Vor
einigen Wochen – beim Rückbildungskurs – kündigte meine Hebamme an, dass sie
mir demnächst mal eine Telefonnummer einer Spezialambulanz in Speyer zukommen
lassen würde. Diese Ambulanz sei erst kürzlich im Krankenhaus neu eingerichtet
worden und wäre eine Anlaufstelle für Eltern unruhiger Kinder. Also sowas
ähnliches wie ne Schreiambulanz, aber eben nur mit ohne Schreien. Oder so.
Da
ja meine Wenigkeit in Bezug auf Josefinski wenig unversucht lässt, habe ich
mich mal bei dieser Ambulanz gemeldet, habe denen mein Problem geschildert und
bin dabei nicht auf taube Ohren gestossen. Das wiederum brachte mir einen
Elternfragebogen und ein Schlafprotokoll ein, welches ich über 4x24 Stunden
akribisch führte und quasi jeden Pups notierte.
Und
heute war dann der Termin in dieser Spezialambulanz. Eigentlich hätte der Prinz
dabei sein sollen, doch aufgrund der vielen Arbeit konnte er nicht mit und so
haben Josef und ich das allein durchgestanden.
So
genau wusste ich nicht, was mich erwartet und in erster Linie – da waren der
Prinz und ich uns einig – wollten wir für uns erfahren, ob wir mit der
Situation richtig umgehen und ob unser Kind denn wirklich ein Unruhegeist ist.
Und wenn wir nur mit der Erkenntnis nach Hause gehen, es ist alles richtig und
gut, wie wir das tun, so soll uns das eben auch recht sein und wenn nicht, dann
bringe ich eventuell doch ein paar nette Anregungen mit, wie ich mit der
Situation besser umgehen kann.
So
schilderte ich heute früh, wie das so mit Josef ist, dass mich ganz viele
Ängste und Sorgen umtrieben und noch immer umtreiben, dass ich mir schon das
ein oder andere mal denke, dass es mit ohne Josef einfacher war, dass ich eben
nicht zu den Tragemamis gehören, die ihr Kind 24/7 am Bauch angeschnallt haben
und dass mich Josef eben auch immer mal wieder ganz schön nervt. Und jetzt
würde ich eben gerne wissen wollen, wie viel Unruhe kommt von Josef bei mir an
und wie viel von ihm bei mir.
Und
während wir uns so unterhielten und ich all die Fragen der beiden beantwortete,
vergnügte sich mein Spross zunächst mal bei mir auf dem Arm, schnitt lustige
Grimassen und schien sich diebisch zu freuen, da mir der aufsteigende Geruch
aus seiner Winde eindeutig signalisierte, was zu tun ist. Und so entledigte ich
ihn seiner vollen Windel und liess ihn kurzerhand mit seinen nackten Beinchen
auf dem Boden strampeln, was er sich sehr gerne gefallen liess, hatte er doch
ausgiebig Gelegenheit, die weisse Wand anzuheulen und vor sich hin zu glucksen.
Erstaunlicherweise
hatte ich 1,5 Stunden Zeit, in aller Ruhe mein Gespräch mit den Damen zu
führen, ohne dass Josef seiner Lieblingsbeschäftigung – dem Quengeln –
nachging.
Ausserdem
hatten beide Zeit, sich ein Bild von Josef zu machen, was auch mir wieder neue
Erkenntnisse einbrachte.
Am
Ende der Beratungsstunde zogen sich beiden nochmal zu einem kurzen Resümee
zurück und teilten mir dann ihre Einschätzung mit. Also Josef ist ein ganz
aufgeweckter kleiner Mann, der über erstaunlich gut ausgeprägte
Selbstregulierungsansätze zu verfügen scheint. Immer wieder hielt er kurz inne,
hielt seine Händchen fest oder aber lutschte an den Fingern. Auch scheint wohl
das Strampeln – neben der Tatsache, dass es dem Darm und dem Bäuchlein guttut –
auch ein Selbstregulierungsmechanismus zu sein. Das Strampeln löse wohl die
(An)Spannung in Josef.
Schön
war es, die Bestätigung zu bekommen, dass das, was man tut, richtig ist und dem
Kind guttut. Woran wir zu gegebener Zeit mal arbeiten könnten, ist die Sache
mit dem Tagschlaf und während das am Abend im eigenen Bett verhältnismässig gut
klappt, sollte ich mir überlegen, ob ich nicht auch bald mal damit anfangen möchte,
das Josef eben auch tagsüber beibringen zu wollen.
Auch
das wieder einiges an Nerven kosten, doch es sollte kein Ding der Unmöglichkeit
sein. Nun denn, ich werde es mir überlegen.
Kurzum,
einmal mehr komme ich zur Erkenntnis, mich endlich mal zurückzulehnen und die
Dinge einfach mal laufen zu lassen …
Wissen
tu ich’s … Doch mit der Umsetzung klappt es noch nicht so recht …
Und
ab übermorgen wird dann alles sowieso viel besser, denn da ist dann Josef genau
3 (!!!) Monate alt …
Oh ja, wie bekannt mir das alles doch vorkommt...als wäre es gestern, obwohl es schon Jahrzehnte her ist.
AntwortenLöschenAll diese Unsicherheit, die 1000 Fragezeichen im Gesicht, die Furcht etwas falsch zu machen, der Zwerg, der sich so anders verhält wie erwartet, dieses Gejammer und Geschrei, das so quälend und enervierend sein kann, dazu der fehlende Schlaf, die verzweifelte Suche nach Gründen und Ursachen (die es vielleicht gar nicht gibt), die Frage ob und was man falsch macht, ob es an einem selbst liegt (bei anderen ist es doch schließlich nicht so...muss ja an einem liegen), dann die vermeintlich guten Ratschläge von allen Seiten, die Suche nach kompetenter Hilfe, dazu das völlig veränderte Leben, der Verlust an liebgewonnenen Dingen aus dem alten Leben, das Gefühl, das immer mehr Realität wird, dass sich da etwas nicht mehr zurückdrehen kann, all die Situationen, die man so nun nicht erwartet hat.
Ja, manchmal war auch richtige Verzweiflung und das Gefühl der Ausweglosigkeit dabei.
Und dann plötzlich wieder diese unglaublichen Momente der Glücks, bei einem Lächeln, oder wenn man mal spürt, dass das Team anfängt zu funktionieren oder auch nur wenn der Knirps ENDLICH ENDLICH ENDLICH SCHLÄFT. Und man erschöpft mal niedersinken und entspannen kann. Um nach viel zu kurzer Erholungsphase dann wieder... na ja, du weißt schon.:D
Mit anderen Worten: Dieses Feuerwerk an widersprüchlichen Gedanken und Gefühlen, das einen überschwemmt.
Ja, es ist Jahrzehnte her und geblieben ist inzwischen das Gefühl und Wissen, im Endeffekt dann doch alles irgendwie halbwegs richtig gemacht zu haben. Vielleicht nicht mit 1+, aber vielleicht mit einer 2-?? DAS ist schon was.
Gut ist es aber, inzwischen zu wissen, dass all diese Fragen, Gedanken, Unsicherheiten und Gefühle ganz normal ist, dass sie dazu gehören und einfach notwendig sind, seinen eigenen Weg und die eigene Rolle als Mutter (oder Vater) zu finden. So ein neues Team muss sich halt einspielen. Das gilt schließlich für beide Seiten, denn für deinen kleinen royalen Neuling hat sich vor ca. 3 Monaten in seinem Leben noch viel mehr geändert als für dich.
Und gut zu wissen ist es auch, dass unruhige und quengelige Babys später dann ganz oft die lebendigeren, intelligenteren und aufgeweckteren Kinder und Erwachsenen werden. Mit ihrem eigenen (Dick)Kopf. Aber DAS ist dann später ein anderes Thema. :D :D Alles ist also ganz bestimmt so wie es sein sollte.
Ein kluger Mann namens Franz von Sales sagte mal: "Habe Geduld mit allen Dingen, vor allem aber mit dir selbst." Dem ist nichts zuzufügen.
Und auf all dieses stößt man rein zufällig, wenn man mal wieder alte Lesezeichen durchforstet.
Das war es dann aber auch, was es loszuwerden galt.