Des
Prinzen Lieblingsfilm, des Miniprinzen erstes grosses Reiseerlebnis. Doch bevor
wir wirklich so weit waren, dass wir verreisen konnten, mussten wir etliche
Vorbereitungen treffen. Ich überlege, mir für die Zukunft eine Checkliste
anzufertigen, damit ich auch wirklich nichts vergesse, denn es ist schon enorm,
was man so alles einpacken muss, wenn man mit einem Kleinkind reist …
Inzwischen glaube ich, ich hätte es mit einem Stillkind wesentlich einfacher
gehabt, denn das ganze Flaschen-Milchpulver-Flaschenwärmer-Johannisbrotkernmehl-Gedöns
hätte ich schon mal getrost bei Seite lassen können … Nun denn, es ist aber,
wie es ist … Jopi ist kein Stillkind und ich musste den ganzen Kram
mitschleppen. Aber eben nicht nur das. 14 Tage können unheimlich lang sein und
der Jopmann will entertained werden. Und so fanden dann auch noch das in
Einzelteile zerlegte Holztrapez, die Hängematte und die Wippe ihren Platz im
Koffer.
Apropos
Koffer. Bereits am Montagabend wollte ich schon mal „Probepacken“. Ich wollte
wissen, passt auch wirklich alles rein oder muss ich doch reduzieren und
nochmals genau prüfen, was mitgeht und was nicht.
Der
Prinz stapft in den Keller und ruft: „Soll ich den grossen Koffer mitbringen?“
Ich:
„Ja klar, den ganz grossen, grauen, bitte!“
Er:
„Welcher grosse graue? Da ist keiner!“
Ich:
„Doch, der grosse graue, den ich ….“
Ja,
grossen, grauen, den ich letztes Jahr bei meinem Auszug aus der Casa an den
Strassenrand stellte, da der Koffer durch die unzähligen Heimreisen aus
Brasilenien stark in Mitleidenschaft gezogen war und der drohte bei der
nächsten Reise in alle Einzelteile zu zerfallen. Ja, diesen Koffer hätte ich
haben wollen, doch leider war das nicht mehr möglich.
Und
es war schon Montag abend, 2000 h. Am Mittwoch morgen um 0700 sollte die grosse
Reise starten.
Zum
Glück wohnt da die Lieblingsfreundin um die Ecke. Ein Anruf und schon habe ich
eine Zusage für einen grossen Koffer. Ich fahre los, hole den Koffer und fange
an zu packen.
Um
die Geschichte abzukürzen: Es passt alles hinein – also Jopi’s Sachen. Bei
meinem muss ich etwas kürzen und streichen und dem Prinzen einen Stapel übrig
lassen, welchen er dann mitbringen soll, wenn er eine Woche später nachkommt.
Der Jopmann bekommt von alledem selbstverständlich nichts mit. Er schläft
nämlich.
Als
ich fertig bin, möchte ich es dem Sohnemann gleichtun und überlege noch, ob
denn das Stellen des Weckers wirklich von Nöten ist. Der Prinz sagt, ich solle
es machen – einfach zur Sicherheit. Und ich sage, ich bräuchte das nicht, denn
wir hätten ja schliesslich einen Wecker, der jeden Morgen um kurz vor 0500
schon losgeht.
Wir
legen uns schlafen. Der Prinz übernimmt die Nacht und füttert Jopi und ich kann
schlafen. Wie ein Stein. Bis zu dem Zeitpunkt, als mich der Prinz weckt, indem
er mir ins Ohr flüstert, es sei schon kurz nach 0600 und ich solle doch
aufstehen.
Und
warum bitte hat Jopi uns nicht geweckt? Weil Murphy ein Arsch ist. Immer dann,
wenn man so nicht gebrauchen kann. Schlussendlich war es dann so, dass wir den
Jopmann auch noch wecken mussten, da einfach nicht wach werden wollte …
Wie
schön, dass Josef wieder der Alte war, als wir in Urlaub waren. Pünktlich um
0500 ging unsere kleine Singmaschine an.
Es
ist Mittwoch morgen. Der Koffer ist gepackt, der Kinderwagen steht bereit und
der Jopmann liegt im MaxiCosi. Es geht los. Ein wenig Bammel habe ich schon …
Der erste Flug für Josef, bislang gibt es noch keine Beständigkeit und man kann
eben nie wissen, wie er sich verhalten wird und wie es ihm gehen wird. Ich
lasse mich überraschen. Der Prinz begleitet uns noch bis zum Check-In, wir
geben den Koffer auf und dann sind der Jopmann und ich auf uns alleine gestellt.
Vom Prinzen verabschieden wir uns und begeben uns direkt zum Security Check.
Dort
angekommen, werden wir zum „Seiteneingang“ gelotst, denn dort werden die
Spezialreisenden kontrolliert. Wickeltasche auf das Band, Kinderwagen
auseinandernehmen, zusammenklappen und auch auf’s Band, Jopi aus dem Tragetuch
nehmen, auch auf’s Band … :-) Nein, natürlich nicht. Den Jopmann habe ich
gehalten, während er mit dem Dingens geprüft wurde. Dann hat die Security
Beamtin den Jopinger auf den Arm genommen und so lange gehalten, bis ich mein
1000 Sachen wieder vom Band und soweit wieder zusammen hatte, dass wir weiter
konnte.
Sensationell
… Bis dahin hat sich der Jopi nicht gerührt oder gar irgendwie bemerkbar
gemacht.
In
der Lounge konnte ich erste mal runterfahren und mich auf den Flug vorbereiten.
Jopi spielte munter auf dem Boden und spielte auch noch den Alleinunterhalter,
indem er sich in einer recht lauten Lautstärke mit sich selbst unterhielt und
sich immer wieder selbst zum Lachen brachte. Kurz vor dem Boarding setzte ich
ihn wieder ins Tragetuch und auf dem Weg zur Maschine ist er dann auch
eingeschlafen. Den Start hat der Gute verpennt. Die Landung allerdings auch.
Ich war erstaunt. Verwundert. Überrascht. Hatte ich doch schlimmste
Befürchtungen … Doch nichts von alledem ist eingetreten.
Der
richtige Stress sollte für Jopi allerdings erst beginnen. Haben wir bislang für
Jopi weitestgehend einen festen Tagesablauf einhalten können, zeichnete es sich
bereits am Nachmittag ab, dass wir diesen in Kroatien nicht werden einhalten
können. Andere Länder – andere Sitten. Sobald wir bei meinen Eltern ankamen,
nahmen zunächst die Grosseltern den Jopi in Beschlag. Dann kamen die Nachbarn.
Am Abend wollte der Kleine gar nicht erst zur Ruhe kommen. In der Nacht wurde
er immer mal wieder weinend wach. Die nächsten Tage gestalteten sich ähnlich.
Tanten, Onkels und andere Familienangehörige kamen vorbei und wollten Jopi
kennenlernen. Soweit spricht ja da nichts dagegen. In Kroatien ist es
allerdings so, dass man nicht fragt, sondern das Kind wird sofort auf den Arm
genommen. Es wird einem regelrecht aus dem Arm gerissen. Immer wieder war da
ein für Josef fremdes Gesicht über seinem kleinen Gesichtchen, so dass der
Kleine doch einiges zu verarbeiten hatte. Doch da musste der Kleine nun durch
und ich auch. Irgendwann muss auch der Jopinger lernen, dass es noch was anderes
gibt, als das, was er bislang kannte. Und wann immer es mir und uns möglich
war, haben wir uns zurückgezogen und so dem Jopi eine kleine Auszeit gegönnt.
Nach ein paar Tagen hatte er sich wohl daran gewöhnt, das nächtliche Weinen
hörte auf und auch der Josef wirkte in Summe sehr viel entspannter.
Nach
der ersten Woche änderten sich unsere Urlaubspläne allerdings. Der Prinz kam
mit einem früheren Flieger und direkt im Anschluss fuhren wir mit dem Auto nach
Sibenik zu meiner Freundin Renata, zu deren Hochzeit wir eingeladen waren. Bei
ihr konnten wir wohnen und uns heimisch fühlen. Durch den verlängerten
Aufenthalt in Dalmatien hatten wir unerwarteter Weise dann doch noch die
Gelegenheit, unsere Astralkörper in die kalten Fluten der Adria zu werfen.
Selbst der Jopmann konnte seine kleinen Stinkefüsse im Salzwasser zu baden. Und
er mochte es gut leiden. Leider war das Wasser für ein Ganzkörperbad zuuuu
kalt, so dass wir das Josef dann nicht zumuten wollten. Doch ich muss auch
erwähnen, dass er die Hitze (und wir hatten tagsüber schon gut und gerne 34
Grad) sehr gut vertragen und wegsteckt hat.
Und
dann war da der Tag der Hochzeit. Der Prinz und ich hatten schon „schlimmste
Befürchtungen“, wie es mit dem Jopmann wohl werden wird. Wir wussten, dass es
laut werden wird, viele Leute sollte da sein, die Feier würde lange gehen. Und
wir haben keinen Babysitter. Wir sind mittendrin und nicht nur dabei.
Schliesslich war ich die Trauzeugin. Doch der Prinz war vorbereitet und hätte
mir in jedem Fall „den Rücken frei gehalten“. Die Hochzeitsfeierlichkeiten
begannen bereits um 1500 am Samstag. Haus und Hof der Braut waren voll von Brautgästen,
Familienmitgliedern und Catering-Mitarbeitern. Der Jopi verschlief den Auftakt
feierlich. Einige Zeit später kam der Bräutigam mit all seinen Freunden (die
haben ebenfalls beim Bräutigam schon ordentlich vorgeglüht) und einer eigenen
Musikergruppe, die laut auf ihren Instrumenten kroatische Volkslieder spielten
und dazu lautstark sagen. Für den Prinzen eine neue Erfahrung, unterscheiden sich
kroatische Hochzeiten doch sehr von deutschen. Der Jopmann war völlig
unbeeindruckt. Mitten in der Hochzeitsgesellschaft lag er in seiner Wippe
(BabyBjörn) und liess sich von den Hochzeitsgästen bestaunen. Wann immer sich
ein Gast dem Jopmann näherte und oftmals eher die Wippe, als das Kind bestaunen
wollte, freute sich der Stöpsel wie ein Schnitzel und brachte seine Wippe zum
Beben … Und dabei lachte er laut und war einfach nur guter Laune. Bis heute wissen
wir nicht, ob nun Josef die „grosse Attaktion“ war, oder eher die Wippe, die
man in dieser Form in Kroatien noch nicht kannte.
Um
1800 war dann die Trauung in der Kirche. Direkt nach dem Jawort wurde es dem
Kleinen dann doch zuviel und so spazierte der Prinz ein wenig mit ihm an der
Adria entlang. Bis wir um 2000 bei der finalen Hochzeitslocation ankamen,
schlief der Jopmann bereits wieder und wir konnten ihn dort einfach nur in
unserem Hotelzimmer in sein Bettchen legen, das Babyfon anschalten und uns der
Feier widmen.
Der
Prinz und ich konnten die Feier in vollen Zügen geniessen. Immer wieder mal
schaute einer von uns beiden nach (obwohl das Babyfon still war) … Um 0200 war
bei uns allerdings die Luft raus … Um 0500 war allerdings die Nacht auch zu
Ende :-)
Kurzum:
Mein Kind hat mich in diesem Urlaub total überrascht. Noch immer kann ich es
nicht glauben, welche unglaublichen Veränderungen und Weiterentwicklungen der
Jopi in den vergangenen 5 Monaten durchgemacht hat. Noch immer sind mir die
ersten drei Monate im Gedächtnis, die für mich – für uns – sehr schwer waren.
Die fehlende Akzeptanz, die mangelnde Gelassenheit haben uns das Leben damals
schwer gemacht. Inzwischen haben wir die Gelassenheit erreicht, die wir
dringend benötigten. Vieles, wenn nicht sogar alles, ist soviel einfacher
geworden. In diesem Urlaub sind wir zum ersten mal mit unserem Kind zum
Abendessen aus gewesen. Zu Hause haben wir uns das noch nicht „getraut“. Angst
davor, er könnte nicht ruhig sein, nicht schlafen wollen und und und … Im
Urlaub haben wir erst gar nicht darüber nachgedacht. Wir hatten hunger, wir
wollten nicht kochen, also gingen wir essen. Und Josef war dabei. Auch er hat
gegessen. Und dann ist er im Kinderwagen eingeschlafen. Er hat sich nicht
beirren lassen. Zu Hause konnten wir ihn wieder umbetten und er hat einfach
weiter geschlafen … Zu Hause hatten wir ihm das noch nicht zugetraut. Die
Routine sollte nicht durch- und unterbrochen werden. Jetzt ging es nicht
anders. Und siehe da … Er hat’s überlebt. Er hat es sogar mitgemacht. Und es
hat ihm – oh Wunder – nichts ausgemacht.
Ich
habe gelernt, ich darf meinem Kind ruhig mehr zutrauen. Er kann mehr, als ich
denke.
Ein
grosser Junge ist er geworden, der im Urlaub liebend gerne am dalmatinischen
Rohschinken (Prsut) rumgeschlotzt hat und dem der Geschmack der Oliven gar
nicht suspekt war. Sehr aufmerksam hat er alles mitverfolgt und war immer und
überall mit dabei. Das war soooo schön mit anzusehen.
Seit
Mittwoch sind wir wieder zurück. Klar, jetzt muss er sich erst mal wieder an
die neue alte Umgebung gewöhnen. Das dauert. Dann war heute gleich die zweite
Impfung … Der Prinz wusste zu berichten, dass er nur kurz weinte und dann war
wieder alles gut.
Ausserdem
hat der Jopmann seit heute seinen Platz am Tisch. Den TrippTrapp haben wir
heute aufgebaut.
Und
das allerbeste war: Heute hat er auch zum ersten mal Brei gegessen. Pastinake.
Mit einer Prise Salz und ein klein wenig Olivenöl. So hat es der Kinderarzt angeraten.
Gute 6 Löffelchen sind ins Josef’s Magen gelandet. Sehr, sehr schön …
Ach,
und ich freu mich schon auf morgen, wenn ich ihm wieder die kleine Schnute vom
Brei sauberwischen darf … ;-)
In
diesem Sinne.
Gehabt
euch wohl.
Eure
Jana.
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