Freitag, 20. September 2013

Eine Veränderung bewirkt stets eine weitere Veränderung (Niccolò Machiavelli)





Nein, nein … Dies hier wird ganz bestimmt kein Schwangerschafts-Stillkissen-Blog oder so … Da aber nicht von der Hand zu weisen ist, dass ich unter Schwangerschaftsdemenz leide, ergreife ich die Gelegenheit und halte mal alles in Wort, Schrift und Bild fest, damit ich nichts davon vergesse bzw. wenn ich es schon vergesse, ich die Möglichkeit habe, es nachzulesen, wie es sich zugetragen hat.

Welche Veränderung nun schlussendlich der Stein des Anstosses war, lässt sich nun auch nicht mehr sagen. Fakt ist, wäre der Prinz nicht, wäre ich nicht hier, wo ich jetzt bin. Zwar weiss ich noch immer nicht so genau, wo ich jetzt bin, doch es wird zumindest immer klarer. Doch dazu später mehr.

Die Casa gehört jeden Tag ein Stück mehr der Vergangenheit an. Seit gestern stehen sogar schon die Namen für die neuen Nachkömmlinge fest. Ein ganz nettes junges Paar, welches sofort einen Narren an der Casa gefressen hatte und sich recht schnell einig war, dass sie hier gemeinsam einziehen wollen. Ach, ich find’s schön, würdige Nachfahren „gefunden“ zu haben.
Bis wir jedoch soweit waren, war’s ein harter, teilweise recht unebener Weg.

Da war im Sommer die Kündigung der Casa, welche mir mental ganz schön zugesetzt hat. Das fühlte sich irgendwie an, wie wenn mir jemand meine Lebensgrundlage genommen hätte. Mit einem Mal – naja, eigentlich erst dann, als die Kündigung offiziell bestätigt wurde – war alles ganz anders. Ich erfasste den festen Vorsatz, noch soviel Zeit, wie nur irgendwie geht, in der Casa verbringen zu wollen, insbesondere nach dem Urlaub in Italien. Aber es kam auch da anders, als gedacht. Es ist der Samstag im August nach dem Urlaub. Ich sehne mich nach Ruhe und Stille und nach Alleinsein. Yeah ! Ein ganzes Wochenende, nur die Casa, ich und der Zwockel, der gerade begonnen hat, sich ganz sanft und leise bemerkbar zu machen. Das will ich ausnutzen - mitnehmen, was geht. Es vergehen 2, 3 und auch 4 Stunden. Ich bin beschäftigt, kümmere mich um das Liegengebliebene und stelle aus heiterem Himmel fest, dass das Alleinsein und die Stille und die Ruhe gar nicht mehr so toll sind. Eine weitere Stunde später beschliesse ich, das Wochenende doch nicht allein in der Casa verbringen zu wollen. Entweder der Prinz kommt her oder ich fahr zu ihm.
Das irritiert mich völlig. Ich, die nichts lieber mochte, als allein sein, komme von ganz allein auf die Idee, nicht mehr allein sein zu wollen.

Vermutlich war das der Startschuss zur nächsten Veränderung. Und mit genau dieser Veränderung traten nach geraumer Zeit die Cozzolino’s in mein Leben. Ob Bereicherung oder nicht, ist mir noch nicht ganz klar, es sei einfach mal dahingestellt.
Das Auszugsdatum aus der Casa war nun nicht mehr von der Hand zu weisen, über Mobiliar etc. wurde mit dem Prinzen entschieden und somit konnte der grosse Abverkauf nicht benötigter Möbel beginnen.
Ein kostenloses Inserat bei Quoka (lediglich die Top-Platzierung kostete mich 10 Euronen), Angabe einer Telefonnummer und schon fiel der Schuss zum Showdown. Das Telefon klingelte, der Maileingang platzte aus allen Nähten und ich hatte meine wahre Freude am Organisieren und Abwarten, damit man nicht dem einen die Tür vor der Nase zuhaut, während sich der andere noch nicht entschieden hat.
Alles hat erstaunlich gut geklappt. Die Menschen haben sich an ihre Absprachen und Versprechen gehalten und das obwohl teilweise 3-4 Wochen zwischen Zuschlag und Möbelabholung lagen. Mein Vertrauen in die Menschheit wurde nicht enttäuscht. Die Schränke aus dem Gästezimmer stehen nun bei einem Auszubildenden in Worms, der sein Zimmer neu gestaltet hatte und froh war, für wenig Geld (65 Euro) fast neue Schränke zu bekommen. Die Kommode und der Nachttisch aus dem Schlafzimmer stehen nun in Heidelberg bei einem jungen Paar (40 Eur), der Esstisch, 4 Stühle, ein Bücherregal sowie ein Schuhregal  (70 Eur) haben in der Pfalz (bei Kaiserslautern) Unterschlupf gefunden. Jüngster Neuzugang: ein recht junges Mädel, welches für ganz wenig Geld (51,22 Eur) die Wohnzimmermöbel sogar bei Ebay ersteigert hat. Klar, es hätte mehr sein können, doch so ersparen wir uns das Abschlagen und Runtertragen und das Entsorgen über Sperrmüll.

Und genau jetzt kommen die Cozzolino’s. Frau Cozzolino rief mich direkt 3 Tage nach Erscheinen der Online-Anzeige an. Ihr Interesse galt hauptsächlich der Küche, dem Schlafzimmer und der Waschmaschine. Ein Besichtigungstermin war recht schnell vereinbart. Und sie kamen, sie sahen und vermutlich siegten sie auch … Am ehesten über meine Nerven … Also, die Cozzolino’s liefen ein: Frau Cozzolino, Töchterchen, Söhnchen und zwei Italiener, die gerade eine neue Existenz in Deutschland aufbauen wollen. Nach einer Stunde ist der Deal perfekt. Sie wollen alles mitnehmen. Am liebsten sofort, was allerdings nicht geht. Sie hinterlassen eine Anzahlung von 250 Eur und verabschieden sich mit einem glücklichen CIAO !!!!
Zuerst kommen Bett und Schrank aus dem Flur dran. Diese werden von einem mir bekannten Italiener und einem mir noch unbekannten Italiener abgeholt. Alles perfekt, sie nehmen, was sie tragen können, sind noch immer glücklich und freuen sich auf Anfang September, bis sie dann endlich die Küche abholen können. Auch hier steht der Termin recht schnell fest. Ein Samstag, 1000 h. Es ist bereits 1015, als mit Herr Cozzolino anruft, um mir mitzuteilen, dass er mit dem Transporter versetzt wurde und dass er nun noch auf einen Kumpel wartet, der mit einem anderen Auto unterwegs ist und sie sich noch weitere 15 min verspäten würden. Es ist 1110 als die Cozzolino’s an der Tür klingeln. Sie sind zu zweit und beginnen unverzüglich mit der Arbeit in der Küche. So richtig weit kommen sie allerdings nicht, da immer wieder das Handy klingelt. Der geneigte Leser sollte wissen, dass Herrn Cozzolino’s Akku am Handy kaputt ist und dieser muss repariert werden. Und zwar bald. Wenn möglich gleich. Also wartet Herr Cozzolino nur noch darauf, bis der dritte Mann ankommt. Der Schwager, sprich jüngerer Bruder seiner Frau. Der Schwager kommt und begibt sich gleich an die Arbeit. Herr Cozzolino muss allerdings weg. Und so schraubt der Schwager munter weiter, sie tragen die Sachen auf die Strasse, laden das, was geht in den kleinen Transporter und als dieser voll ist, müssen sie auf Herrn Cozzolino warten, der von der Handyreparatur noch immer nicht zurück ist. Es dürfte bereits gegen 1230 sein, als er dann endlich auftaucht. Zu zweit fahren sie los, um den ersten Teil der Küchenmöbel auszuladen, da nicht alles in Kleinwagen passt. Fast eine Stunde später tauchen die beiden wieder auf. Mit einer Seelenruhe wird weiter eingeladen und als Entschuldigung bringt er nur hervor, dass sie die Gelegenheit genutzt haben, um noch schnell zum Wertstoffhof zu fahren … Na super, und das, obwohl ich sagte, dass ich spätestens um 1400 h wieder weg muss. Insgesamt müssen die Cozzolino’s 6 mal fahren, bis die Küche komplett abtransportiert ist. Ich habe damit allerdings nichts mehr zu tun, da ich mir den Teil bezahlen lasse und somit bin ich entlassen und sie sollen zusehen, wie sie damit fertig werden.

Ich hingegen bin froh, da ich weiss, dass ich mich nur noch einmal mit den Cozzolino’s verabreden muss. Die Waschmaschine steht noch aus. Aber die kann erst dann geholt werden, wenn ich meine Klamotten in die neue Wohnung geschafft habe. Doch dazu muss der Prinz erst mal in seinem Schrank Platz geschaffen haben. Was er dann auch tut. Irgendwann. Und der mir zur Verfügung stehende Platz schrumpft von insgesamt 3 m Geschamtschranklänge auf sage und schreibe 1,5 m. Die neuen Möbel sind zwar bestellt, dauern aber noch ca. 6 Wochen. Und ein neuer Schrank ist erst mal nur für das Teilzeitkind und den Zwockel vorgesehen. Mehr nicht. Mutti bekommt zusätzliche 50 cm mit Regalböden … Aber Not macht ja bekanntlich erfinderisch.
So hielten am vergangenen Wochenende endlich die Klamotten Einzug in die neue Wohnung. Ich habe zwar über- und untereinander stapeln müssen, doch ich habe fast alles verstaut … Es geht … Es muss gehen … Ausserdem bedeutet es, dass ich nicht mehr so viel kaufen darf / kann / soll … Und wenn, dann muss etwas anderes dafür gehen … Aber mit dem Kaufen bin ja – zumindest was mich angeht – durch.

Und wieder rufe ich die Cozzolino’s an. Die Waschmaschine könne geholt werden. Vorgestern abend. 1830 der ursprüngliche Termin. Ein geschäftlicher Termin zwingt mich allerdings auf 1930 zu verschieben. Allerdings mit der Bitte von Frau Cozzolino, doch bitte bescheid zu geben, falls es doch früher klappt.
1855 mein Anruf: Es klappt auch früher. Herr Cozzolino raunt mir ins Ohr, sie seien gerade in der Stadt, wären jedoch spätestens um 1930 da. Um 1940 ruf ich nochmals bei Herr Cozzolino an und erfahre, dass sie demnächst kommen würden. Ich möchte wissen, wass „demnächst“ in seiner Sprache denn heisst und ob ich mich ggf. darauf einstellen müsse, dass u.U. 2100 werden würde.
Aber nicht doch. Was soll er tun? Die Italiener wären ja nicht da und er könne die Waschmaschine schliesslich nicht selbst abholen. Ich korrigiere sanft, indem ich darauf hinweise, dass „die Italiener“ ja ursprünglich um 1830 kommen wollten und eigens darum baten, eine Mitteilung zu erhalten, falls es früher klappen würde.
Lange Rede, wenig Sinn: Um 2000 ist die Waschmaschine über die Treppe, ich sacke die restliche Kohle ein und freu mich, das Kapitel Cozzolino schliessen zu können.

Leider währt die Freude nicht lange.
Es folgt ein Anruf von Herrn Cozzolino: Der Italiener wollte noch wissen, ob ich den Trockner denn auch noch abzugeben hätte …

So langsam kehrt etwas Ruhe ein. Die Wohnungseinrichtung ist grösstenteils aufgelöst, die Teile, die wir mitnehmen, werden am 26.10. in die neue Wohnung transportiert und bis dahin ist noch Zeit, die restlichen Kisten zu packen, wobei es auch nicht mehr wirklich viel ist.
Ich gewöhne mich allmählich daran, dass der Weg in mein neues Zuhause nun ein anderer ist und ganz ganz langsam stelle ich fest, dass es in der neuen Wohnung auch nach mir riecht. Der Prinz ist ein ganz feiner. Immer wieder stellt er einige meiner Dinge sichtbar hin, damit ich mich noch schneller heimisch fühle. Er hat mir sogar eine Kommode gekauft und diese aufgebaut, damit ich meinen Schmuck und andere Kleinteile unterbringen kann. Es wird so langsam … Es braucht halt alles seine Zeit …  Und da es in der Casa sowieso schon so ungemütlich ist, fällt es mir fast schon leicht, mich an das Neue zu gewöhnen.

Doch die Veränderung ist mit dem Umzug noch nicht beendet. Ich wage es zu behaupten, dass dies erst der Anfang ist. Alles was war, war nur Vorgeplänkel. Die richtig grosse Show beginnt erst noch. Und bis es soweit ist, freu ich mich auf die bevorstehende freie Zeit, die ich bald haben werde, um die Entwicklungen der letzten Monate mal sacken zu lassen und mal richtig begreifen zu können, was hier gerade passiert. Ich freue mich darauf, die Veränderungen in mir zu erleben. Zwockelinski wird gross, ich beginne festzustellen, was er heute schon mag und was er gar nicht mag. Auch wenn ich diese ganzen Schwangerschaftsammemärchen nicht mehr hören kann und immer wieder versuche, mich sehr stark zu distanzieren, so kann ich sagen: Schluckauf ist wirklich eine lustige Sache …
Interessant finde ich es auch, mich mit unserem Werkschutz über meine Schwangerschaft zu unterhalten. Die Jungs sind wirklich grossartig. So besorgt und so interessiert … Es ist fantastisch, mit welchen Tipps sie so um die Ecke kommen.
Und wenn man danach geht, dass es ein Junge wird, wenn der Bauch spitz nach vorne wächst, dass wenn der Hintern grösser wird, es ein Mädchen wird, dass es auch ein Mädchen wird, wenn es sich auf dem Ultraschall versteckt und wenn einem morgens nicht schlecht wird, es ein Junge sein soll, dann müsste ich insgesamt min. 4 Kinder zur Welt bringen …

In diesem Sinne … Gehabt euch wohl,

Eure Jana