Neben der Rubrik „Inbetriebnahme“ wären noch Rubriken, wie „Verfahrensanweisung im 1. Monat“ (bis zum 12. Monat), „Nahrungsmenge“, „Fehlerbeschreibungen und –behebungen“.

Den „jungen“ Müttern dieser Welt würde einiges erspart bleiben, es würde weniger graue Haare geben und bestimmt nicht soooo viele durchwachte Nächte …

Nach fast 10 Wochen auf dieser Welt schläft mein Baby endlich mal am Tag. Und zwar nicht auf dem Arm. Und auch nicht in seinem Bett. Nein, es schläft auf dem Balkon in seinem Kinderwagen. Selbst die Kreissäge des Nachbarn kann ihm nichts anhaben …
Ja, es wird besser. Jeden Tag – naja, vielleicht auch jeden zweiten oder gar dritten – ein bisschen mehr.

Josef kommt langsam aber sicher in dieser Welt an.
Seinem Rumgefuchtel und –gezappel nach zu urteilen, mag er sich noch gegen etwas wehren, doch leider kann ich es ihm nicht ersparen – er muss nun hier bleiben und lernen, sich zurechtzufinden.
Es ist schon erstaunlich, wie schnell man doch vergisst, wie die ersten Wochen waren … Alle Anstrengung, aller Stress ist irgendwie weg. So weit weg, dass man sich nicht mehr daran erinnern kann … Vielleicht will man sich auch gar nicht mehr daran erinnern.
Ein Lächeln des Kindes und alles ist vergessen …

Niemand hat behauptet, es würde leicht werden mit dem Kind. Doch ganz ehrlich? So ne richtige Vorstellung, wie es werden würde, hatte ich nicht. Tja, und ab dem 09.01.2014 fand ich mich dann ganz plötzlich – und fast ohne Vorwarnung – in meiner neuen Rolle. Da war ich nun, doch ich fand mich nicht zurecht. Die ersten Tage mit Kind waren geprägt von grenzenloser Müdigkeit, Erschöpfung höchsten Grades, Freude, Unsicherheit, Stolz.
Und damit ich nicht ganz vergesse, wie so die letzten 10 Wochen waren, schreibe ich das hier mal auf, damit ich das später auch im Tagebuch meines Kindes festhalten kann.

Woche 1:
Am 12.01. werden wir nach insgesamt 2,5 Tagen aus dem Krankenhaus entlassen. 2 schlaflose Nächte liegen hinter mir, da ich die ganze Zeit immer nur in das Kinderbett des Juniors linste und mir sein Gesicht, die Hände und die kleinen Beinchen betrachten musste. So ein kleiner Mensch gibt auch in der Nacht recht lustige Laute von sich, so dass ich immer mal wieder nachschauen musste, was er denn so treibt.
Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass Säuglinge fast nur aus Reflexen zu bestehen scheinen. Der Josef hatte von Beginn an einen sehr ausgeprägten „Moro-Reflex“, der ihn immer wieder seine Ärmchen von sich strecken liess und auch heute noch immer wieder strecken lässt.

Stillen scheint allerdings auch so eine Wissenschaft für sich zu sein. Während der Suchreflex bei Josef stark ausgeprägt war – immer wenn er an die Brust wollte, wurde er richtig hektisch, das kleine Köpfchen wackelte ganz schnell von links nach recht und dabei war der Mund weit geöffnet, damit er die Brust, wenn er sie denn gefunden hatte, auch packen konnte. Tja, und dann hatte er sie irgendwann gepackt, doch damit anfangen konnte er auch nichts, da Josef noch nicht wusste, dass Saugen nur dann geht, wenn die Zunge UNTER der Brustwarze liegt und nicht drüber. Doch wie bringt man das einem hungrigen, unruhigen und sehr zappeligen Säugling bei, der nach dem 10. Versuch keine Lust mehr hat und dann erst richtig das Schreien anfängt, weil das Loch im Bauch immer grösser wird? Ich weiss es auch nicht mehr … Was ich weiss ist, dass wir uns unheimlich „gequält“ haben. Josef, weil das mit dem Saugen so kompliziert war und ich war nicht selten durchgeschwitzt, bis ich das Kind mal in einer Position hatte, in welcher ich das Gefühl hatte, er würde saugen und dabei auch noch einigermassen satt werden.
Gut und gerne zwei Wochen haben wir dieses „Spiel“ probiert, wobei schnell klar war, dass der Knabe eine Lieblingsseite hat – links – und rechts so gut wie gar nichts geht. Und dann eben immer diese Unruhe im Kind, die mich schier verzweifeln liess.
Wie gut, dass es Hebammen gibt, die Schützenhilfe leisten, wenn alle Stricke reissen. Und wie gut, dass diese Hebammen in der ersten Woche JEDEN Tag vorbeikommen und helfen. Hätte ich meine Hebamme nicht gehabt, wäre vieles nicht so gut gelaufen.
Lange Rede kurz. Josef hatte – wohl durch die Saugglocke bedingt – eine Halswirbelblockade. Auf Anraten der Hebamme suchten wir an Tag 6 bereits einen Osteopathen auf, der mit sanften Bewegungen die Schädelbasis wieder zurechtrückte und den Halswirbel auch wieder in Position brachte.
Nach dem Besuch hoffte ich, dass alles Leid nun schlagartig ein Ende haben würde, doch was folgte, war die Erstverschlimmerung …
Das was wir zuvor hatten, war schlagartig 5 mal schlimmer …
Vielen Dank auch, Herr Osteopath.

Woche 2:
Josef empfängt den ersten Besuch. Zunächst kamen Oma Anne und Onkel Norbert aus dem höheren Norden den kleinen Mann besuchen und direkt im Anschluss Oma und Opa Kasina, die die weite Reise aus Kroatien nicht scheuten. Viel bekam Josef allerdings nicht mit, da er die meiste Zeit entweder an der Brust hing – inzwischen war rechts genauso gut wie links - schlief oder aber seinem Unmut lautstark Gehör verschaffte.

Meine grosse Unsicherheit im Umgang mit dem Kind bewegte mich dann allerdings auch dazu, gegen Ende der zweiten Woche dann auch nochmals den Kinderarzt aufzusuchen, da Josef’s Nase dauerhaft verstopft war und ich überprüfen lassen wollte, ob da nicht was Ernsthafteres dahinter steckt. Zum Glück war meine Sorge unbegründet … Die verstopfte Nase gibt es heute noch …

Leider war Josef’s Unmut noch immer recht gross. Die Osteopathische Behandlung brachte zunächst die Erstverschlimmerung, dann aber wurde es besser. Was allerdings nicht besser wurde war die Tatsache, dass ich Josef kaum noch von der Brust legen konnte. Gefühlte 26 Stunden täglich wollte er saugen … Ich dachte schon, dass er eigentlich aus allen Nähten platzen müsste, doch dem war nicht so. Nach einer Woche hatte ich genug von Geschrei und Unruhe und so beschloss ich, etwas von der Fertignahrung zuzufüttern. Kaum hatte er Kleine das getrunken, war Ruhe eingekehrt.
Fazit: Der Wurm hatte schlicht und ergreifend hunger und wurde trotz der vielen Saugerei nicht satt.
Und da beschloss ich abzustillen und nur noch Flaschennahrung zu füttern. Das Gemüse mit Stillen UND Flasche war mir dann doch zu aufwendig, zumal die Nächte so oder so schon viel zu kurz sind.

Woche 3:
Josef hängt nun an der Flasche und scheint all das recht gut zu vertragen.
Auch wenn ich nie eine dieser Mütter werden wollte, die sich über die Ausscheidungen ihres Kindes auslässt, so bleibt das doch nicht aus … Josef’s Verdauung kam ins Stocken und damit ging das Geschrei auch wieder los. Und dann waren sie da, diese komischen Koliken, die das Kind sich krümmen und vor Schmerz schreien lassen. Nach drei verdauungslosen Tagen konnte ich das kleine Leid nicht mehr mit ansehen und verpasste meinem Sohn den ersten Einlauf seines Lebens.
Ich sag nur: Bis zur Halskrause !!!! Danach war gut und Josef ein ganz zufriedener kleiner Mann … Bis zur nächsten Verdauungsschwierigkeit.
Puh – es reisst nie ab und immer ist was … Mir kam es so vor, als sässe ich vor einem 10.000 Teile-Puzzle und kein Teil passt so recht ins andere. Kaum meint man eine Baustelle im Griff zu haben, tut sich auch schon die nächste auf. Dennoch, das Geschrei liess mir noch immer keine Ruhe. Es sollte allerdings noch gute 2 Woche dauern, bis ich auch dieses Rätsel habe lösen können.

Die dritte Woche beenden wir mit einem Besuch bei Oma Anne in Rhede. Autofahren mag Josef sehr gerne, denn er schlief tief und fest …

Woche 4:
Keine nennswerten Vorkommnisse. Die Nächte sind nach wie vor seeeehr kurz, Josef schreit noch immer viel und ist noch immer sehr unruhig. An manchen Tagen treibt mich das regelrecht in den Wahnsinn, da dem Kind einfach nicht beizukommen ist und er sich eben auch nicht helfen lassen kann. Meine Nerve liegen blank und nicht selten möchte ich einfach nur raus aus meiner Situation. Schlafmangel ist einer solchen Situation ganz sicher nicht zuträglich.

Woche 5:
Ich hab einen Termin bei einem anderen Kinderarzt. Ein sehr sympathischer Mann, der meine Sorge um mein Kind sehr ernst nimmt und Josef gründlich untersucht. Die vorläufige Diagnose lautet: Reflux. Reflux allein ist gar nicht so schlimm – verwächst sich bei den Kleinen bis zum 8. Monat. Schlimm wird es eben, wenn Kinder das, was sie trinken, umgehend wieder ausspucken. Das hat unser Josef allerdings nicht getan. Gespuckt hat er nie. Er hat immer nur geschrien wie am Spiess. Grund für sein Schreien war das Sodbrennen. Das war es, was ihm so weh tat und das war auch der Grund, weshalb er immer in sehr kurzen Abständen etwas trinken wollte. Damit verschaffte er sich zwar Linderung in der Speiseröhre, doch im Magen drückte es … Frische Milch auf halb vergorene – das gibt nen dicken Kloss, den der kleine Organismus erst mal wieder bewältigen muss.
Um die Diagnose allerdings zu bestätigen, folgte in der gleichen Woche ein zweiter Termin beim Arzt. Ultraschall vom Magen.
Bei der Untersuchung konnten wir richtig sehen, wie und was sich da im Magen tut und wie Josef darauf reagiert. Immer dann, wenn Nahrung aus dem Magen zurückschwappte, wurde Josef unruhig, fing an, mit Händen und Füssen zu rudern. Erst als wieder alles ruhig war, wurde auch Josef ruhiger.
Nun müssen wir dem Kleinen immer ein Medikament vor dem Essen geben, was dafür sorgt, dass die Nahrung dort bleibt, wo sie bleiben soll und zusätzlich dazu sollten wir die Milch mit Reisflocken andicken.
Tschakka. Jetzt wird alles gut.

Woche 6:
Pustekuchen. Das Sodbrennen war dann irgendwann ganz weg – hin und wieder schrie er dann doch noch sehr heftig. Doch es waren die Reisflocken, die ihm noch mehr Probleme im Darm bescherten.
Ach, es will einfach nicht aufhören … Kaum hält man das eine im Zaum, gerät das andere wieder aus dem Gleichgewicht.
Und ich bin schon lange nicht mehr im Gleichgewicht. Unausgeschlafen, gereizt und oftmals ratlos. Und wieder ertappe ich mich dabei, dass ich mir hin und wieder mein altes Leben zurückwünsche. Jenes, als ich schlaflose Nächte hatte, da ich so lange unterwegs war und jenes, als ich tun und lassen konnte, was ich wollte …
Kaum habe ich diesen Gedanken zu Ende geführt, schleicht sich auch das schlechte Gewissen meinem Kind gegenüber ein. Dieses kleine unschuldige Wesen kann doch nun wirklich nichts dafür. Ich fühle mich wieder schlecht, weil ich so schlechte Gedanken habe … Ein schwacher Trost: Ich scheine nicht die Einzige zu sein …
Und alle sagen: Es soll besser werden ! Aber wann? Wo ist das Ende der drei Monate????
Und warum haben andere so ruhige und nicht schreiende Kinder??? Und warum habe ich nicht auch so eines? Was habe ich falsch gemacht? War es doch zuviel Stress in der Schwangerschaft? Habe ich mir doch zuviel zugemutet?
Ach, die Gedankenmaschine steht nicht still … Und die sechste Woche geht zu Ende.

Wochen 7-9:
Kleine Fortschritte sind zu verzeichnen. Das Sodbrennen ist ganz weg. Josef’s Trinkpausen können wir auf 4 Stunden ausweiten und hin und wieder bleibt der Zwockel auch ruhig in seinem Stubenwagen liegen. Zwar sind diese Momente noch recht selten, doch sie sind da. Und dennoch, wir haben das Gefühl, dass Josef seit der Gabe des Medikaments noch mehr schreit und noch unruhiger ist, als zuvor. Und wieder suche ich den Arzt auf, da ich nicht weiss, ob es sich ggf. um eine Nebenwirkung auf das Medikament handelt.
Ob es das Medikament ist, würden wir erfahren, wenn wir es einfach mal ein paar Tage absetzen. Sollte sich die Situation verbessern / gleich bleiben, brauchen wir es nicht mehr zu geben, sollte sich die Lage verschlechtern, dann wieder geben. Und ansonsten meinte der Doc, dass dem Jungen wohl die Zähne in den Kiefer schiessen und er deshalb so unruhig ist.
Das Weglassen des Medikamentes bewirkte nur, dass Josef das Spucken anfing und inzwischen sieht man im Unterkiefer zwei helle Stellen, an denen sich die Zähnchen ihren Weg nach draussen bahnen.

Woche 10:
Josef und ich verbringen die erste Nacht allein miteinander. Es war schon ein komisches Gefühl, so ganz ohne Backup mit dem Kind zu sein … Und zum ersten mal haben Freunde auf den Kleinen aufgepasst. Allerdings müssen wir das mit dem Sitten nochmals üben, da Josef während meiner Abwesenheit doch recht unruhig war und viel weinte … Erst als ich wieder zurück war, beruhigte er sich und hatte eine wunderbare Nacht …

Und so machen wir drei Schritte vor, und dann auch wieder zwei zurück. Die nötige Gelassenheit habe ich noch immer nicht erlangt, die es mir ermöglicht, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind. Noch immer neige ich dazu, mein Kind planen und steuern zu wollen, wie es für mich am einfachsten ist und am besten passt. Doch das funktioniert so nicht. Noch immer fehlt es mir an der nötigen Gelassenheit, die Dinge so anzunehmen. Josef so anzunehmen, wie er ist. Und genau DAS muss ich tun. Geduld war noch nie meine Stärke und genau die brauche ich jetzt.
Ich bin viel zu verkrampft, viel zu kopfgesteuert.
An manchen Tagen klappt es ganz gut, an anderen weniger gut. Ich bin mir dessen bewusst, dass es noch schlimmere Tage geben wird, als jene, die wir bislang erlebt haben – und die waren noch nicht mal richtig, richtig schlimm … Doch ich möchte es nicht wahrhaben. Ich erwarte zuviel von meinem Kind. Meine Anforderungen an ihn sind zu hoch und erfüllen kann er sie nicht. Wie denn auch – er ist gerade mal 10 Wochen alt.
Und schlussendlich glaube ich, dass meine fehlende Gelassenheit, das Verkrampftsein und die hin und wieder fehlende Akzeptanz einer der Gründe für Josef’s Unruhe und Unzufriedenheit sind …
… Und hier schliesst sich der Kreis und es lassen sich durchaus Schlüsse zum Verhältnis zu den eigenen Eltern ziehen …

An dieser Stelle ein dickes DANKE an all jene, die meine Dünnhäutigkeit ertragen, die mir mit Ratschlägen aus ihren Erfahrungen zur Seite stehen und mich immer wieder ermutigen und mich auch beruhigen, die mir durch ihre Erfahrungen eine andere Sicht auf meine Situation ermöglichen – auch wenn ich oftmals beratungsresistent wirke.
Schön, dass es euch und eure Kinder gibt: Susanne, Sabine, Antje, Esther, Vanessa, Anke, Heinz ...