Montag, 14. April 2014

Der Zahn der Zeit.



Es ist Schlafengehzeit.
Josef hat mal wieder die Zubettgehflasche „verweigert“ (die letzte Raubtierfütterung fand gegen 1700 statt) und nun liegt er gepuckt und mit seiner Stoffwindel gekuschelt im Bettchen. Nur die Sache mit dem Schnuller klappt noch nicht reibungslos. Und bevor ich immer wieder aufspringe, um ins Kinderzimmer zu rennen, habe ich nun mal den Rechner mitgenommen, sitze hier an Josef’s Bett, hab den Schuller sofort greifbar und kann dem Geschrei blitzschnell Abhilfe leisten.

Eigentlich funktioniert das Schlafengehen seit einigen Tagen reibungslos (also, die Sache mit dem Schnuller ist ja auch nicht wirklich dramatisch), seit wir festgestellt haben, dass sich unser Jopmann gerne in voller Lautstärke mit dem Rauschen zwischen zwei Sendern beschallen lässt. Es ist exakt jene Lautstärke, in welcher er zu schreien vermag. Mit dieser „Hintergrundmusik“ kuschelt er sich an sein Schnuffeltuch (eine Mullwindel) und hat die Augen sofort geschlossen. Im 10-Minuten-Rhythmus drehe ich die Lautstärke dann runter, so dass am Ende nur noch leichtes Rauschen zu vernehmen ist. Das klappt wunderbar – inzwischen auch tagsüber, wenn Josef seinen Mittagsschlaf halten soll.
Der grosse Vorteil der Hintergrundbeschallung ist, dass Fremdgeräusche aus dem Kinderzimmer ferngehalten werden und er nicht geweckt wird.

Trotz aller Einschlafhilfe waren die letzten beiden Nächte sehr sehr unruhig. Josef wurde immer gegen 0030 wach und an ein Einschlafen bzw. erholsames Weiterschlafen war einfach nicht mehr zu denken. Die Ursache liegt wohl irgendwo zwischen dem Vollmond und dem Zahnen. Seit Freitag produziert der junge Herr Unmengen „Mist“. Am Samstag Mittag habe ich bei 30 mal aufgehört zu zählen. Fast minütlich war die Windel voll. Und nicht nur das. Das Zeug roch bzw. riecht übel. Also ganz übel. Zugegeben, ich stosse da ganz hart an meine Grenzen.
Nachdem die Scheisserei allerdings am Samstag mittag immer noch weiter ging und nicht zu enden schien und Josef dann auch noch immer weniger trinken wollte, war ich alarmiert genug, dass wir (der Prinz war dann auch dabei) am Sonntagmorgen unseren lieben Kinderarzt in der Notfallsprechstunde in der Praxis aufsuchten.
Ob nun das Zahnen oder ein Virus dafür verantwortlich ist, man weiss es nicht. Klar ist, der Dünnpfiff kommt irgendwo her … Und nun muss das Kind auf „Diät“ gesetzt werden. Ich weiss nicht, wie viele der Flaschenkind-Mütter jemals probiert haben, was die kleinen Würmer so trinken „müssen“, doch als „Gaumenschmaus“ lässt sich so ein Fläschen sicher nicht bezeichnen.
Und mein Josef hat da schon einige Wechsel hinter sich.
Begonnen haben wir mit Aptamil pre (geschmacklich mein absoluter Favorit und Josef schmeckt’s auch), danach haben wir einen Wechsel auf Alete pre vollzogen (schmeckte, verursachte aber unglaubliche Blähungen beim Kind). Daraufhin riet uns der Arzt, es mal mit der Aptamil Comfort zu versuchen (laktosereduziert, schmeckt scheuslich – mal ganz davon abgesehen, dass Josef grün gekackt hat)und am Ende sind wir dann wieder bei Aptamil pre gelandet. Gute Entscheidung und die richtige Wahl.

Jetzt muss der Josef allerdings eine Kur mit der Heilnahrung machen. Das Zeug ist von der Konistenz vergleichbar, wie diese Comfortnahrung, ist jedoch neben der Laktosefreiheit auch noch fettreduziert. Dass das nicht schmeckt, kann ich mir denken und brauch es noch nicht mal mehr zu probieren. Und so trinkt der Jopmann auch … Mal mehr, mal weniger, aber eben nicht mehr die ganze Portion.
Die Kur geht wie folgt: Am ersten Tag nur Heilnahrung füttern, am 2. Tag dann eine Flasche der Heilnahrung durch die reguläre ersetzen, am 3. Tag dann zwei Flaschen ersetzen usw. So lange, bis man wieder nur die reguläre Nahrung füttert.

Und hier sind wir nun. Die ersten 24 Stunden mit Heilnahrung haben wir hinter uns, die zweiten 24 Stunden haben heute Mittag begonnen und am Nachmittag habe ich die erste Flasche durch reguläre Nahrung ersetzt. Quittiert wurde das von meinem Sohn damit, dass er vermutlich das Doppelte hätte trinken können, hätte ich mehr dabei gehabt und damit, dass wir das Wickeln zu Hause direkt ins Bad und in die Badewanne verlagert haben und den Body direkt in der Mülltonne entsorgt haben.

Bleibt zu hoffen, dass wir die Sache mit dem flotten Otto bald wieder in die Reihe kriegen, denn so ist das für die kleine Made doppelt unschön …

Ausserdem steht uns am Wochenende wieder eine längere Autofahrt bevor. Mir graut – wenn ich ganz ehrlich bin – jetzt schon davor. Zuweilen schaffen wir es kaum schreifreie Autofahrten zu bewältigen. So Josef nicht müde ist, lässt er sich 5 Minuten im MaxiCosi fahren und dann wird aus vollem Halse geschrien. Mit nichts lässt er sich beruhigen, selbst das Schauen interessiert ihn nicht.
Zu Hause ist es das Gleiche. Erst lacht er munter vor sich hin, hat blendende Laune, dann meckert er ein bisschen, dann quengelt er und wenn dann nichts passiert, dann wird geschrien. Laut. Sehr laut. Schwarz oder weiss. Dazwischen gibt es nichts.
Der Josef mausert sich zu einem echten Prinzesschen. Passt ihm was nicht: Schippchen ziehen und losheulen.

Wird das jemals aufhören???? Wird es schlimmer? Bleibt das so? Wird aus ihm womöglich eine Heulsuse? So ein kleiner Mitdemfussaufdenbodenstampfer????
Die drei Monate haben wir doch jetzt schon voll … Wann wird es denn besser?
Womöglich nie. Womöglich dauert das bei Josef doppelt so lange!!!

Und ja, sie werden viel zu schnell gross (womöglich werde auch ich das irgendwann mal sagen), doch zuweilen macht mir das ganz und gar nichts aus …

Jetzt wage ich erneut den Versuch, Kinderzimmer zu verlassen, um es mir vor dem TV für die nächsten 15 Minuten gemütlich zu machen, bevor ich dann selbst auch schlafen gehen werde …

Gehabt euch wohl.
Eure Jana.

3 Kommentare:

  1. Jana, du schreibst so herrlich ehrlich und selbst wenn man kein Schreikind hatte, kommen da einige Erinnerungen hoch. Babys sind so. Und auch wenn ich die hundertste schreckliche Mama sein sollte, die dir das sagt: Stopf das schreiende Blag in die Manduca. Das hilft. WIRKLICH! Die brauchen Körperkontakt.Lilli schrie da anfangs auch noch drin. Und ich bin ruhig geblieben und hab gedacht: DAS HILFT WIRKLICH! und hab sie schreiend drin gelassen. Manchmal bin ich mit ihr rausgegangen in der Manduca. Dann hört man das Schreien nicht mehr so laut. Egal, was die anderen Menschen denken, geh raus! Trag ihn. DAS WIRD BESSER! und ist NORMAL!
    Du schaffst das. Und dein kleiner Mann klingt trotz allem sehr sympathisch. Und da du das alles schreibst, heißt das, dass du ihn sehr lieb hast. Und das ist das Wichtigste.

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  2. So oft habe ich in der Vergangenheit gesagt, dass wenn mir nochmals eine Mutter mitt dem Tragetuch oder so kommt, würde ich sie samt ihrem Tragetuch am nächsten Baum erhängen wollen :-)
    Inzwischen tut es mir fast schon ein bisschen leid, dass ich mich so sehr gegen das Tragetuch gewehrt habe. Josef hätte es sicher gut getan und es hätte uns beiden einiges erspart. Doch nun ist es, wie es ist. Ich werde dennochmal eine Trageberatung machen, mal sehen, ob man einen 15 Wochen alten Zwerg überhaupt noch daran gewöhnen kann. Wenn nicht, dann nicht ... Je mobiler Josef wird, umso ruhiger wird er. Er scheint mir recht ausgeglichen zu sein ...

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