Der
Jopmann und ich waren mal wieder beim Kinderarzt unseres Vertrauens vorstellig.
Warum?
Ganz einfach darum, da das Medikament in seiner Wirkung nachgelassen hat und
nun offensichtlich nicht mehr seinen Zweck erfüllt, der Jopmann wieder aufgrund
von quälendem Sodbrennen herzerweichende Schreiattacken bekommt und er seit
geraumer Zeit nur noch im Stundenrhythmus schläft und den Rest der Zeit
rumquengelt.
Als
besorgte Mutter frage ich mich natürlich, ob da nicht noch mehr dahinter
steckt. Vielleicht wurde bei all den Untersuchungen etwas übersehen oder es
wurde an etwas nicht gedacht.
Und
wie ich dem Kinderarzt so unsere Situation schildere und er sich den Josef so
betrachtet, lässt er mich wissen, dass ich die Nöltöle auch mal auszuhalten
habe. Josef solle ruhig mal lernen, dass ein quersitzender Pups nicht gleich
ein Grund sei zu brüllen. Da der Knabe auch schon schön Gegenstände fixieren
kann, sollte er doch auch in der Lage sein, stundenlang an sein Mobile zu
schauen und sich damit vergnügen. Nicht so mein Josef. Mein Josef heult sein
Mobile gerne mal an, lacht es an und schreit es auch mit lustigen Lauten an,
doch nach 10-20 Minuten ist für ihn wieder die Zeit angekommen, ein wenig zu
quengeln. Das steigert sich dann über unleidiges Weinen bis hin zu diesem
Gebrüll, bei dem es um sein kleines Leben geht.
Und
genau dieses Szenario spielte sich dann auch in der Arztpraxis ab, was uns nun
noch eine Blutuntersuchung, einen Ultraschall vom Kopf sowie ein EEG
einbrachte.
Nächste
Woche geht es mit den Untersuchungen los und dann sehen wir weiter.
Meiner
Hebamme berichtete ich auch von den Ereignissen und sie meinte, es sei gut,
alles auszuschliessen, denn schliesslich kann es für das Schreien eben auch noch
andere Ursachen geben, doch vermutlich wird es so kommen, dass man bei all den
Untersuchungen nichts finden wird und sich von heute auf morgen alles von
allein regelt und kein Mensch wird je wissen, warum es so war, wie es war.
Im
übrigen sehe ich das genauso …
Dennoch,
Josef’s stark ausgeprägte Unruhe lässt und liess mir keine Ruhe. Viele
Gespräche mit Freundinnen habe ich geführt und jede einzelne hat ihren eigenen
Blick auf die Dinge. Für mich ist es hilfreich, kann ich so meine eigene
Situation auch immer mal wieder aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Und
so denke ich darüber nach, was denn wohl Gründe für Josef’s Unruhe sein können.
Bin ich es, die ggf. kontraproduktiv auf ihr eigenes Kind wirkt, nur weil ich
mit und über mein Kind ein eigenes Trauma aus der Kindheit unbewusst verarbeite
oder aber mir meine eigene (Ver)Bindung zu meiner Mutter in den Sinn kommt, die
doch einige Defizite aufweist. Meine ich eventuell meinem Kind nah zu sein und
bin es wohl doch nicht? Gebe ich meinem Kind vielleicht nicht das, was es
braucht oder auch nicht in ausreichendem Maße?
Und
so befrage ich einen Freund, der sich mit genau diesen Themen beschäftigt und
der empfiehlt mir einen Cranio-Sacral-Therapeuten in Tübingen. Diesen
kontaktiere ich und werde an eine Kollegin in Speyer verwiesen, die bei ihm
etliche Seminare besucht hat. Ihr schildere ich in einem langen Telefonat meine
/ unsere Situation und fühle mich gut aufgehoben. In erster Linie geht es mir
darum, meinem Kind ein wenig Schützenhilfe beim Finden seiner eigenen Ruhe zu
finden und zum anderen möchte ich für mich lernen, wie kann ich meinem Kind zur
Ruhe verhelfen, ohne selbst zu unruhig zu sein. Auch finde ich den Ansatz der
Cranio-Sacral-Sitzung sehr gut, fängt die erste Sitzung nämlich mit uns beiden
an und im nächsten Schritt mach ich das allein, damit ich auch mal all meine
negativen Gedanken laut aussprechen kann. Und ja, auch davon habe ich einige,
denn nicht selten wünsche ich mir – wie bereits geschrieben – mein altes Leben
zurück. Nacht für Nacht wünschte ich, ich könnte einfach nur weiterschlafen und
jeden Morgen, wenn für den kleinen Josef um 0600 die Nacht vorbei ist, denke
ich wie schön das doch vorher war, als ich noch ausschlafen konnte.
Zum
Glück bleibt von all diesen Gedanken dann nichts mehr übrig, wenn ich den
Jopmann morgens aus seinem Bettchen – ähm, MaxiCosi – nehme, er mich dann breit
anlächelt und dann noch völlig verschlafen sein kleines weiches und
wohlriechendes Gesichtchen an meines schmiegt. Dann möchte ich ihn um nichts in
der Welt mehr in meinem Leben missen.
Und
so haben der Jopmann und ich nächste Woche dann auch unsere erste
Cranio-Sacral-Dinges gemeinsam. Ich möchte mich überraschen lassen, was uns da
erwartet.
Doch
bei allem „Elend“ und aller Rastlosigkeit – es hat auch was Gutes, dass Josef
zu Hause tagsüber keine Ruhe findet. Gestern morgen war ich mit einer Freundin
im Ort zum Spaziergang verabredet. 5,5 km die Runde, die wir ganz gemütlich
drehten und dabei erzählten. Nach einem Boxenstopp zu Hause und einem gefüllten
Magen, machten Jopi und ich uns erneut auf den Weg. Zunächst zum Supermarkt,
denn für das Abendessen wollte noch eingekauft werden und dann ein weiterer
schöner Rundweg von fast 6 km.
Auch
wenn das mit dem Joggen noch nicht wieder klappt, doch so komme ich wenigstens
zu meiner Sporteinheit. Langweilig isses mir beim Spazieren aber. Ich würde
gerne telefonieren wollen, doch die meisten meiner Freunde – naja, eigentlich
alle – sind bei der Arbeit und können so schlecht davon abgelenkt werden. Ich
sollte mal Ausschau nach lustigen Hörbüchern halten, die mich ablenken und mir
die Zeit beim Spazierengehen vertreiben.
Wobei
ich ja nur noch eine Woche „durchhalten“ muss … Denn ab April hat der Prinz dann
auch einen Monat Elternzeit und so werden wir uns die verantwortungsvolle
Aufgabe dann auch mal teilen können und ich werde ganz bestimmt die ein oder andere
Auszeit für mich beanspruchen können. Ein Übernachtungsbesuch in Aalen steht
schon im Kalender :-)
Nun
werde ich noch ein wenig die Ruhe und das schöne Wetter geniessen, bevor mein
kleiner Quälgeist wieder nach Hause kommt. Er ist nämlich mit dem „Freizeitopa“
eine Runde spazieren gegangen.
Gehabt
euch wohl.
Eure
Jana.
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