Montag, 17. August 2015

Think Pink!

Puh.
So.
Wo fang ich an?
 
Drei Wochen Urlaub vergingen wie im Flug … Wo ist nur die Zeit geblieben? Mein Outlook zeigt mir heute früh an, dass meine Mails am 24.07. zum letzten mal aktualisiert wurden …
Und jetzt isses schon fast ein Monat später …
 
Zumindest ist es soviel später, dass Jopi inzwischen fast schon ganze Sätze formulieren kann. Naja, ganz so weit sind wir noch nicht, doch er weiss nur allzu gut, wie der Gorilla macht (dabei trommelt er sich stolz auf die Brust) und wenn wir ihn fragen, wie der Hahn macht, trötet er ein fröhliches, jedoch noch nicht ganz als „kikerikiiiii“ erkennbares, „kike-noch-irgendwas“ raus. Zwei-Wort-Sätze kann er auch inzwischen bilden: „Jojo Nunu“ (Johannes isst Nutella) oder „Nana Popo“ (Jopi hat Popi in der Nase) oder „Ape Ape“ (Essen, aber bitte jetzt gleich und sofort) … Doch da hat der kleine Knirps noch etliches mehr auf Lager. Er brabbelt alles nach, was er so aufschnappt … Am liebsten lässt er in den letzten Tagen ein „cool“ verlauten oder aber er äfft uns nach brüllt ein „Oh Mann, ey“, wenn einem ein Missgeschick passiert …
Schön zu sehen, wie gross die Fortschritte sind, die der kleine Mann macht …
 
Der Urlaub hat uns allen gut getan – und zwar in Punkto: Familienbildung. Es war unser erster Urlaub zu viert. Eine kleine Patchworkfamilie geht auf Reisen. Der grosse Bruder hatte ganz viel Freude mit dem kleinen Bruder. Es war so schön zu sehen, dass die beiden ein Herz und eine Seele geworden sind. Zu schön auch Josef, der morgens nach dem Aufwachen, zu allererst ein lautstarkes: JOJO durch das Womo rief und somit Johannes auf den Bildschirm zauberte, der ihm vom anderen Ende des Womo zuwinkte und Küsschen schickte. Bei Jojo sitzen, mit Jojo tollen, Ball spielen, schwimmen, Rad fahren etc. Alles ging mit Jojo viel besser …
Und dann Jojo, der 11jährige, der eine tolle Zeit mit seinem Vater verbringen konnte, die ebenfalls viel gemeinsam gespielt haben, gemeinsam die Gegend erkundet haben, die einfach die gemeinsame Zeit genossen haben.
Und dann Jojo, der auch zu mir ein tolles Verhältnis aufgebaut hat. Gemeinsam Vokabeln lernen, Tischtennis spielen, Flitschebälle im Pool zuwerfen.
 
Das ist es, was ich für mich aus diesem Urlaub mitnehme. Eine tolle harmonische Zeit, die uns allen noch lange in Erinnerung bleiben wird und über die wir vermutlich auch noch lange reden werden.
 
Leider hat uns der Urlaub aber nicht in allen Punkten gut getan.
Der Auftakt gestaltete sich recht schwierig, da der Jopman direkt an Tag 2 von jetzt auf gleich sehr hohes Fieber bekam. Das Fieber stieg im Laufe der Nacht auf über 40 und somit mussten fiebersenkende Mittelchen angewandt werden, die allerdings keine Linderung brachten. Jopi glühte förmlich, war zwar noch ansprechbar, doch von dem kleinen quirligen Männchen war nichts mehr über. Nur Körperkontakt war erwünscht. Nichts essen. Nichts trinken. Und wir sind auf dem Weg in die Cevennen. Nach Meyrueis – einem kleinen Minidorf, dessen Namen wir nach nunmehr drei Wochen richtig aussprechen können. 50 km vom nächsten Krankenhaus in Millau entfernt. 1,5 h Fahrtzeit – falls nötig. Mit einem 7 m langen Womo, durch’s Gebirge … Bäääh, ich wollte gar nicht daran denken.
So wurden wir zunächst beim Wiesen- und Wald-Doc in Meyrueis vorstellig. Mit Händen und Füssen erklärten wir, was Jopi hat (eigentlich nur Fieber), versuchen die gestellten Fragen zu verstehen und diese zu beantworten und verlassen (nicht schlauer als vorher) die Praxis wieder, jedoch mit einem Rezept für ein Antibiotikum. Sollen wir es verabreichen? Eher nicht, wir wissen doch gar nicht, ob Jopi einen bakteriellen Infekt hat. Wir lassen es bleiben, fiebern eine weitere Nacht durch und rufen am nächsten Tag bei unserem Arzt des Vertrauens in Deutschland an.
Ruhe bewahren. Abwarten. Linderung verschaffen. Erst, wenn sich nach drei Tagen nichts tut, entweder ins Krankenhaus fahren, oder das Antibiotikum geben. Wir holen es in der Apotheke und warten weiter ab. Während ich mit Jopi das Bett hüte oder wahlweise im Stuhl vor dem Womo sitze, erkunden der Prinz und Jojo die Umgebung, bauen Staudämme im nahegelegenen Fluss und kümmern sich um unser leibliches Wohl.
Der dritte Fiebertag bricht an, die Medikamente schlagen noch immer nicht an und Jopi fiebert weiter mit über 40 vor sich hin.
Mit Ende des dritten Fiebertages sinkt das Fieber wieder genauso schnell, wie es zuvor angestiegen ist. So wie das Fieber weg, machten sich rote Prusteln auf Brust und Rücken breit. Zum Glück schmerz- und juckfrei … Nach insgesamt einer Woche war alles überstanden und wir hatten unser kleines gesundes, quirliges Kind zurück.
Darauf erst mal einen Cremant !!!!
Jetzt ist es dann doch mal Zeit für einen ersten Ausflug. Wir besichtigen Millau und die höchste und längste abgespannte Brücke der Welt, besuchen eine Grotte und erklimmen das Felsenmeer von Nimes les vieux.
Dann ist es an der Zeit Abschied von Meyrueis zu nehmen.
 
Wir brechen auf nach Narbonne. Der dortige Campingplatz überzeugt uns nicht (zuviel Schotter, zu wenig Schatten). Am nächsten Tag dann der erste Ausflug zum Strand. Nabronne-Plage so das Ziel.
Wir parken unser Schlachtschiff, packen Sonnenmuschel, Wasserspielzeug etc und machen uns auf zum Mittelmeer. Das Wasser ist herrlich. Der Sand weich, warm und weiss. Grossartiges Klima und wir haben alle Spass.
Dass der Spass jedoch bald ein Ende haben sollte, ahnen wir zu jenem Zeitpunkt noch nicht.
Mit Crepes und Eis und Kaltgetränk machen wir uns wieder auf zum geparkten Womo. Da war sie dann dahin die Freude. Die Tür zum Aufbauwagen aufgebrochen, die Garagentür aufgebrochen. Innen alle Schränke geöffnet und alle Wertsachen weg (bevor mir wieder die Tränen in die Augen steigen, erspare ich mir an dieser Stelle eine nochmalige Auflistung). Doch wenn ich sage alle Wertsachen, dann meine ich alle …
Tja, da standen wir am Mittelmeer und hatten keine Mittel mehr …
 
- Schnitt -
 
Die Polizei nimmt den Schaden auf. Jojo unterstützt mich tatkräftig, dem Polizeibeamten alles zu erzählen, was passierte. Es werden unzählige Fotos vom Womo gemacht, es wird bedauert, dass dies passiert ist und wir trösten uns damit, dass uns zumindest die Barschaften und die Dokumente nicht gestohlen wurden. Aber auch damit, dass nicht einer von uns noch eins übergebraten bekam.
Doch da war sie dann auch schon getrübt unsere Urlaubsstimmung.
Zurück beim Campingplatz können wir zumindest einige Telefonate führen, um Bankkarten sperren zu lassen (vorsorglich), Familie zu informieren und Passwörter diverser Konten zu ändern, bei denen ggf. Kreditkarteninformationen hinterlegt sein könnten.
 
Der nächste Tag. Der Schock sitzt noch immer tief, doch wir machen uns auf, ein neues Telefon zu kaufen. Da ich sowieso ein privates Telefon benötige, entschliesse ich mich, eines zu kaufen. Die Qual der Wahl fällt auf ein Samsung Galaxy A3 … Ein guter Kompromiss für mich, um das nächste Jahr mit diesem Handy zu „überstehen“ … Die Anwendung ist mir ja vom S5 mini noch sehr geläufig … Wir erwerben eine französische Nummer, inkl. 1 GB Datenvolumen und so bin ich wieder Online … Ein kleiner Lichtblick in der heissen und gefährlichen Hölle von Narbonne. Die Gemüter beruhigen sich wieder, wir planen einen Ausflug nach Carcasonne. Dieser verläuft ohne Zwischenfälle, wir geniessen den Tag und freuen uns bereits auf die Abreise aus Narbonne und steuern das neue Ziel in Murol (Puy de Domes) an.
Man soll jedoch den Tag nicht vor dem Abend loben!
Bei der Einfahrt in unsere Campingbucht verschätzt sich der Fahrer des Womo’s mit der Höhe und mit dem Alkoven und rauscht mehr oder minder ungebremst mit der oberen linken Ecke des Alkovens in die hohe Hecke. Es tut einen Schlag und 2 Minuten später wissen wir, was es war: Ein Stück der Zierleiste am Alkoven ist gebrochen und hat ein 5 x 5 cm grosses Loch hinterlassen.
Dem gibt es zunächst nichts hinzuzufügen!
 
In Murol fängt endlich die Erholung an. In Woche 3 von 3 !
Lange währt die Freude jedoch nicht. Der Jopman fiebert wieder auf!!! Schon wieder 40 Fieber !!! OMG! Was soll das?
Murphy ist echt ein Arsch! Was soll denn noch alles passieren???
Diesmal scheine ich jedoch etwas gelassener zu sein. Zwar noch immer sehr in Sorge, doch da der Jopmann einen viel aufgeweckteren Eindruck macht, als zur ersten Fieberwelle, gebe ich mir zunächst Entwarnung. Trotz hoher Temperatur ist er voller Tatendrang, hin und wieder etwas schlapp, aber generell ganz gut drauf.
Nach 2 Tagen war der Spuk vorbei, wir brauchten kaum Medis, da das Fieber immer wieder von allein sank und dann konnten wir endlich zu viert noch den Rest des Urlaubs geniessen.
 
In Murol haben wir uns vom Campingplatz nicht fortbewegt. Wir hatten alles, was wir brauchten in greifbarer Nähe und konnte somit die Tage einfach nur geniessen. Für die Rückfahrt planten wir 2 weitere Übernachtungen ein.
Die letzte Übernachtung dann auf dem gleichen Stellplatz, wie schon auf der Hinfahrt. Nur noch 250 km bis nach Hause. Eine letzte Nacht. Ein letztes Frühstück. Wir haben Wifi und stimmen uns schon mal auf Heimat ein und hören am Freitag morgen SWR3. Über Handy. Über das neues Handy. Und da der Empfang am Fenster am besten war, klemme ich das neue Telefon zwischen Fenster und Dichtung. Wir frühstücken, sind guter Laune. Jopi turnt rum. Klettert von hier nach da. Am Ende liegt er quer über mir und spielt mit seiner kleinen Hand an einem Fensterhebel (und davon gab es 4 an diesem Fenster). Doch das Öffnen dieses einen kleinen Hebels reichte aus, dass das neue kleine, flache Handy zwischen Dichtung und Fenster an der Aussenseite des Womo’s, aus ca. 1,7 m Höhe, mit dem Display nach unten auf den Asphalt rauschte. Wir hören den Schlag – das Radio läuft weiter – die Hoffnung stirbt zuletzt.
Ich halte mein neues Telefon in Händen. Aus dem Radio tröte mir Omi’s Cheerleader entgegen und das Display trägt Trauer.
Es ist nichts zu machen. Das Display bleibt schwarz. Wir können noch nicht mal das Radio ausschalten.
Früher hätte ich den Akku entfernt. Das ging nur nicht mehr …
Ich kann nicht anders. Ich muss einfach nur lachen … Laut und herzlich lachen … Und alle anderen lachen mit …
 
Murphy ist und bleibt ein Depp !!!
 
„Always look on the bright side of life …”
 
In diesem Sinne – gehabt euch wohl! :-)

2 Kommentare:

  1. Wenn die Familie beisammen ist, ist die Seele auf ihrem Platz. - Russisches Sprichwort :-) :-)

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  2. Mit dem Handy Leasing kann man eigentlich nichts falsch machen. Bis heute habe ich ein stabiles Smartphone.

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