Freitag, 20. Juni 2014

Up in the Air.



Des Prinzen Lieblingsfilm, des Miniprinzen erstes grosses Reiseerlebnis. Doch bevor wir wirklich so weit waren, dass wir verreisen konnten, mussten wir etliche Vorbereitungen treffen. Ich überlege, mir für die Zukunft eine Checkliste anzufertigen, damit ich auch wirklich nichts vergesse, denn es ist schon enorm, was man so alles einpacken muss, wenn man mit einem Kleinkind reist … Inzwischen glaube ich, ich hätte es mit einem Stillkind wesentlich einfacher gehabt, denn das ganze Flaschen-Milchpulver-Flaschenwärmer-Johannisbrotkernmehl-Gedöns hätte ich schon mal getrost bei Seite lassen können … Nun denn, es ist aber, wie es ist … Jopi ist kein Stillkind und ich musste den ganzen Kram mitschleppen. Aber eben nicht nur das. 14 Tage können unheimlich lang sein und der Jopmann will entertained werden. Und so fanden dann auch noch das in Einzelteile zerlegte Holztrapez, die Hängematte und die Wippe ihren Platz im Koffer.
Apropos Koffer. Bereits am Montagabend wollte ich schon mal „Probepacken“. Ich wollte wissen, passt auch wirklich alles rein oder muss ich doch reduzieren und nochmals genau prüfen, was mitgeht und was nicht.
Der Prinz stapft in den Keller und ruft: „Soll ich den grossen Koffer mitbringen?“
Ich: „Ja klar, den ganz grossen, grauen, bitte!“
Er: „Welcher grosse graue? Da ist keiner!“
Ich: „Doch, der grosse graue, den ich ….“

Ja, grossen, grauen, den ich letztes Jahr bei meinem Auszug aus der Casa an den Strassenrand stellte, da der Koffer durch die unzähligen Heimreisen aus Brasilenien stark in Mitleidenschaft gezogen war und der drohte bei der nächsten Reise in alle Einzelteile zu zerfallen. Ja, diesen Koffer hätte ich haben wollen, doch leider war das nicht mehr möglich.
Und es war schon Montag abend, 2000 h. Am Mittwoch morgen um 0700 sollte die grosse Reise starten.

Zum Glück wohnt da die Lieblingsfreundin um die Ecke. Ein Anruf und schon habe ich eine Zusage für einen grossen Koffer. Ich fahre los, hole den Koffer und fange an zu packen.
Um die Geschichte abzukürzen: Es passt alles hinein – also Jopi’s Sachen. Bei meinem muss ich etwas kürzen und streichen und dem Prinzen einen Stapel übrig lassen, welchen er dann mitbringen soll, wenn er eine Woche später nachkommt. Der Jopmann bekommt von alledem selbstverständlich nichts mit. Er schläft nämlich.
Als ich fertig bin, möchte ich es dem Sohnemann gleichtun und überlege noch, ob denn das Stellen des Weckers wirklich von Nöten ist. Der Prinz sagt, ich solle es machen – einfach zur Sicherheit. Und ich sage, ich bräuchte das nicht, denn wir hätten ja schliesslich einen Wecker, der jeden Morgen um kurz vor 0500 schon losgeht.
Wir legen uns schlafen. Der Prinz übernimmt die Nacht und füttert Jopi und ich kann schlafen. Wie ein Stein. Bis zu dem Zeitpunkt, als mich der Prinz weckt, indem er mir ins Ohr flüstert, es sei schon kurz nach 0600 und ich solle doch aufstehen.
Und warum bitte hat Jopi uns nicht geweckt? Weil Murphy ein Arsch ist. Immer dann, wenn man so nicht gebrauchen kann. Schlussendlich war es dann so, dass wir den Jopmann auch noch wecken mussten, da einfach nicht wach werden wollte …
Wie schön, dass Josef wieder der Alte war, als wir in Urlaub waren. Pünktlich um 0500 ging unsere kleine Singmaschine an.

Es ist Mittwoch morgen. Der Koffer ist gepackt, der Kinderwagen steht bereit und der Jopmann liegt im MaxiCosi. Es geht los. Ein wenig Bammel habe ich schon … Der erste Flug für Josef, bislang gibt es noch keine Beständigkeit und man kann eben nie wissen, wie er sich verhalten wird und wie es ihm gehen wird. Ich lasse mich überraschen. Der Prinz begleitet uns noch bis zum Check-In, wir geben den Koffer auf und dann sind der Jopmann und ich auf uns alleine gestellt. Vom Prinzen verabschieden wir uns und begeben uns direkt zum Security Check.
Dort angekommen, werden wir zum „Seiteneingang“ gelotst, denn dort werden die Spezialreisenden kontrolliert. Wickeltasche auf das Band, Kinderwagen auseinandernehmen, zusammenklappen und auch auf’s Band, Jopi aus dem Tragetuch nehmen, auch auf’s Band … :-) Nein, natürlich nicht. Den Jopmann habe ich gehalten, während er mit dem Dingens geprüft wurde. Dann hat die Security Beamtin den Jopinger auf den Arm genommen und so lange gehalten, bis ich mein 1000 Sachen wieder vom Band und soweit wieder zusammen hatte, dass wir weiter konnte.
Sensationell … Bis dahin hat sich der Jopi nicht gerührt oder gar irgendwie bemerkbar gemacht.

In der Lounge konnte ich erste mal runterfahren und mich auf den Flug vorbereiten. Jopi spielte munter auf dem Boden und spielte auch noch den Alleinunterhalter, indem er sich in einer recht lauten Lautstärke mit sich selbst unterhielt und sich immer wieder selbst zum Lachen brachte. Kurz vor dem Boarding setzte ich ihn wieder ins Tragetuch und auf dem Weg zur Maschine ist er dann auch eingeschlafen. Den Start hat der Gute verpennt. Die Landung allerdings auch. Ich war erstaunt. Verwundert. Überrascht. Hatte ich doch schlimmste Befürchtungen … Doch nichts von alledem ist eingetreten.

Der richtige Stress sollte für Jopi allerdings erst beginnen. Haben wir bislang für Jopi weitestgehend einen festen Tagesablauf einhalten können, zeichnete es sich bereits am Nachmittag ab, dass wir diesen in Kroatien nicht werden einhalten können. Andere Länder – andere Sitten. Sobald wir bei meinen Eltern ankamen, nahmen zunächst die Grosseltern den Jopi in Beschlag. Dann kamen die Nachbarn. Am Abend wollte der Kleine gar nicht erst zur Ruhe kommen. In der Nacht wurde er immer mal wieder weinend wach. Die nächsten Tage gestalteten sich ähnlich. Tanten, Onkels und andere Familienangehörige kamen vorbei und wollten Jopi kennenlernen. Soweit spricht ja da nichts dagegen. In Kroatien ist es allerdings so, dass man nicht fragt, sondern das Kind wird sofort auf den Arm genommen. Es wird einem regelrecht aus dem Arm gerissen. Immer wieder war da ein für Josef fremdes Gesicht über seinem kleinen Gesichtchen, so dass der Kleine doch einiges zu verarbeiten hatte. Doch da musste der Kleine nun durch und ich auch. Irgendwann muss auch der Jopinger lernen, dass es noch was anderes gibt, als das, was er bislang kannte. Und wann immer es mir und uns möglich war, haben wir uns zurückgezogen und so dem Jopi eine kleine Auszeit gegönnt. Nach ein paar Tagen hatte er sich wohl daran gewöhnt, das nächtliche Weinen hörte auf und auch der Josef wirkte in Summe sehr viel entspannter.

Nach der ersten Woche änderten sich unsere Urlaubspläne allerdings. Der Prinz kam mit einem früheren Flieger und direkt im Anschluss fuhren wir mit dem Auto nach Sibenik zu meiner Freundin Renata, zu deren Hochzeit wir eingeladen waren. Bei ihr konnten wir wohnen und uns heimisch fühlen. Durch den verlängerten Aufenthalt in Dalmatien hatten wir unerwarteter Weise dann doch noch die Gelegenheit, unsere Astralkörper in die kalten Fluten der Adria zu werfen. Selbst der Jopmann konnte seine kleinen Stinkefüsse im Salzwasser zu baden. Und er mochte es gut leiden. Leider war das Wasser für ein Ganzkörperbad zuuuu kalt, so dass wir das Josef dann nicht zumuten wollten. Doch ich muss auch erwähnen, dass er die Hitze (und wir hatten tagsüber schon gut und gerne 34 Grad) sehr gut vertragen und wegsteckt hat.

Und dann war da der Tag der Hochzeit. Der Prinz und ich hatten schon „schlimmste Befürchtungen“, wie es mit dem Jopmann wohl werden wird. Wir wussten, dass es laut werden wird, viele Leute sollte da sein, die Feier würde lange gehen. Und wir haben keinen Babysitter. Wir sind mittendrin und nicht nur dabei. Schliesslich war ich die Trauzeugin. Doch der Prinz war vorbereitet und hätte mir in jedem Fall „den Rücken frei gehalten“. Die Hochzeitsfeierlichkeiten begannen bereits um 1500 am Samstag. Haus und Hof der Braut waren voll von Brautgästen, Familienmitgliedern und Catering-Mitarbeitern. Der Jopi verschlief den Auftakt feierlich. Einige Zeit später kam der Bräutigam mit all seinen Freunden (die haben ebenfalls beim Bräutigam schon ordentlich vorgeglüht) und einer eigenen Musikergruppe, die laut auf ihren Instrumenten kroatische Volkslieder spielten und dazu lautstark sagen. Für den Prinzen eine neue Erfahrung, unterscheiden sich kroatische Hochzeiten doch sehr von deutschen. Der Jopmann war völlig unbeeindruckt. Mitten in der Hochzeitsgesellschaft lag er in seiner Wippe (BabyBjörn) und liess sich von den Hochzeitsgästen bestaunen. Wann immer sich ein Gast dem Jopmann näherte und oftmals eher die Wippe, als das Kind bestaunen wollte, freute sich der Stöpsel wie ein Schnitzel und brachte seine Wippe zum Beben … Und dabei lachte er laut und war einfach nur guter Laune. Bis heute wissen wir nicht, ob nun Josef die „grosse Attaktion“ war, oder eher die Wippe, die man in dieser Form in Kroatien noch nicht kannte.

Um 1800 war dann die Trauung in der Kirche. Direkt nach dem Jawort wurde es dem Kleinen dann doch zuviel und so spazierte der Prinz ein wenig mit ihm an der Adria entlang. Bis wir um 2000 bei der finalen Hochzeitslocation ankamen, schlief der Jopmann bereits wieder und wir konnten ihn dort einfach nur in unserem Hotelzimmer in sein Bettchen legen, das Babyfon anschalten und uns der Feier widmen.
Der Prinz und ich konnten die Feier in vollen Zügen geniessen. Immer wieder mal schaute einer von uns beiden nach (obwohl das Babyfon still war) … Um 0200 war bei uns allerdings die Luft raus … Um 0500 war allerdings die Nacht auch zu Ende :-)

Kurzum: Mein Kind hat mich in diesem Urlaub total überrascht. Noch immer kann ich es nicht glauben, welche unglaublichen Veränderungen und Weiterentwicklungen der Jopi in den vergangenen 5 Monaten durchgemacht hat. Noch immer sind mir die ersten drei Monate im Gedächtnis, die für mich – für uns – sehr schwer waren. Die fehlende Akzeptanz, die mangelnde Gelassenheit haben uns das Leben damals schwer gemacht. Inzwischen haben wir die Gelassenheit erreicht, die wir dringend benötigten. Vieles, wenn nicht sogar alles, ist soviel einfacher geworden. In diesem Urlaub sind wir zum ersten mal mit unserem Kind zum Abendessen aus gewesen. Zu Hause haben wir uns das noch nicht „getraut“. Angst davor, er könnte nicht ruhig sein, nicht schlafen wollen und und und … Im Urlaub haben wir erst gar nicht darüber nachgedacht. Wir hatten hunger, wir wollten nicht kochen, also gingen wir essen. Und Josef war dabei. Auch er hat gegessen. Und dann ist er im Kinderwagen eingeschlafen. Er hat sich nicht beirren lassen. Zu Hause konnten wir ihn wieder umbetten und er hat einfach weiter geschlafen … Zu Hause hatten wir ihm das noch nicht zugetraut. Die Routine sollte nicht durch- und unterbrochen werden. Jetzt ging es nicht anders. Und siehe da … Er hat’s überlebt. Er hat es sogar mitgemacht. Und es hat ihm – oh Wunder – nichts ausgemacht.
Ich habe gelernt, ich darf meinem Kind ruhig mehr zutrauen. Er kann mehr, als ich denke.

Ein grosser Junge ist er geworden, der im Urlaub liebend gerne am dalmatinischen Rohschinken (Prsut) rumgeschlotzt hat und dem der Geschmack der Oliven gar nicht suspekt war. Sehr aufmerksam hat er alles mitverfolgt und war immer und überall mit dabei. Das war soooo schön mit anzusehen.

Seit Mittwoch sind wir wieder zurück. Klar, jetzt muss er sich erst mal wieder an die neue alte Umgebung gewöhnen. Das dauert. Dann war heute gleich die zweite Impfung … Der Prinz wusste zu berichten, dass er nur kurz weinte und dann war wieder alles gut.
Ausserdem hat der Jopmann seit heute seinen Platz am Tisch. Den TrippTrapp haben wir heute aufgebaut.

Und das allerbeste war: Heute hat er auch zum ersten mal Brei gegessen. Pastinake. Mit einer Prise Salz und ein klein wenig Olivenöl. So hat es der Kinderarzt angeraten. Gute 6 Löffelchen sind ins Josef’s Magen gelandet. Sehr, sehr schön …
Ach, und ich freu mich schon auf morgen, wenn ich ihm wieder die kleine Schnute vom Brei sauberwischen darf … ;-)

In diesem Sinne.
Gehabt euch wohl.
Eure Jana.

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