Freitag, 28. März 2014

Zu viele Eisen im Feuer.



Der Jopmann und ich waren mal wieder beim Kinderarzt unseres Vertrauens vorstellig.
Warum? Ganz einfach darum, da das Medikament in seiner Wirkung nachgelassen hat und nun offensichtlich nicht mehr seinen Zweck erfüllt, der Jopmann wieder aufgrund von quälendem Sodbrennen herzerweichende Schreiattacken bekommt und er seit geraumer Zeit nur noch im Stundenrhythmus schläft und den Rest der Zeit rumquengelt.

Als besorgte Mutter frage ich mich natürlich, ob da nicht noch mehr dahinter steckt. Vielleicht wurde bei all den Untersuchungen etwas übersehen oder es wurde an etwas nicht gedacht.
Und wie ich dem Kinderarzt so unsere Situation schildere und er sich den Josef so betrachtet, lässt er mich wissen, dass ich die Nöltöle auch mal auszuhalten habe. Josef solle ruhig mal lernen, dass ein quersitzender Pups nicht gleich ein Grund sei zu brüllen. Da der Knabe auch schon schön Gegenstände fixieren kann, sollte er doch auch in der Lage sein, stundenlang an sein Mobile zu schauen und sich damit vergnügen. Nicht so mein Josef. Mein Josef heult sein Mobile gerne mal an, lacht es an und schreit es auch mit lustigen Lauten an, doch nach 10-20 Minuten ist für ihn wieder die Zeit angekommen, ein wenig zu quengeln. Das steigert sich dann über unleidiges Weinen bis hin zu diesem Gebrüll, bei dem es um sein kleines Leben geht.
Und genau dieses Szenario spielte sich dann auch in der Arztpraxis ab, was uns nun noch eine Blutuntersuchung, einen Ultraschall vom Kopf sowie ein EEG einbrachte.
Nächste Woche geht es mit den Untersuchungen los und dann sehen wir weiter.

Meiner Hebamme berichtete ich auch von den Ereignissen und sie meinte, es sei gut, alles auszuschliessen, denn schliesslich kann es für das Schreien eben auch noch andere Ursachen geben, doch vermutlich wird es so kommen, dass man bei all den Untersuchungen nichts finden wird und sich von heute auf morgen alles von allein regelt und kein Mensch wird je wissen, warum es so war, wie es war.
Im übrigen sehe ich das genauso …

Dennoch, Josef’s stark ausgeprägte Unruhe lässt und liess mir keine Ruhe. Viele Gespräche mit Freundinnen habe ich geführt und jede einzelne hat ihren eigenen Blick auf die Dinge. Für mich ist es hilfreich, kann ich so meine eigene Situation auch immer mal wieder aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Und so denke ich darüber nach, was denn wohl Gründe für Josef’s Unruhe sein können. Bin ich es, die ggf. kontraproduktiv auf ihr eigenes Kind wirkt, nur weil ich mit und über mein Kind ein eigenes Trauma aus der Kindheit unbewusst verarbeite oder aber mir meine eigene (Ver)Bindung zu meiner Mutter in den Sinn kommt, die doch einige Defizite aufweist. Meine ich eventuell meinem Kind nah zu sein und bin es wohl doch nicht? Gebe ich meinem Kind vielleicht nicht das, was es braucht oder auch nicht in ausreichendem Maße?
Und so befrage ich einen Freund, der sich mit genau diesen Themen beschäftigt und der empfiehlt mir einen Cranio-Sacral-Therapeuten in Tübingen. Diesen kontaktiere ich und werde an eine Kollegin in Speyer verwiesen, die bei ihm etliche Seminare besucht hat. Ihr schildere ich in einem langen Telefonat meine / unsere Situation und fühle mich gut aufgehoben. In erster Linie geht es mir darum, meinem Kind ein wenig Schützenhilfe beim Finden seiner eigenen Ruhe zu finden und zum anderen möchte ich für mich lernen, wie kann ich meinem Kind zur Ruhe verhelfen, ohne selbst zu unruhig zu sein. Auch finde ich den Ansatz der Cranio-Sacral-Sitzung sehr gut, fängt die erste Sitzung nämlich mit uns beiden an und im nächsten Schritt mach ich das allein, damit ich auch mal all meine negativen Gedanken laut aussprechen kann. Und ja, auch davon habe ich einige, denn nicht selten wünsche ich mir – wie bereits geschrieben – mein altes Leben zurück. Nacht für Nacht wünschte ich, ich könnte einfach nur weiterschlafen und jeden Morgen, wenn für den kleinen Josef um 0600 die Nacht vorbei ist, denke ich wie schön das doch vorher war, als ich noch ausschlafen konnte.

Zum Glück bleibt von all diesen Gedanken dann nichts mehr übrig, wenn ich den Jopmann morgens aus seinem Bettchen – ähm, MaxiCosi – nehme, er mich dann breit anlächelt und dann noch völlig verschlafen sein kleines weiches und wohlriechendes Gesichtchen an meines schmiegt. Dann möchte ich ihn um nichts in der Welt mehr in meinem Leben missen.

Und so haben der Jopmann und ich nächste Woche dann auch unsere erste Cranio-Sacral-Dinges gemeinsam. Ich möchte mich überraschen lassen, was uns da erwartet.

Doch bei allem „Elend“ und aller Rastlosigkeit – es hat auch was Gutes, dass Josef zu Hause tagsüber keine Ruhe findet. Gestern morgen war ich mit einer Freundin im Ort zum Spaziergang verabredet. 5,5 km die Runde, die wir ganz gemütlich drehten und dabei erzählten. Nach einem Boxenstopp zu Hause und einem gefüllten Magen, machten Jopi und ich uns erneut auf den Weg. Zunächst zum Supermarkt, denn für das Abendessen wollte noch eingekauft werden und dann ein weiterer schöner Rundweg von fast 6 km.
Auch wenn das mit dem Joggen noch nicht wieder klappt, doch so komme ich wenigstens zu meiner Sporteinheit. Langweilig isses mir beim Spazieren aber. Ich würde gerne telefonieren wollen, doch die meisten meiner Freunde – naja, eigentlich alle – sind bei der Arbeit und können so schlecht davon abgelenkt werden. Ich sollte mal Ausschau nach lustigen Hörbüchern halten, die mich ablenken und mir die Zeit beim Spazierengehen vertreiben.

Wobei ich ja nur noch eine Woche „durchhalten“ muss … Denn ab April hat der Prinz dann auch einen Monat Elternzeit und so werden wir uns die verantwortungsvolle Aufgabe dann auch mal teilen können und ich werde ganz bestimmt die ein oder andere Auszeit für mich beanspruchen können. Ein Übernachtungsbesuch in Aalen steht schon im Kalender :-)

Nun werde ich noch ein wenig die Ruhe und das schöne Wetter geniessen, bevor mein kleiner Quälgeist wieder nach Hause kommt. Er ist nämlich mit dem „Freizeitopa“ eine Runde spazieren gegangen.

Gehabt euch wohl.

Eure Jana.

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